Fischerpinte am Plötzensee zwischen Rückbau und Erhalt

Ein grüner und idyllischer Ort am Wasser im Wedding: das ist die Fischerpinte am Plötzensee. Darüber dürften sich die meisten einig sein – selbst diejenigen, die derzeit über die Zukunft des Bootsverleihs mit Gastronomie streiten. Doch bei der Frage, wie es dort weitergehen soll, gehen die Vorstellungen auseinander. Nach dem Tod des langjährigen Pächters ist eine kontroverse Diskussion darüber entstanden, was mit dem Ort am See geschehen soll. Sie bewegt sich zwischen Rückbaupflicht im Landschaftsschutzgebiet und dem Wunsch, einen traditionsreichen Ausflugsort zu erhalten. Auch die Bezirkspolitik beschäftigt sich inzwischen damit. Hier sind die wichtigsten Standpunkte zusammengefasst.

Am Eingang ist ein Schloss, die Fischerpinte ist geschlossen. Foto: Hensel
Am Eingang ist ein Schloss, die Fischerpinte ist geschlossen. Foto: Hensel

Die Position des Bezirksamts

„Der Vertrag mit dem Pächter wurde vor über 35 Jahren von der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geschlossen und 2002 mit jährlicher Verlängerung vom Bezirk übernommen. Der Mietvertrag schreibt den Rückbau der Gebäude und baulichen Einrichtungen vor. Die Verpflichtungen aus den Verträgen gehen nun auf die Erben des Pächters über“, schreibt das Bezirksamt auf Anfrage des Brunnenmagazins.

Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne) begründet die Notwendigkeit zum Rückbau mit Umwelt- und Uferschutz. Ein Bootsverleih mit Gastronomie sei im Landschaftsschutzgebiet nicht mehr vereinbar. Gleichzeitig betont das Bezirksamt, man suche nach Möglichkeiten, die Fischerpinte als Ort für die Allgemeinheit zu erhalten. Dabei sollen Erholung und Naturschutz gleichermaßen berücksichtigt werden. Ein erwerbswirtschaftlicher Betrieb sei jedoch perspektivisch ausgeschlossen. Zunächst müsse das Nachlassverfahren abgeschlossen werden, bevor weitere Schritte möglich sind.

Die Fischerpinte, der Bootsverleih am Plötzensee. Foto: Schnell
Die Fischerpinte, der Bootsverleih am Plötzensee. Foto: Schnell

Befürworter aus der Zivilgesellschaft

Zu den Unterstützern aus der Zivilgesellschaft zählen vor allem Stammgäste der Fischerpinte. Sie sind inzwischen dabei, den Verein „Fischerpinte e.V.“ zu gründen. Auf der Internetseite www.fischerpinte.de erklärt die Initiative, welche Ziele sie verfolgt: „Wir, als Anwohner des Wedding, setzen uns dafür ein, die Fischerpinte zu retten – im Einklang mit dem Naturschutz.“ Erläutert wird das Konzept „Natur.Pinte“, das den Erhalt von Stegen und Bootshaus umfasst. Genutzt werden soll die Anlage für „kostenlose Boote für Schulklassen, Lehrprojekte über externe Träger im überdachten Bereich“. Auf der Webseite heißt es aber auch: „Auf den See gucken, Kaltgetränk“.

Einer der Sprecher des in Gründung befindlichen Vereins ist Andaras Hahn, der auch die Internetseite betreibt. Der Verein werde nach seiner Aussage gegründet, um Menschen zusammenzubringen, die etwas zum Erhalt der Fischerpinte beitragen möchten. Der Verein, der laut Hahn Gemeinnützigkeit anstrebt, stehe noch am Anfang. Man könne sich allerdings vorstellen, später auch die vorgeschlagenen Umweltbildungsangebote in einer „Natur-Pinte“ zu organisieren.

