Ein kleines Denkmal für den Döner im Sprengelkiez

Ein kleines buntes Denkmal für den Döner haben Kinder aus dem Sprengelkiez errichtet. Es steht in der Luxemburger Straße gegenüber der Hochschul-Mensa, ist auf einen Stromkasten gesprüht und nicht zum Reinbeißen gedacht. Warum ausgerechnet ein Döner? Die Antwort der jungen Künstler ist einfach: Döner ist ihr Lieblingsessen.

Schülerinnen und Schüler der Leo-Lionni-Grundschule in weißen Schutzanzügen vor ihrem mit einem Döner bemalten Stromkasten.
Ein kleines Denkmal für ihr Lieblingsessen: Diese Kinder haben beim Stromkastenstyling einen Döner auf einen Stromkasten im Sprengelkiez gesprüht. Foto: Dominique Hensel

Der Döner ist eines von 15 Motiven, mit denen Schülerinnen und Schüler der Leo-Lionni-Grundschule Anfang Oktober Stromkästen im Sprengelkiez gestaltet haben. Besonders bemerkenswert ist auch ein Porträt des Künstlers und Kinderbuchautors Leo Lionni, dem Namensgeber ihrer Schule. Andere Kinder entschieden sich für Pinguin, Panda, Audi oder BMW. Die neuen Bilder sind unter anderem in der Luxemburger Straße, Genter Straße, Müllerstraße, Sparrstraße und Samoastraße zu entdecken.

Mit Schablonen gesprühtes Porträt des Kinderbuchautors Leo Lionni auf einem Stromverteilerschrank im Sprengelkiez.
Ein Porträt des Schulnamensgebers: Kinder der Leo-Lionni-Grundschule haben den Künstler und Kinderbuchautor auf einem Stromkasten verewigt. Foto: Dominique Hensel

Erst die Schablone, dann die Sprühdose

Am 1. Oktober waren die Kinder einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe der 4. bis 6. Klasse im Sprengelkiez unterwegs. Aufgeteilt in drei Gruppen, wurden sie von drei Pädagogen des Medienkompetenzzentrums Meredo aus Reinickendorf begleitet. Die Sprühaktion bildete den Abschluss einer Projektwoche. Zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler ihre Motive entwickelt und Schablonen angefertigt. Beim eigentlichen Sprühen durften sie dann selbst Hand anlegen.

Kinder in weißen Schutzanzügen arbeiten an einem Stromkasten, daneben stehen zahlreiche bunte Sprühdosen und ein Betreuer.
Mit Schablonen und Sprühdosen gestalten die Kinder ihre Stromkästen selbst. Pädagogen des Medienkompetenzzentrums Meredo begleiten die Aktion. Foto: Dominique Hensel

Dabei tragen die Kinder weiße Schutzanzüge, auf denen ihre Namen mit schwarzem Stift geschrieben stehen. Das ungewöhnliche Bild sorgt gelegentlich sogar für besorgte Anrufe bei der Polizei, erzählt Henrik Beuster von Stromnetz Berlin. „Ja, die gehören zu uns. Das ist alles korrekt“, sagt der Pressesprecher dann der Polizei.

Das Stromkastenstyling im Wedding ist Teil eines berlinweiten Projekts, das Stromnetz Berlin seit 2011 organisiert. Schulen aus ganz Berlin können sich für eine Projektwoche bewerben. Die Nachfrage ist groß, deshalb müssen sie mit Wartezeiten rechnen. Jährlich finden berlinweit 45 Projektwochen statt. Die Bewerbungsfrist für 2027 ist bereits abgelaufen. Mit der Durchführung ist das Medienkompetenzzentrum Meredo aus Reinickendorf beauftragt. Der aktuelle Vertrag läuft nach Angaben von Beuster bis 2029.

Auch im vergangenen Jahr waren schon Kinder im Sprengelkiez mit Sprühdosen unterwegs. Das Brunnenmagazin berichtete damals unter dem Titel „Sondereinsatz Kiezkosmetik“ über die Aktion.

Was steckt eigentlich in einem Stromkasten?

Die bunten Kästen sind allerdings weit mehr als Leinwände für junge Künstler. Sie haben eine wichtige Aufgabe bei der Stromversorgung. Doch wie funktioniert das eigentlich?

