Freud und Leid im Stadtgarten

Es summt und blüht und duftet rund um die Pflanzschalen am Vinetaplatz. Seit vielen Jahren gärtnern hier die Anwohnenden mit Genehmigung des Bezirksamts. Die Pflanzschalen waren neben der Gleim-Oase das erste gemeinschaftliche Stadtgarten-Projekt im Brunnenviertel. Mit Unterstützung von Gartenaktivistin Kerstin Stelmacher, die damals Quartiersmanagerin im Brunnenviertel war, sind die ersten Versuche des Gärtnerns im öffentlichen Raum im Brunnenviertel gegangen worden.

Das Projekt war für alle ein Experiment. Für das Bezirksamt, das zunächst Vertrauen in die Absichten und Kontinuiät der ehrenamtlichen Gärtnerinnen und Gärtner fassen musste. Für die Gärtnerinnen und Gärtner, die die neue Aufgabe – pflanzen, pflegen, gießen (ohne Wasseranschluss!) – dauerhaft in ihren Alltag zu integrieren hatten.

Nach fast zehn Jahren sind die Pflanzschalen am Vinetaplatz noch immer ein Vorzeigeprojekt, auch wenn sich die Arbeiten nicht mehr auf ganz so viele Schultern verteilen wie am Anfang. Jetzt im Frühling bilden die Kästen ein schönes, bunt bepflanztes Spalier für Radfahrende und Zufußgehende auf der Swinemünder Straße.

Stadtgarten mit Sorgen

Doch auch Probleme gibt es. Wie bei allen großen und kleinen Stadtgärten im öffentlichen Raum haben auch die Pflanzschalen manchmal mit Vandalismus zu kämpfen. Nicht allen Passantinnen und Passanten ist offentbar klar, dass hier Nachbar:innen aus dem Kiez ehrenamtlich für das Brunnenviertel aktiv sind. So wandte sich Pflanzschalen-Gärtnerin Emilia Witwer van-de Loo gerade an die Bürgerredaktion. „Allen unseren schönen Blumen sind die Köpfe abgeschnitten worden. Sie wurden weggeschmissen oder wahllos auf dem Bürgersteig oder in der Gegend verteilt worden. Ich bin sprachlos“, schreibt die Anwohnerin aus der Swinemünder Straße, die selbst vier der Pflanzschalen pflegt. Und wirklich: Wer sich die Pflanzschalen genau ansieht, entdeckt die abgeschnittenen Tulpen. Für die, die hier in ihrer Freizeit ehrenamtlich zur Verschönerung des Kiezes beitragen, ist das natürlich frustrierend.

Vielleicht würde ein großes Schild helfen, dass erklärt, wer hier eigentlich gärtnert?

Vor allem die Pflanzschalen am Vinetaplatz sind aktuell von der Zerstörung betroffen. Der Diesterbeet-Hochbeetgarten einige hundert Meter weiter die Straße Richtung Bahnhof Gesundbrunnen ist verschont geblieben. Hier blühen die Tulpen gerade wunderschön und in einem Beet wächst sogar schon Salat. Das Diesterbeet hat den Pflanzschalen übrigens eine weitere Sache voraus: Seit kurzem stehen neben den Hochbeeten zwei große Wassercontainer. Wenn diese befüllt sind, müssen die Gärtnerinnen und Gärtner das Gießwasser nicht mehr aus ihren Wohnungen in der Nähe heranschleppen. Eine wichtige und gute Verbesserung für das Diesterbeet. Bleibt zu hoffen, dass für die Pflanzschalen über kurz oder lang auch ein Wasserzugang organisiert werden kann. Fürs Gärtnern ist Wasser schließlich unverzichtbar.

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Mehr Beiträge über die Stadtgärten im Wedding und in Gesundbrunnen sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding (Abschnitt „Urbanes Gärtnern“) zu finden.

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