Virtual Run: Trotz Corona gemeinsam am Start

Stefanie Ostertag wollte eigentlich an großen Laufevents teilnehmen. Dann kam die Pandemie dazwischen. Einen Motivationsschub bringen ihr jetzt virtuelle Läufe. Dabei geht sie zum Beispiel mal eben vom Brunnenviertel aus in Nizza in einem „Virtual Run“ an den Start.

Nachdem ich jahrelang meine Runden allein im Park gedreht hatte, wollte ich 2020 wissen, wie es sich anfühlt, mit Tausenden Laufbegeisterten an der Startlinie zu stehen. Das persönliche Jahresziel: Meinen ersten offiziellen 10k – wie der 10-Kilometer-Lauf von Fachleuten genannt wird – oder sogar meinen ersten Halbmarathon bestreiten. Doch dann kam Corona.

Stefanie Ostertag dehnt sich nach dem Laufen im Humboldthain. Sie trainiert für den "Virtual Run". Foto: privat
Stefanie Ostertag dehnt sich nach dem Laufen im Humboldthain. Sie trainiert für den „Virtual Run“. Foto: privat

An ein Event wie den Berlin-Marathon mit mehr als 50.000 Teilnehmern war nicht mehr zu denken. Laufschuhe an den Nagel hängen kam zwar nicht in Frage, aber das große Ziel fehlte als Motivation schon sehr. Meine Freundin und Laufpartnerin Adri startete dann bei einem sogenannten „Virtual Run“ der Kindernothilfe und war begeistert. Virtueller Lauf? Ich war eher skeptisch, denn da läuft man doch auch allein durch den Park, oder? Ja stimmt, seinen Lauf absolviert man auf der Lieblingsstrecke alleine. Doch ich habe das Gemeinschaftsgefühl unterschätzt, das auch in einer Online-Community entstehen kann, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Ich war also sogar kribbelig aufgeregt, als ich bei meinem ersten virtuellen Lauf im Humboldthain auf dem Handy den Startknopf meiner Running-App drückte.

Wollen zusammen am Nizza-Lauf teilnehmen – allerdings im Brunnenviertel: Stefanie Ostertag (links ) und Freundin Adri. Foto: Stefanie Ostertag

Virtual Run: Nicht der erste Online-Wettkampf

Mittlerweile habe ich schon einige Online-Wettkämpfe absolviert. Diese Meilensteine helfen mir bei der Motivation: Bin ich für einen Lauf angemeldet, nehme ich mein Training viel ernster und kann den inneren Schweinehund leichter überwinden – und auch am Wettkampftag hole ich das Meiste aus mir heraus. Bei meinem letzten virtuellen Lauf feuerte mich ein Spaziergänger sogar an. Anscheinend war mir anzusehen, dass es an diesem Tag um etwas ging.

Adri mit Medaillen von Online-Laufveranstaltungen. Foto: Stefanie Ostertag

Neben dem Spaß des gemeinsamen Einzellaufens sind es die schönen Medaillen, die meine Freundin Adri und mich motivieren. Ein Pluspunkt der digitalen Formate: Man kann sich die Anbieter nach den Medaillen aussuchen oder an Events teilnehmen, zu denen man sonst nie fahren würde. Unser nächstes Ziel: 10k Ende Mai in Nizza. Statt an der Côte d’Azur laufen wir dann allerdings durchs Brunnenviertel und genehmigen uns als Belohnung ein Glas Crémant. Vielleicht nicht ganz so aufregend wie ein riesiger Pulk von Menschen an der Startlinie, aber es macht trotzdem viel Spaß.

So geht eine „Virtual Run“

Und so funktioniert’s: Passendes Angebot suchen und kleine Startgebühr zahlen. Manchmal geht das Geld an einen guten Zweck wie beim Lauf der Kindernothilfe. Dafür erhält man dann Laufnummer, Medaille und Zugaben wie ein Stirnband mit dem Logo des Sponsors. Am festgelegten Tag hat man 24 Stunden Zeit und kann selbst wählen, wann man in die Joggingschuhe schlüpft. Der Lauf muss mit einer App aufgezeichnet und Screenshots der gemessenen Zeit auf einer Internetseite hochgeladen werden. Zum Abschluss gibt es eine Urkunde mit der eigenen Platzierung. Bei manchen Anbietern findet sogar eine Online-Siegesfeier statt.

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Der Kiez hinter dem Blätterdach“ enthalten, das im Mai 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Der Kiez hinter dem Blätterdach“ gesammelt und verlinkt.

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