Zu jung fürs wichtige Kreuzchen?

Im Jahr 1970 wurde das Wahlalter in Deutschland auf 18 Jahre festgelegt. Seit 1995 wurde es in verschiedenen Kommunen und Bundesländern auf 16 abgesenkt. Das ist gut so, findet unser Autor. Wer 16 ist und wählen möchte, der sollte es auch dürfen, meint Jakob Hensel (16-1 Jahre).

Ein Schild weist den Weg zum Wahllokal im Haus der Jugend in der Reinickendorfer Straße. Foto: A. Schnell
Ein Schild weist den Weg zum Wahllokal im Haus der Jugend in der Reinickendorfer Straße. Foto: A. Schnell

Ich möchte gern die Wahl haben. Und meine Entscheidung soll auch Einfluss haben. Das denke ich oft, wenn ich das politische Geschehen beobachte. Ich interessiere mich schon sehr lange für politische Debatten, viele Themen reißen mich mit. Ich schaue jeden Tag Nachrichten, beobachte Wahltrends und verfolge auch die Bezirkspolitik. Solange ich denken kann, habe ich bei der U18-Wahl mitgewählt. Nun würde ich gern nicht mehr nur eine symbolische Stimme abgeben.

Sofern alles so bleibt, wie es momentan ist, kann ich bei der Wahl der Bezirksverordnetenversammlung 2026 richtig abstimmen. Dann werde ich 17 Jahre alt sein. Im gleichen Jahr wird auf Landesebene gewählt. Dort gilt derzeit ein Wahlalter von 18 Jahren. Auch bei der Bundestagswahl, die ein Jahr vorher stattfindet, kann man leider erst ab 18 wählen – ich also nicht.

Die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ist immer wieder im Gespräch. Für die Wahl des Europäischen Parlaments ist diese Änderung vor einem Jahr geglückt. Bei der EU-Wahl im nächsten Sommer kann ich trotzdem nicht mitwählen, weil ich dann noch zu jung bin. Trotzdem finde ich die Absenkung gut und wichtig für die Demokratie und dafür, dass nicht nur die Themen der älteren Bevölkerung repräsentiert werden.

Ein Kind steht auf einer Markierung in Form eines Stimmkreuzes. Foto: A. Schnell
Ein Kind steht auf einer Markierung in Form eines Stimmkreuzes. Foto: A. Schnell

Würde man auf Landes- und Bundesebene das Wahlalter senken, könnte ich 2025 (Bundestag) und 2026 (Abgeordnetenhaus) abstimmen. Für die Berlinwahl ist das im Gespräch und ich hoffe sehr, dass ich dann zur Wahlurne gehen kann. Meine Klassenkameraden haben einen Vorteil, da man im Land Brandenburg, wo ich zur Schule gehe, den Landtag schon ab 16 wählen kann.

So wie mir geht es noch mehr Menschen: Sie können nicht wählen, weil sie formal zu jung sind. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg wird es bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2025 im Brunnenviertel 13.229 Wahlberechtigte über 18 Jahren geben (ohne mögliche Todesfälle).

Würde man das Wahlalter absenken, könnten 538 Menschen zusätzlich wählen. Das ist ein Plus von rund vier Prozent. Bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2026 wird es nach Zahlen der Statistiker im Brunnenviertel 13.503 Wahlberechtigte über 18 Jahre geben. Gäbe es tatsächlich Wahlen ab 16, kämen 501 Personen hinzu (plus 3,7 Prozent), darunter ich.

Bei der letzten Bundestagswahl nutzten 76,6 Prozent ihr Wahlrecht. Ich würde gern wählen und kann nicht verstehen, warum fast ein Viertel der Menschen das Recht nicht in Anspruch nimmt.

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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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