Die Verwaltung: Biene oder Schildkröte?

Schildkröte. An welche Institution denken Sie bei diesem Tier? Existiert eine gefühlte Ewigkeit, bewegt sich sehr langsam, ist gegen Unbill gut gepanzert und in seinen Äußerungen ziemlich unverständlich? Die Katholische Kirche? Fast. Die Verwaltung? Richtig!

Foto/Montage: Dominique Hensel

Ameise, Biene oder Schildkröte?

Warum denken Sie nicht bei Ameise oder Biene an Verwaltung? Wahrscheinlich liegt es in der Geschichte. Verwaltung war von Anbeginn ein Instrument der Herrschaft, von oben nach unten gedacht und gemacht. Vom Honig hat das Volk halt selten etwas abbekommen. Es steckt schon im Wort: Walten heißt herrschen, die Vorsilbe ver- macht es nicht besser. In Verbindung mit einem Verb bedeutet ver- laut Duden, dass eine Person mit etwas ihre Zeit verbringt (ver-schlafen), eine Person etwas falsch, verkehrt macht (ver-schreiben), dass eine Sache durch etwas beeinträchtigt wird (ver-waschen). Dass eine Sache durch etwas (ein Tun) beseitigt, verbraucht wird, nicht mehr besteht (ver-bauen) wäre als Bedeutung noch passend.

Was einmal verwaltet wird, wird immer verwaltet: Schließlich besteht die kaiserliche Kriegsflotte schon lange nicht mehr, zu deren Finanzierung einst die Schaumweinsteuer eingeführt worden ist. Die Flotte ist Geschichte, die Steuer erfreut sich auch heute noch bester Gesundheit. Inzwischen wird der Verwaltung Bürgerbeteiligung, Mitbestimmung und Bürgernähe verordnet. Aber auch hier stimmt die Richtung nicht – nicht die Bürger bestimmen, wo sie mitreden können, sondern die Politik bestimmt, wo die Bürger mitreden dürfen. Und es geht sehr langsam. Schildkrötig.

Das Gemeinwesen neue organisieren?

Manchmal möchte man das arme Tier von seinem Panzer befreien, damit es schneller wird, agil, sich was traut, kreativ wird. Lösungen sucht statt Verordnungen durchkaut. Und es auch zu einem Kurs in leichter Sprache schicken. Oder gleich ins Tierheim bringen und sich eine Wüstenspringmaus zulegen? Das wäre was: Alle Bürokraten nach Hause schicken und gemeinsam neu überlegen, wie ein Gemeinwesen heute organisiert, gestaltet und verwaltet werden soll. Und dann von Grund auf neu bauen. Wäre diese Verwaltung dann wieder eine Schildkröte?

Träumen hilft aber nicht. Was können Sie tun damit es besser wird?

  1. Zahlen Sie ihre Steuern! Wer gute Arbeit einfordert muss auch gutes Geld dafür hergeben.
  2. Seien Sie politisch! Gehen Sie wählen oder demonstrieren – wenn Sie gesehen werden wollen, müssen Sie sich auch zeigen.
  3. Engagieren Sie sich vor Ort! Wenn Sie Großes ändern wollen, müssen Sie selbst im Kleinen anfangen.
  4. Seien Sie hartnäckig! Lassen Sie sich nicht mit einem amtlichen „geht nicht“ abspeisen, sondern nerven Sie so lange, bis die Bewilligung Ihres Anliegens weniger Arbeit verursacht als die stete Ablehnung.
  5. Seien Sie höflich! Manchmal ist der einzelne Mensch in der Verwaltung von dieser genauso frustriert wie sie.
  6. Seien Sie tolerant! Wenn sie für ihr Anliegen eine kreative Lösung einfordern, dürfen sie nicht Ihren Nachbarn verklagen, weil der irgendwelche Regeln nicht exakt einhält.
  7. Behalten Sie Ihren Humor!

Sollten Sie bei einem der Punkte Unterstützung benötigen, so melden Sie sich gerne bei mir,

Ihrem Stadtteilkoordinator Jochen Uhländer
E-Mail: stk-brunnenstrasse-nord@berlin.de

Zum Weiterlesen

Weitere Kolumnen der Stadtteilkoordination gibt es hier –> Kolumnen STK

Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin „Der weiße Stier vom Humboldthain“ enthalten, das im November 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neue Ausgabe: Der weiße Stier vom Humboldthain“ gesammelt und verlinkt.

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