Die Goldenen Zwanziger, wie sie heute romantisiert werden, dürften um 1925 herum in vollem Gange gewesen sein. Natürlich nicht im armen Wedding. Nach der Wahl zur Bezirksversammlung 1925 stehen sich zwei Blöcke gegenüber. Die SPD und die KPD streiten um Vorherrschaft.

Die SPD ist nun Wahlsieger im Wedding. Mit dem Anspruch Realismus und Reform, statt Revolution nach russischem Vorbild findet sie auch im Roten Weddinger mit 36,8 Prozent die meiste Zustimmung. Doch die Kommunisten sind dicht auf den Fersen, die KPD kommt auf 33 Prozent. Die USPD ist dagegen mit einem Prozentpunkt bedeutungslos.
Wer jetzt einfach rechnet, dass zwei Arbeiterparteien zusammen auf zwei Drittel aller Stimmen kommen, der übersieht die massiven inhaltlichen Differenzen beider Parteien, von denen sich die eine als demokratisch und die andere die Diktatur des Proletariats wollte.
Unter den folgenden Parteien ist die Deutschnationale Volkspartei mit 12,8 Prozent relevant. Die beiden liberalen Parteien tauschen die Reihenfolge. Mit 6 Prozent liegt die Deutsche Demokratische Partei nun vor der Deutschen Volkspartei, die auf 2,5 Prozent kommt.

Wahl zum Reichspräsidenten stellt Weichen
Verlässt man den Kiez und blickt aufs Deutsche Reich, dann war 1925 das Schicksalsjahr, in dem Paul von Hindenburg zum Präsidenten gewählt wurde. Im zweiten und entscheidenden Wahlgang am 26. April 1925 standen sich Wilhelm Marx für den republikanischen „Volksblock“ und Paul von Hindenburg für den antirepublikanischen „Reichsblock“ gegenüber.
Paul von Hindenburg leitete im Ersten Weltkrieg die Oberstes Heeresleitung und hatte damit die defacto Regierungsgewalt inne. Wegen der gewonnenen Schlacht bei Tannenberg wurde er zu einer mythischen Figur gemacht. Er gilt als einer der Väter der Dolchstoßlegende, wonach Deutschland den Ersten Weltkrieg noch hätte gewinnen können, wenn die Politik zum Militär gehalten hätte. Diese Verschwörungserzählung ist nachweislich falsch. Von rechten Kreisen wurde sie in der Zeit der Weimarer Republik stets zur Herabwürdigung der Demokratie eingesetzt.
Weiterlesen: Wie Wedding wählte
Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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