Sommer und Winter im Wedding

Nun ist doch ein wenig Schnee gefallen im Wedding. Während bei vielen Menschen nun Fragen nach dem Wegräumen der weißen Zuckerdecke oder des unfallfreien Arbeitswegs auf der Tagesordnung sehen, gehen meine Gedanken spazieren. Ist denn bald Frühling, wann und wo kann ich in den Weddinger Garten? Hier sind ein paar aus der Jahreszeit gefallene Gedanken über Sommer und Winter im Wedding und in Gesundbrunnen.

Sommer und Winter im Wedding. Fotos: Hensel
Sommer und Winter im Wedding. Fotos: Hensel

Vielleicht ist es nicht der richtige Zeitpunkt für solche Gedanken. Vielleicht sollte ich an Weihnachten zurückdenken, an meinen alten Holzschlitten, den der kleine Weddinger in diesem Jahr benutzen wird und an romantische Candlelight-Abende bei heißem Tee und Boogie-Blues. Doch ich denke an Kleingärten. Ich träume von hübsch gepflegten Parzellen, über deren Zäune hinweg mir wilder Flieder zunickt. Ich denke an das Grün des späten Sommers, an den Geruch von Lavendel und Studentenblumen.

Ich weiß nicht, ob ich ein Kleingartentyp bin. Ich stelle mir vor, dass es mir zu eng ist, zu klein. Aber der Mit-Weddinger schätzt kuschelige Höhlen und ich das Grün. Deshalb haben wir schon einmal über ein Gärtchen nachgedacht. Für die Kinder wäre es toll, mein grünes Herz könnte erblühen und der Mit-Weddinger hätte vielleicht einen hübschen Platz zum Lesen. Noch ist nicht klar, wer die Blümchen gießen würde (und ob überhaupt). Nur deshalb zögerten wir.

Ich hätte nie gedacht, dass Berlin die Stadt der Kleingärtner ist. Ich sah immer nur Straßen und Hochhäuser und Clubs und Cafés und Universität. Heute spaziere ich durch die kleinen Oasen der Stadt und freue mich, dass die Geschichte meiner Wahlheimat einen solchen Trumpf in die Hand gespielt hat. Mehr als 76.000 Kleingärten gibt es in Berlin (Hamburg hat nur 36.000 Parzellen), zusammengefasst in fast 1.000 Anlagen. Die Schrebergärten nehmen 3.160 Hektar ein. Kein Quadratmeter ist verschenkt, finde ich.

Nirgendwo liegen die Kleingärten so zentral wie in Berlin. Das liegt daran, dass Anfang des 19. Jahrhunderts die so genannten Armengärten bewusst in der Nähe der großen Firmen wie Siemens oder AEG angelegt wurden. Ich profitiere heute davon, wenn ich durch die Kleingärten im Wedding spaziere (zumindest in Gedanken, denn es ist ja erstmal Winter und ich soll an heißen Tee denken).

Im Wedding gibt es fast 2.000 Kleingärten, lerne ich vom Kleingartenverein. Es gibt 27 Anlagen, die größte liegt im Afrikanischen Viertel. Vielleicht könnte ich mir dort zu Füßen der hohen Häuser eine grüne Scholle aussuchen. Ich könnte gärtnern, grillen, endlich eine Hängematte aufhängen und den Kinderchen beim Hopsespielen zusehen. Der Mit-Weddinger blättert und blättert und ich döse den Tag weg. Natürlich ohne Gartenzwerg. Dafür mit bunten Lampions, die ich überall verteilen würde und die an lauen Abenden hübsch aussehen. Wenn doch nur Sommer wäre!

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–> Der Text stammt vom Blog Planet Wedding, der heute nicht mehr existiert. Er wurde zuerst 2009 erschienen, ist aber noch immer aktuell. Mehr Texte von dieser Seite gibt es unter dem Schlagwort Planet Wedding

Kommentar

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    juten Morjen

    also ich habe es als Kind geliebt im Garten der Großeltern zu sein…. wenn der Kirschbaum voll mit Kirschen war, hingen die Zweige bis nach unten…. der Knirps brauchte dann nur die Schnute öffnen und schwubs war die Kirsche weg.

    Aber ein Garten macht auch Arbeit und es gibt Regeln wie das alles aus zu sehen hat… also gut überlegen, falls man das Glück haben sollte eine Parzelle zu ergattern.

    Auf meinen Spaziergängen durch die Kolonien (jüngere Mitleser sind jetzt bestimmt getriggert ob dieses Ausdruckes :) ) entdecke ich immer wieder mal einen kleinen Zettel im Gartentor… ist dann von Vorstand – Strichliste was beanstandet wurde zb. bitte Bäume beschneiden oder Laub entfernen, damit alles schön ordentlich aus sieht…

    in diesem Sinne

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