„Grundsätzlich kann man es sich so vorstellen: Der Strom kommt von unten und geht auch nach unten wieder weg“, erklärt Henrik Beuster von Stromnetz Berlin. Dicke Stromkabel führen in die Schränke. Dort wird der Strom auf mehrere Leitungen verteilt. Die Sicherungen sind ungefähr so groß wie eine Faust.

Mitarbeiter von Stromnetz Berlin setzt mit Schutzausrüstung eine Sicherung in eine offene Stromverteilung ein.
Ein Blick ins Innere eines Stromverteilerschranks: In der Ausbildungswerkstatt von Stromnetz Berlin in Marienfelde setzt ein Mitarbeiter eine Sicherung ein. Die Technik ist wie im Straßenkasten aufgebaut, hier allerdings in Arbeitshöhe. Foto: Stromnetz Berlin

Bis der Strom im Kasten ankommt, hat er bereits mehrere Stationen durchlaufen: von großen Netzknoten über Umspannwerke und Ortsnetzstationen bis zu den Kabelverteilerschränken, wie die Stromkästen offiziell heißen. Von dort führt sein Weg weiter zu den Hausanschlüssen. Am Ende kommen 230 Volt aus der Steckdose, mit denen elektrische Geräte betrieben werden.

In dicht besiedelten Innenstadtgebieten wie dem Wedding kann ein Stromverteilerschrank nach Angaben von Beuster bis zu 1000 Haushalte versorgen. In weniger dicht besiedelten Gegenden sind es entsprechend weniger.

Und es werden immer mehr dieser Schränke. Derzeit gibt es nach Angaben von Stromnetz Berlin rund 18.100 in der Stadt. Jedes Jahr kommen etwa 500 neue hinzu, weil das Stromnetz ausgebaut wird. Damit wächst auch die Zahl der möglichen Leinwände für das Stromkastenstyling.

Welcher Stromkasten gewinnt?

Schon während der Sprühaktion wollten die Kinder wissen, welche Stromkästen am Ende gewinnen werden. Denn seit 2013 veranstaltet Stromnetz Berlin den Wettbewerb „Kreativster Stromkasten“. Jede teilnehmende Schule darf eines ihrer Motive einreichen. Eine Jury zeichnet die schönsten Arbeiten aus. Zusätzlich gibt es einen Publikumspreis, über den jedes Jahr alle Interessierten auf der Webseite von Stromnetz Berlin und über den Instagram-Kanal @stromkastenberlin abstimmen können.

Auch Weddinger Schulen waren schon erfolgreich. Im vergangenen Wettbewerb wurden unter anderem Arbeiten der Grundschule am Nordhafen und der Brüder-Grimm-Grundschule ausgezeichnet. Das Brunnenmagazin berichtete darüber im Beitrag „So sehen Sieger aus! Weddings schönste Stromkästen“.

Ob die Leo-Lionni-Grundschule diesmal mit ihrem Döner, dem Porträt ihres Namensgebers oder einem ganz anderen Motiv ins Rennen geht, ist noch offen.

Weitere Eindrücke vom Stromkastenstyling

📍 Kiez: ,

Kommentare

  1. Avatar von Ulrich Davids
    Ulrich Davids

    Liebe Dominique, am Samstagmorgen diesen Artikel zu lesen war eine Freude. Dank an die Schüler*innen für diese großartigen Motive und der Schulleitung das sie es ermöglicht haben diese Aktion im Rahmen des Schulalltags durchzuführen. Dank auch an „Macher“ von Stromnetz Berlin für diese seit 2011 pädagogisch sehr wertvolle Aktion in Zusammenarbeit mit dem Medienkompetenzzentrum Medredo. Die Schüler*innen tragen dazu bei, das unser Straßenbild im Kiez freundlicher wird, sie lernen im Team Schablonen zu fertigen, auf die Stromkästen dann die Motove zu sprühen, was nicht einfach ist. Bitte weiter machen.

    Ulrich Davids

  2. Avatar von Gisela Gebauer
    Gisela Gebauer

    Und ich freu mich auch immer wieder so sehr und: fotografiere!!! nur gewundert hab ich mich-alles so „ordentlich“ sonst ja meist nur Schmiereien zu sehen weiter so und DANKE!

    DAS STADTBILD !!!!!! GG

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen