Es ist eine traurige Zählung: Seit inzwischen 14 Jahren steht das ehemalige Schulgebäude in der Putbusser Straße leer und verfällt. Pläne zur Reaktivierung des ehemaligen Oberstufenzentrum Wedding (OSZ Wedding) gab es in der Vergangenheit viele, doch umgesetzt wurde keiner. Wie lange geht das noch so weiter? Ein Brief aus der Senatsfinanzverwaltung macht jetzt eine Andeutung.

Wie lange wird das orangefarbene Gebäude in der Putbusser Straße, die ehemalige Schule, noch leerstehen und weiter verfallen? Bisher gab es auf diese Frage keine belastbare Antwort. Nun gibt es zumindest eine mögliche Aussicht auf ein Ende des Leerstands. Wenn alles optimal läuft, kann eine Reaktivierung des Standorts in der Putbusser Straße 12 im Jahr 2031 beginnen. Das geht aus einem Brief der Senatsverwaltung für Finanzen an den Bezirk Mitte hervor.
Die Bezirksstadträte Ephraim Gothe (SPD, Stadtentwicklung) und Benjamin Fritz (CDU, Schule) hatten den Finanzsenator in einem Schreiben im vergangenen Oktober darum gebeten, die Sanierung des ehemaligen OSZ Wedding in der Putbusser Straße in der Investitionsplanung zu berücksichtigen. „Der Bezirk kann die Maßnahme als bezirkliche Sanierungsmaßnahme bei der Fortschreibung des Investitionsprogramm 2025-2029 mit einem Erläuterungsbericht im kommenden Jahr neu anmelden. Die Maßnahme müsste sich dann in die Überbezirkliche Dringlichkeitsliste einfügen“, heißt es in der Antwort der Senatsfinanzverwaltung.
Die Senatsverwaltung äußert im gleichen Schreiben jedoch Bedenken hinsichtlich des Bauprojekts. Auch wenn der derzeitige Leerstand der Immobilie „kein wünschenswerter Zustand“ sei, gebe es Bedenken an der Sanierung. Insbesondere erwähnt das Schreiben, dass durch den nunmehr geltenden Denkmalschutz kein Abbriss möglich sei und eine Neubau nicht errichtet werden könne. Diese Variante habe das Land präferiert. Eine denkmalgerechte Sanierung wäre teuer und durch den langen Leerstand könnten Schäden an der Gebäudesubstanz entstanden sein, die das Projekt weiter verteuern. Die Senatsfinanzverwaltung spricht daher von „erheblichen Bedenken“.
Dennoch könne der Bezirk das ehemalige OSZ Wedding als bezirkliche Sanierungsmaßnahme bei der Fortschreibung des Investitionsprogramm 2025-2029 anmelden. Ob die Maßnahme dann priorisiert und damit finanziert werde, müsse die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie entscheiden, heißt es. Ob der Bezirk die alte Schule in der Putbusser Straße tatsächlich in die Investitionsplanung aufnimmt, ist jedoch offen.
OSZ Wedding: Was bisher geschah
1974-76 wurde das Schulgebäude als Oberstufenzentrum Wedding (OSZ Wedding) gebaut. In dem Gebäude wurde ab der Eröffnung das Ranke-Gymnasium untergebracht.
2001 zog das Diesterweg-Gymnasium aus der Böttgerstraße in das OSZ Wedding, das Ranke-Gymnasium wurde in das Diesterweg-Gymnasium eingegliedert.
2007 wurde der Umzug der Schulgemeinschaft mit 850 Schüler:innen in das Schulgebäude in der Böttgerstraße beschlossen. Grund: Der Bezirk rechnete mit sinkenden Schülerzahlen.
2011 erfolgte der beschlossene Umzug der Schulgemeinschaft in die Böttgerstraße, das Gebäude zwischen Putbusser Straße und Swinemünder Straße steht seitdem leer.


2012 zog auch die Hugo-Heimann-Bibliothek aus dem Schulgebäude aus, das seitdem komplett leer steht. Die Bibliothek zog in die neu gebaute Schiller-Bibliothek am Leopoldplatz.


2012/13 stellte ein Architekten-Team aus der Nachbarschaft ein Nachnutzungskonzept vor, das günstigen Genossenschaftswohnraum, ein Nachbarschaftszentrum, eine Kita und Bibliothek umfasste (ps wedding). An den Plänen wurde in den folgenden Jahren weiter gearbeitet, sie wurden zunächst positiv aufgenommen.
2014 sprachen sich die Bezirksverordneten für die Umsetzung des Projekts von ps wedding aus.
2015 wurde eine Kooperation von ps wedding mit dem städtischen Wohnungsunternehmen degewo geschlossen, damit beide gemeinsam das Gelände entwickeln.



2019 beschließt der Bezirk, den Standort wieder als Schulgebäude zu reaktivieren. Der Bestandsgebäude soll abgerissen werden. Weil das Projekt aber nicht für die Schulbauoffensive angemeldet worden war, fehlte die Finanzierung.


2019 stellt das Landesdenkmalamt das OSZ Wedding unter Denkmalschutz, ein Abriss ist damit nicht mehr möglich.


2021 erlaubt das Bezirksamt eine Zwischennutzung des Geländes vor der Schule in der Swinemünder Straße. Der Diesterbeet-Hochbeetgarten entsteht.
2022 erlaubt der Bezirk eine Zwischennutzung des ehemaligen Schulsportplatzes für ein Jugendprojekt und eine Garteninitiative.




2024 errichtet der Bezirk einen drei Meter hohen Wellblechzaun um die geschlossene Schule. Das soll Vandalismus verhindern, der inzwischen hohe Kosten verursacht.

2025 will der Bezirk auf dem ehemaligen Schulsportplatz mehrere Modulbauten errichten, in die ein großer Teil der Schulgemeinschaft der Ernst-Reuter-Oberschule einziehen soll. Die Zwischennutzung ist für mehrere Jahre geplant – bis die Sanierung der Ernst-Reuter-Oberschule in beendet ist.
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Das OSZ Wedding war in den 1970er Jahren ein neuer und ambitionierter Schulbau. Einen Blick ins Innere der Schule kann werfen, wer in den Beitrag Orange Schule: Ambitionierter Bau der 1970er schaut.

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