Bei der Sperrmüllaktion im August 2021 besuchte unsere Autorin Corinna Neinaß den Infostand der Berliner Stadtreinigung (BSR). Für ihre Bioabfälle erwarb sie einen Vorsortierbehälter mit Durchlüftung und hörte zum ersten Mal von einer Wurmkiste. Inzwischen hat sie sich näher mit der Wurmkompostierung beschäftigt und sich einige Fragen beantwortet.


Warum will ich Kompost selbst herstellen?
Ich bin mit einem Garten aufgewachsen, und die meisten Bioabfälle kamen bei uns auf den Kompost. Die nährstoffreiche Komposterde ließ alles gut gedeihen, und auf dem Komposthaufen selbst wuchsen sogar Zucchini. In meinen Großstadtwohnungen in Berlin sammle ich seit über 25 Jahren organische Abfälle für die Biotonne. Aber könnte ich meine Bioabfälle nicht auch selbst verwerten, zum Beispiel in einer Wurmkiste? Und den entstandenen Wurmhumus zum Düngen meiner Balkonpflanzen nutzen?
Was ist eine Wurmkiste?
Eine Wurmkiste ist ein kompaktes System der Kompostierung mithilfe von Kompostwürmern. Man kann sie selbst bauen, es gibt sie aber auch als fertiges Bauset. Besonders beliebt ist eine Wurmkiste mit Rollen und Sitzkissen, die unter http://www.wurmkiste.at angeboten wird. Während man auf dem Hocker sitzt, entsteht im Inneren Wurmhumus.
Wie entsteht eigentlich Wurmhumus?
Wurmhumus entsteht beim Verdauungsvorgang der Kompostwürmer, der Eisenia fetida. Sie sind besondere Feinschmecker und da sie keine Zähne haben, lassen sie sich die Bioreste zunächst „vorkauen“. Kartoffel- oder Karottenschalen werden von Kleinstlebewesen zersetzt, und dann von den Würmern aufgesogen und verdaut. Mehr über Kompostwürmer, die zur
Familie der Regenwürmer gehören, erfährt man auch im Theaterstück „Lumbricus terrestris – Der Regenwurm“ von Barbara Geiger (www.brehms-tierleben.com).
Welche Bioabfälle eignen sich für die Wurmkiste?
Von den Küchenabfällen kann dort alles hinein, was man auch auf den Komposthaufen im Garten tun würde: Ost- und Gemüsereste, möglichst kleingeschnitten, Kaffee- und Teereste oder zerbröselte Eierschalen. Tabu sind unter anderem Gekochtes, Fleisch, Milchprodukte oder Zitrusfrüchte. Ein Fünftel des Wurmfutters sollte aus zerkleinertem Papier und Pappe bestehen. Und ab und an benötigen die Würmer eine Mineralmischung.

Was mache ich mit dem Humus?
Wurmhumus ist ein hervorragender Dünger, und dieses „Schwarze Gold“ lässt bei Birgit Schatting von http://www.bio-balkon.de alles üppig wachsen. Sie hat schon seit 2015 eine Wurmkiste und gibt ihre Erfahrungen kostenlos weiter, zum Beispiel in ihren „Bio-Balkon-Kongressen“, die online stattfinden. Die Wurmkiste würde auch nicht stinken, schreibt sie in ihrem Buch „Mein Biotop auf dem Balkon“. Der Geruch erinnere sie eher an Waldboden. Viermal im Jahr erntet sie den Wurmhumus und verteilt jährlich 20 Liter davon auf ihre Pflanzgefäße. Wurmhumus lockert den Boden, der dann mehr Wasser speichern kann. Zudem werden die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgt.
Darf die Wurmkiste auf dem Balkon stehen?
Dort, wo wir uns selbst gern länger aufhalten, passt es auch für die Würmer in der Kiste gut. Ideal sind Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Bei Frost überleben nur die Eier. Auch vor Regen und praller Sonne sollte die Kiste geschützt sein. Da ich einen Südbalkon habe, und es ja auch im Winter kalt wird, müsste meine Wurmkiste wohl in der Wohnung stehen.
In einer Wurmkiste sind mehrere hundert Haustiere zu versorgen. Was mache ich, wenn ich verreise?
Die Würmer über das Wochenende alleine zu lassen, ist kein Problem. Man gibt ihnen Futter für die Zeit im Voraus. Sind es aber zwei Wochen, dann bietet sich ein Wurm-Sitter an, der die Versorgung sicherstellt. Auch ist drauf zu achten, dass es nicht zu feucht oder zu trocken ist. Es gibt auch kritische Stimmen, wie die Tierschutzorganisation peta, die vor mangelnder Versorgung und Krankheiten warnt und befürchtet, dass nicht alle Wurmkistenbesitzer ausreichend informiert seien.
Schaffe ich mir jetzt auch eine Wurmkiste an?
Ich will natürlich alles richtig machen und werde die Wurmkiste zunächst noch nicht bestellen. Meine Bioabfälle bringe ich wie bisher in die Biotonne, für gekochte Essensreste oder Schalen von Zitrusfrüchten sowieso die beste Lösung. Mit dem Biogas, das daraus entsteht, werden 190 Müllfahrzeuge der Stadt betankt. Vielleicht kann ich mich Gärtnern mit eigenem Kompost anschließen. Mit dem Regenwurm, dem „König der Tiere“, werde ich mich aber weiter beschäftigen. Er verdient meinen höchsten Respekt.

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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

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