Der Fischerpinte e.V. in Gründung hat am 26. April auch eine Online-Petition gestartet. Sie richtet sich an das Abgeordnetenhaus und fordert, den Abriss der Gebäude am Plötzensee zu stoppen und „einen Betrieb der Fischerpinte, bestehend aus Imbiss, Bootsverleih und niedrigschwelliger Umweltbildung, den Weg zu ebnen“. Die Petition „Fischerpinte Plötzensee retten!“ haben bisher mehr als 1.000 Menschen mit ihrer digitalen Unterschrift unterstützt. Die Initiatoren haben noch fünf Monate Zeit, um 11.000 Unterschriften zu sammeln und damit das Quorum zu erreichen. Dann würde „openPetition“ das Anliegen an das Abgeordnetenhaus weiterleiten.

Die Reaktionen der Politik

Von den politischen Parteien sind zuerst die Linke und die CDU mit Stellungnahmen in die Öffentlichkeit gegangen, aber auch die SPD hat sich positioniert.

Bereits am 7. April rief die Fraktion Die Linke Mitte das Bezirksamt zum Handeln und zur Rettung der Fischerpinte auf. Die Partei verwies auf einen Beschluss in der Bezirksverordnetenversammlung aus dem Jahr 2022, nachdem die Weddinger Einrichtung erhalten bleiben soll. Derzeit sammelt Die Linke Unterschriften für einen Einwohnerantrag. Werden 1000 Unterschriften aus dem Bezirk Mitte gesammelt, kommt das Thema auf die Tagesordnung der Bezirksverordnetenversammlung.

Am 16. April hat sich die CDU Mitte in einer Pressemitteilung zum Thema geäußert. Darin fordern der CDU-Abgeordnete Sven Rissmann und die CDU-Fraktion Mitte: „Fischerpinte am Plötzensee darf nicht verschwinden – CDU fordert den Erhalt eines Weddinger Traditionsortes“. Für die Partei ist die Fischerpinte „weit mehr als ein Ausflugslokal“. Sie sei für Familien, Spaziergänger, Badegäste und Ausflügler aus dem Bezirk ein beliebter Treffpunkt und ein Stück gelebter Weddinger Identität.

Die Abteilung Rehberge der SPD Mitte hat sich auf ihrer Mitgliederversammlung am 28. April einstimmig hinter das Anliegen gestellt, die Fischerpinte „als unverzichtbaren Ort für Naherholung und Naturerfahrung für die Weddinger Bevölkerung“ zu erhalten. Die Partei plädiert für einen nicht-kommerziellen, aber aufwandsdeckenden Betrieb und unterstützt eine ökologische Ausrichtung. „In einem dicht besiedelten und von zunehmender Hitze betroffenem Stadtgebiet wie dem Wedding braucht es Orte zum Durchatmen und zum Abkühlen wie die Fischerpinte am Plötzensee“, heißt es in einer Erklärung. Dazu gehören für die Abteilung Rehberge ein Bootsbetrieb sowie ein Kaffee- und Barbetrieb am Nachmittag und Abend.

Das Schild der Fischerpinte, kaum lesbar wegen starkem Bewuchs. Foto: Hensel
Das Schild der Fischerpinte, kaum lesbar wegen starkem Bewuchs. Foto: Hensel

Hintergrund des Streits

Das Bootshaus am Plötzensee gibt es bereits seit den 1940er Jahren. Viele Jahre lang hat die Familie Düring das Gewerbe am See betrieben. Im Februar ist der langjährige Pächter Wolfgang Düring gestorben. Mit ihm ist auch die an seine Person gebundene Genehmigung für Bootsverleih und Gastronomie erloschen. Das Grundstück liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und gehört dem Bezirk Mitte. Im Nutzungsvertrag war der Rückbau von Stegen und Bootshaus nach Beendigung der Pacht vereinbart worden. Aktuell regelt ein Nachlassgericht die Erbfolge und die Zuständigkeit für die Abwicklung dieses Vertrags. Die Fischerpinte ist geschlossen.

Weiterlesen zum Thema

Im Artikel „Hat die Fischerpinte am Plötzensee doch noch eine Zukunft?“ wurde bereits über den Fall berichtet.

📍 Kiez:

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen