Hat die Fischerpinte am Plötzensee doch noch eine Zukunft?

Es ist ein Bild aus guten Zeiten: Die Abendsonne auf dem Bootssteg genießen, ein Feierabendbier trinken, Bingo spielen oder eine Runde mit dem Tretboot über Weddings einzigen See fahren – für viele Stammgäste gehört das zum Wedding wie der Fernsehturm zum Alexanderplatz. Die Fischerpinte am Plötzensee ist seit den 1940er-Jahren eine Institution im Wedding. Nun steht der Betrieb in seiner bisherigen Form vor dem Aus.

Im Februar ist der langjährige Pächter Wolfgang Düring gestorben. Mit ihm ist auch die an seine Person gebundene Genehmigung für Bootsverleih und Gastronomie erloschen. Die Fischerpinte ist geschlossen – ob und wie sie jemals wieder öffnet, ist derzeit unklar.

Blick auf die geschlossene Fischerpinte. Foto: Hensel
Blick auf die geschlossene Fischerpinte. Foto: Hensel

Bootshaus liegt im Schutzgebiet

Zum Hintergrund: Die Bootsanlage liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Das Umwelt- und Naturschutzamt verfolgt seit Jahren das Ziel, Nutzungen im Bereich des Plötzensees schrittweise zu reduzieren. Dazu zählt auch die gastronomische und gewerbliche Nutzung des Areals. Im bestehenden Nutzungsvertrag ist festgelegt, dass Stege und Bootshaus zurück gebaut werden müssen, wenn der Betrieb endet. Das ist durch den Tod des Pächters der Fall. Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne) hat am Donnerstag (23.4.) in einer Mitteilung erklärt, dass diese Verpflichtung nun an die Erben des Pächters übergegangen ist. Derzeit werde der Nachlass durch das zuständige Amtsgericht geklärt.

Bezirk lehnt gewerbliche Nutzung ab

Der Bezirk hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass auf dem Grundstück künftig keine gewerbliche Nutzung mehr vorgesehen ist. Daran hält Bezirksstadtrat Schriner fest. „Ein rein erwerbswirtschaftlicher Betrieb, insbesondere ein kommerzieller Bootsverleih, ist ausgeschlossen“, schreibt Schiner. Dennoch prüfe er derzeit „Ungeachtet dessen prüft das Bezirksamt Mitte derzeit „Optionen, um die Fischerpinte als öffentlichen Ort zu erhalten“. Als Ziele nennt er die Verbesserung der ständigen öffentlichen Zugänglichkeit und eine Nutzung, die Erholung und Naturschutz gleichermaßen berücksichtigt.

„Perspektivisch wird eine nicht-kommerzielle Nutzung angestrebt, die den Ort als Treffpunkt, Aufenthaltsort und Aussichtspunkt bewahrt und zugleich soziale sowie naturnahe Aspekte stärkt. Auch die Entwicklung eines Angebots im Bereich Umweltbildung wird als möglicher Baustein in Betracht gezogen“, so der Stadtrat. Jede künftige Nutzung müsse aber den Vorgaben aus dem Naturschutzrecht und dem Grünanlagengesetz entsprechen. 

Am Eingang ist ein Schloss, die Fischerpinte ist geschlossen. Foto: Hensel
Am Eingang ist ein Schloss, die Fischerpinte ist geschlossen. Foto: Hensel

Initiative für Erhalt der Fischerpinte

Gegen eine dauerhafte Schließung der Fischerpinte hat sich eine Initiative formiert, die von Stammgast Andaras Hahn angestoßen wurde. Er betreibt die Internetseite www.fischerpinte.de, auf der auch auf eine Unterschriftensammlung der Partei „Die Linke“ zum Erhalt des Bootshauses hingewiesen wird. Die Partei will einen Einwohnerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung erwirken.

Auf der Webseite wird außerdem das Konzept „Natur.Pinte“ vorgestellt. Es entstand bereits vor vier Jahren und sah vor, den Ort als Mischung aus Gastronomie und Umweltbildungsangeboten, etwa für Schulklassen, weiterzuführen. Das Bezirksamt hatte sich offen dafür gezeigt. Zu einer Übereinkunft zwischen Pächter und Bezirksamt ist es zu Wolfgang Dürings Lebzeiten aber nicht gekommen. „Sobald die Eigentumsverhältnisse im Zuge des Nachlassverfahrens geklärt sind und konkrete Ansprechpartner feststehen, wird das Bezirksamt weitere Schritte abstimmen“, beschreibt Bezirksstadtrat Schriner die nächsten Schritte.

Ein politisches Thema

Die Schließung der Fischerpinte hat das Potenzial, zum lokalen Wahlkampfthema zu werden. Die meisten Parteien haben sich schon für den Erhalt der Fischerpinte positioniert, haben Vororttermine organisiert oder Pressemitteilungen verschickt. Ob durch Einwohnerinitiative oder parteipolitische Anträge – das Thema dürfte in der nächsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am 21. Mai auf der Tagesordnung stehen.

„Für die Zukunft kann ich mir vorstellen, dass an dem Ort ein entspannter Aufenthalt am Ufer möglich bleibt – vor allem müssen aber die Naturschutzbelange berücksichtigt werden. Wir arbeiten gerade intensiv daran, die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen“, erklärt Christopher Schriner. Eine schnelle Lösung ist trotzdem nicht in Sicht. In diesem Sommer wird die Fischerpinte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht öffnen.

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Kommentar

  1. Avatar von Rolf

    Den Protest find ich gut. Aber so schön wie früher wird die Pinte niemals wieder werden. Denn der Charme lag ja vor allem darin, dass es hier keinen Schnickschnack gab (nur eine Sorte Kaffee, Bier, Schnaps, Matjes, Eis und manchmal Kuchen; im Winter Glühwein) und in der rauen Berliner Herzlichkeit der Betreiberinnen. Eine Eckkneipe am Wasser. Ein neuer Betreiber müsste viel Geld reinstecken und entsprechend hohe Preise nehmen.
    Und was den Naturschutz betrifft: Vielleicht sollte der Bezirk oder der Senat langsam ehrlich zugeben, dass das Ostufer des Plötzensees ein Naherholungsgebiet (geworden) ist, so wie es das Westufer schon immer war und das Naturschutzgebiet aufheben. Dann könnte man wieder mit den Kindern Tretboot fahren, ein Eis essen und den Kormoranen, die trotz aller illegalen Ufernutzer, deren Rücksichtslosigkeit ich überhaupt nicht schätze, den See sehr gerne als Rastplatz nutzen, beim Fischen zusehen.

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