Vor drei Jahren hat der Bezirk Mitte begonnen, Kreuzungen so umzugestalten, dass sie für alle sicherer sind. Wer mit offenen Augen durch den Stadtteil geht, kann in vielen Kiezen sogenannte „Sichere Kreuzungen“ entdecken. Neue Markierungen gibt es zum Beispiel im Brüsseler Kiez oder im Brunnenviertel. Doch die Umsetzungsgeschwindigkeit des Projekts ist seit dem Start 2022 langsamer geworden. Das hat mehrere Gründe.

Der Bezirk plant, in diesem Jahr noch viele neue sichere Kreuzungen einzurichten, und gibt auf Anfrage Einblick in seine Planung. Etwa 160 solcher Maßnahmen sind seit 2022 insgesamt geplant worden, teilt Christian Zielke von der Pressestelle des Bezirksamts auf Nachfrage des Brunnenmagazins mit. Davon tatsächlich umgesetzt sind im ganzen Bezirk Mitte bisher 96. Für die übrigen sicheren Kreuzungen stehen die Bauarbeiten noch bevor. Gefragt nach den bisher umgesetzten Maßnahmen in den Ortsteilen gibt das Bezirksamt folgende Zahlen heraus: Gesundbrunnen 22, Mitte 37, Moabit 1, Wedding 35.

Bis zu 40 weitere Kreuzungen im Stadtteil
Derzeit wird laut Pressestelle „an über 60 weiteren sicheren Kreuzungen gearbeitet, der Großteil soll dieses Jahr noch umgesetzt werden“. Im Ortsteil Gesundbrunnen sind laut Bezirksamt bis zu 16 avisiert, im Wedding sogar bis zu 24. Die übrigen Planungen beziehen sich auf Moabit (bis zu 10) und Alt-Mitte (bis zu 16). Trotz der aktuellen Haushaltslage geht das Bezirksamt davon aus, dass viele der geplanten sicheren Kreuzungen in diesem Jahr umgesetzt werden. „Die Baumaßnahmen sind von der Haushaltssperre nicht betroffen“, teilt Julia Mösch von der Pressestelle dem Brunnenmagazin mit. Konkrete Planungen gibt es unter anderem „entlang der zukünftigen Fahrradstraße Togostraße, entlang der zukünftigen Fahrradstraße Nordufer als auch entlang der zukünftigen Fahrradstraße Uferstraße“. Der Bezirk ist demnach dazu übergegangen, die sicheren Kreuzungen stärker in Verbindung mit weiteren Baumaßnahmen umzusetzen. Die Kosten für eine umgestaltete Kreuzung beziffert das Bezirksamt auf circa 15.000 Euro.
Planung war anfangs das Problem
Die 100. Kreuzung hatte die damalige Bezirksstadträtin Dr. Almut Neumann (Grüne) im Frühjahr 2024 öffentlich gefeiert. Damals war der Knotenpunkt Glasgower Straße und Edinburger Straße fertig geworden. Mit dem Termin wurde die Aufmerksamkeit auf das Verkehrssicherheitsthema gelenkt. Gefeiert wurde damals jedoch nicht die 100. fertiggestellte Kreuzung. Viele Knotenpunkte waren damals zwar fertig, andere noch in der Umsetzung, wieder andere waren gerade fertig geplant. Zum Hintergrund: In der Amtszeit von Frau Dr. Neumann waren vor allem die Planungskapazitäten das Nadelöhr für die Umsetzung von bezirklichen Baumaßnahmen, insofern war die 100. gebaute oder geplante sichere Kreuzung ein Grund zum Feiern. Dr. Neumanns Amtsnachfolger Christopher Schriner hat inzwischen andere Hindernisse zu überwinden.


Warum es bei der Umsetzung stockt
„Zum Teil waren die sicheren Kreuzungen als Maßnahmen im Rahmen von Fahrradstraßen geplant. Aufgrund der mangelnden Finanzierung von Fahrradstraßen musste der Bezirk Mitte seine Ziele jedoch leider stark nach unten korrigieren“, erläutert Christian Zielke von der Pressestelle. Insgesamt habe sich die Umsetzung der geplanten Maßnahmen stark nach hinten verschoben. „Einige der bereits geplanten Kreuzungen mussten aufgrund von anderen Faktoren verschoben, vorerst pausiert oder abgebrochen werden“, heißt es weiter. Die Gründe dafür seien vielfältig: Planungsbefangenheiten wegen Kiezblockplanungen, andere Baustellen, veränderte Prioritäten oder Finanzierungsprobleme. „Bei einer Ausschreibung für die Umsetzung vieler Kreuzungen im Jahr 2024 wurde dem Straßen- und Grünflächenamt beispielsweise ein so hoher Preis angeboten, dass die Umsetzung wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen wäre“, erklärt Bezirksamtsprecher Christian Zielke.

Das sind sichere Kreuzungen
Der Bezirk Mitte hat 2022 begonnen, Knotenpunkte verkehrssicher umzugestalten. Die Idee ist, Kreuzungen mit einfachen und kostengünstigen Mitteln vor allem für Menschen zu Fuß sicherer zu machen. Mit Markierungen und teilweise auch mit Pollern werden die Kreuzungen so markiert, dass Autos sie nicht mehr zuparken können und sichere Übergänge für Fußgängerinnen und Fußgänger entstehen.
Neben den Kreuzungsbereichen werden in der Regel Parkflächen für Fahrräder, Lastenräder, Krafträder und E-Scooter auf der Fahrbahn eingerichtet. So sollen nicht nur Abstellflächen für nicht-motorisierten Verkehr geschaffen werden, sondern es sollen sich auch die Sichtbeziehungen an der Kreuzung verbessern. Im gesamten Bezirk Mitte gibt es laut Bezirksamt circa 1.800 Kreuzungen und Querungen über Fahrbahnen. Das Ziel ist laut der Webseite des Bezirks, „eine hohe Anzahl an Kreuzungen mit verhältnismäßig einfachen und kostengünstigen Maßnahmen“ umzugestalten.
Das Straßen- und Grünflächenamt Mitte wurde 2023 mit dem Projekt „Fahrradparken macht Kreuzungen sicherer“ (sichere Kreuzungen) für den Deutschen Fahrradpreis nominiert. Das Projekt wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

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