Hilfe für die Ukraine im Shoppingcenter

Krieg in der Ukraine – daran haben sich viele nach über 1200 Tagen offiziellem Krieg und über zehn Jahren verdecktem Krieg gewöhnt. Auch ein ungewöhnlicher Unterstützungsaufruf im Shoppingcenter scheint nur wenige aufblicken zu lassen. Die Ukraine-Hilfe Berlin hat im Gesundbrunnen-Center ein Geschäft zu einer Benefiz-Ausstellung und einem Charity-Shop umgebaut. Ein Besuch zeigt: das Interesse ist noch eher gering.

Zweiter Stock, hinten beim REWE, wo früher einmal das Covid-Test-Center war, ist für zwei Monate bis Ende August ein neuer Zwischennutzer in ein leerstehendes Geschäft eingezogen: die Ukraine-Hilfe Berlin. Sie will mit dem Laden die Menschen erinnern, dass in 1500 Kilometern Entfernung vom Gesundbrunnen ein Krieg im Gange ist. 1500 Kilometer, das ist in der Luftlinie die gleiche Strecke wie bis Griechenland oder Sizilien oder Barcelona.

Ukrainehilfe im Gesundbrunnen-Center
Blick in den Shop der Ukraine-Hilfe im Gesundbrunnen-Center. Foto: Andrei Schnell

Zum einen eine Ausstellung

Für viele ist diese Strecke offenbar eine, die ins Land „zu weit weg“ führt, denn nur wenige, die im Gesundbrunnen-Center unterwegs sind, schauen in den Laden. Der ist zwei Dinge in einem. So ist auf der einen Seite eine klassische Ausstellung zu sehen, die kostenlos besucht werden kann. Sie zeigt zum Beispiel die Fotoreihe „Preis der Freiheit“, in der verstörende, aber in realen Situationen aufgenommene Bilder aufgehängt sind. Außerdem steht in der Mitte des Raumes eine Installation mit weiß gestrichenen Tischen, Schubladen und Stühlen. Sie setzt sich damit auseinander, wie in den Medien mit „schockierenden Inhalten“ umgegangen wird und sollte. Und sie fragt, ob erlittenes Leid „Inhalt“ sein kann.

Zum anderen Spenden-Shop

Auf der anderen Seite ist der von der Ukraine-Hilfe Berlin gestaltete Laden ein Charity-Shop. Zu kaufen gibt es Kunsthandwerk und Kunstobjekte. Alle Einnahmen gehen an die Hilfsorganisation. „Wohltätigkeitsladen Ukrainische Galerie“ nennt die Ukraine-Hilfe Berlin diese Idee. Die Einnahmen sollen medizinische Hilfsgüter, Generatoren und Fahrzeuge zur Evakuierung von Verwundeten finanzieren.

Gegen Spende zu kaufen gibt es traditionelle ukrainische Puppen, Flaggen, T-Shirts, Hoodies, Taschen, Schlüsselanhänger, Armbänder, Halsketten. Besonders berührend: Es können auch Bilder gekauft werden, die Kinder gemalt haben, die in Frontgebieten leben. Der Künstler Alan Meyer hat dafür Malkurse in Gebieten in der Ukraine gegeben, in denen der Krieg nah ist.

Kunsthandwerk im Laden Ukraine Hile Berlin
Kunsthandwerk im Shop. Foto: Andrei Schnell
Ausstellung Ukraine Hilfe Berlin
Ausstellung „Preis der Freiheit“ im selben Raum. Foto: Andrei Schnell

Format bereits mehrmals ausprobiert

Auf das Konzept Benefiz-Ausstellung mit Charity-Shop setzt die Ukraine-Hilfe Berlin nicht zum ersten Mal. Vor dem Gesundbrunnen-Center gab es im vergangenen Herbst ein ähnliches Geschäft in der East-Mall in Berlin-Friedrichshain. Von ukrainischer Seite wird die Aktivität des Vereins sehr ernst genommen. So kam zur feierlichen Eröffnung des Shops im Gesundbrunnen am 18. Juni die Botschaftsrätin Alisa Podolyak. Neben dieser symbolischen Unterstützung durch Prominenz gibt es auch einen praktischen Griff unter die Arme. So überlässt Center-Managerin Bianka Schäfer der Hilfsorganisation die Fläche mietfrei. Unterstützung kommt auch von Betreuern und Verkäufern vor Ort, die als Ehrenamtliche von Montag bis Sonnabend von 12 bis 20 Uhr den Laden öffnen und Fragen beantworten.

Für die Ukraine-Hilfe Berlin hat der Raum im Shoppingcenter noch eine andere Funktion. „Der Verein Ukraine-Hilfe Berlin e.V. unterstützt Menschen in der Ukraine mit humanitärer Hilfe, Sachspenden, aber möchte auch mit kulturellen Veranstaltungen, die ukrainische Kultur in Deutschland präsentieren. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir ein temporäres zu Hause im Gesundbrunnen-Center gefunden haben und so vielen Menschen unsere Arbeit näherbringen können aber auch einen neuen Treffpunkt für die ukrainischen Menschen hier in Berlin geschaffen haben“, sagt Tetyana Sell vom Ukraine-Hilfe Berlin e.V.

Kunstobjekt Helm
Ausstellungsobjekt Helm. Foto: Andrei Schnell
Für jedes im Ukrainekrieg getötete Kind ein Papierengel
Für jedes getötete Kind ein Engel. Foto: Andrei Schnell

Seit Gründung im Jahr 2015 hat der gemeinnützige Verein Ukraine-Hilfe Berlin nach eigenen Angaben über acht Millionen Euro eingesammelt. Doch in den letzten Jahren sank die Spendenbereitschaft drastisch, wie Tetyana Sell (zuständig für das Spendensammeln) sagt. Der „Wohltätigkeitsladen Ukrainische Galerie“ soll es den Menschen nun leichter machen, Geld zu spenden. Die Idee: Wenn sie etwas mit nach Hause nehmen können, fällt es ihnen vielleicht leichter, Geld locker zu machen. Für einen Krieg, an den sich die Menschen gewöhnt haben und der – scheinbar – weit weg ist.

Zum Schluss etwas Statistik

In den letzten Jahren sind wegen des russischen Überfalls zahlreiche Ukrainer nach Deutschland geflohen. Aktuell leben in Berlin laut Statistik 82.500 Menschen mit der Herkunft Ukraine. Vor fünf Jahren waren es 24.000. Die meisten leben im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (7,8 Prozent der Bevölkerung) und in Charlottenburg-Wilmersdorf (7,1 Prozent der Bevölkerung). Im Bezirk Mitte liegt der Anteil der Ukrainer an der Zahl aller Einwohner bei 3,5 Prozent und im Wedding/Gesundbrunnen bei 2,5 Prozent.

Link zur Ukraine-Berlin-Hilfe

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Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

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