So wählte der Wedding 1954

Wie war das bei der Wahl 1954 im Wedding? Plötzlich tritt die SED wieder an. Und scheitert selbst in der ehemaligen Hochburg der KPD komplett. Auf gerade einmal 4,3 Prozent kommt die Partei im Bezirk Wedding.

Wahlergebnis Bezirksverordnetenversammlung Bezirk Wedding Wahl 1954. Grafik: Andrei Schnell
Wahlergebnis Bezirksverordnetenversammlung Bezirk Wedding Wahl 1954. Grafik: Andrei Schnell

Der Traum vom Arbeiterstaat blühte nach dem Zweiten Weltkrieg nie richtig auf, obwohl im Wedding die KPD bis 1933 auf breite Zustimmung stieß. Doch die Realität, das heißt die Aktivitäten der Kommunisten in Ostberlin und der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR, haben offenbar den Leuten im Arbeiterbezirk die Augen geöffnet. Bei der Berlinwahl 1954 trat die SED nach längerer Pause in Westberlin an und wurde von den Wählern fast komplett ignoriert. 4,3 Prozent bekam die SED im Bezirk Wedding, in Westberlin insgesamt kam sie auf 2,7 Prozent.

Platzhirsch bleibt die SPD, die im Bezirk Wedding auf 57,3 Prozent der Stimmen kommt. Die FDP verliert und liegt nun bei 7,9 Prozent. Die CDU bekommt, wie in den nächsten Jahrzehnten weiterhin, ein paar Pünktchen mehr und liegt nun bei 23,6 Prozent.

Mit dabei: Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten

Zum letzten Mal findet sich der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten BHE unter den Wahlergebnissen. Heute vergessen ist, dass die BHE von Konrad Adenauer zeitweise an der Regierung beteiligt wurde. Politisch war die BHE eine Klientelpartei, die einerseits zur Integration der Vertriebenen beitrug, andererseits aber die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen von 1937 forderte. Da Wikipedia die Partei dennoch der Mitte zuordnet, ist sie in den Diagrammen wie die CDU die Farbe Schwarz erhalten.

Wahltrend Bezirksverordnetenversammlung Bezirk Wedding Wahl 1954. Grafik: Andrei Schnell
Wahltrend Bezirksverordnetenversammlung Bezirk Wedding Wahl 1954. Grafik: Andrei Schnell

1954 Teilung und Wirtschaftswunder

Nicht alle haben vermutlich parat, dass im Januar und Februar 1954 sich die Außenminister der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens und Frankreichs trafen, um eine mögliche Wiedervereinigung des 1949 in zwei Staaten geteilten Deutschlands zu beraten. Die Beratungen verliefen, wie wir heute wissen, erfolglos. Doch die Frage, ob sich die Deutschen mit der Teilung abfinden sollten, beschäftigte damals die Menschen stark. Unvergessen ist das Ringen zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem SPD-Oppositionsführern Kurt Schumacher in der Frage der Westbindung, die faktisch die Chance auf ein geeintes Deutschland aufgab.

Die 1950er Jahre sind die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders. Das natürlich weniger ein Wunder als ein gelungenes Anknüpfen an Entwicklungen in Westeuropa und den USA war. Für die Menschen sicher eindrücklich und spürbar war, dass der Lebensstandard rasch das Gewohnte der Vorkriegszeit übertraf. Und damit nicht nur den Niedergang der Nachkriegsjahre wettmachte. Allerdings profitierten nicht alle vom Aufschwung, wie die lesenswerten Schilderungen von Paul Gurk zeigen. Paul Gurk lebte in der Afrikanischen Straße und veröffentlichte 1957 mit „Ein ganz gewöhnlicher Mensch“ einen Weddinger Kiezroman.

Weiterlesen: Wie Wedding wählte

Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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