Für ein Blütenmeer auf dem Louise-Schroeder-Platz

„Es ist toll, dass ihr mir helfen kommt, allein schaffe ich es nicht 2000 Krokusse zu pflanzen“, begrüßt Dr. Juliane Orsenne die eben eingetroffenen Grundschülerinnen und Grundschüler. Die pädagogische Leiterin des Schul-Umwelt-Zentrums Mitte (SUZ) hat am 16. Oktober zum berlinweiten Aktionstag „Berliner Gartenarbeitsschulen machen öffentliche Grünanlagen bunt“ für die Pflanzung von Elfen-Krokussen den Louise-Schroeder-Platz ausgewählt.

Ein Sprung in der Zeit gut eine Stunde zurück. Es ist ein sonniger Oktobertag, die Autobrandung tost im Hintergrund rhythmisch durch die Seestraße, die Bäume stellen ihr letztes Grün zur Schau. Auf dem Louise-Schröder-Platz beginnt die Auszubildende des Schul-Umwelt-Zentrums mit Sprühkreide Kreise auf ein Stück gemähter Wiese zu malen. „Elfen-Krokusse vermehren sich gut“, sagt Dr. Juliane Orsenne. Sie zeigt über die fußballfeldgroße Wiese auf dem Platz. Von der relativ kleinen Startfläche aus, nicht größer als ein halbes Klassenzimmer, sollen die Krokusse sich Jahr für Jahr ausbreiten. Vorbild sei die Krokuswiese im Humboldthain. Dr. Orsenne blickt auf die Schubkarre mit den zehn Spaten und dann auf ihre Armbanduhr, gleich sollten die Fünftklässler der Carl-Kraemer-Schule den rund anderthalb Kilometer langen Fußweg durch die Soldiner Straße und den Ritterlandweg zum Platz geschafft haben und eintreffen.

Dr. Julian Orsenne (Mitte, mit Brille) mit den jungen Pflanzhelfer:innen auf dem Louise-Schroeder-Platz. Foto: Schnell
Dr. Julian Orsenne (Mitte, mit Brille) mit den jungen Pflanzhelfer:innen auf dem Louise-Schroeder-Platz. Foto: Schnell

2000 Knollen – nicht Zwiebeln – hat das Team des SUZ-Seestraße auf zehn Becher aufgeteilt. Zehntausende Knollen wollten alle Berliner Gartenarbeitsschulen der zwölf Bezirke beim Aktionstag „Die Berliner Gartenarbeitsschulen machen öffentliche Grünanlagen bunt“ am 16. Oktober setzen. Die Zahl klingt hoch, doch die Knollen sind klein. Ein normaler Trinkbecher reicht für 200 Knollen. Auch die Schüler scheinen beim Anblick des Bechers zu denken, dass die Sache ein Klacks ist. Aber wenn man nur 30 Kilogramm wiegt und nicht wie ein Erwachsener das Doppelte, dann verhält sich der Spaten nicht wie ein Messer in Butter. Selbst wenn man auf ihn draufspringt.

Dr. Juliane Orsenne erklärt den Kindern, dass Krokusse sich vermehren, indem an ihren Knollen kleine Beulen wachsen. Und dass es wirklich Knollen sind, was die Kinder in ihren Bechern haben, auch wenn die kleinen braunen Kugeln eine Haut wie eine Zwiebel haben. Wird beim Graben ein Regenwurm geweckt und die Kinder schreien „Iiiihh“, ruft Dr. Orsenne „Oh, wie wertvoll“ und nimmt den Wurm unbekümmert in die Hand, um ihn allen Kindern zu zeigen. „Der macht uns Erde, damit die Knollen bis zum Frühling schön wachsen können.“ Ein Blütenmeer verspricht die pädagogische Leiterin des SUZ Mitte.

Vermutlich wird das Meer nicht gleich im nächsten Frühling aus der Erde steigen. Zunächst wird sich ein Blütensee zeigen. Doch, dass es einmal ein Meer wird, dafür stehen die Chancen gut, denn laut Wikipedia sind Elfen-Krokusse ausdauernd. Sie sind verbreitete Zierpflanzen, die gern in Rabatten, Parks und Gärten eingesetzt werden. Außerdem gehören sie selbst unter frühblühenden Krokussen zu Frühaufstehern. Wenn sie im Februar oder März erwachen, sind sie der erste Futtertrog für verschiedenen Insekten. Und für die Menschen sind sie der erste Stimmungsaufheller nach der dunklen Jahreszeit.

Die Schulkinder ziehen nach getaner Steckarbeit wieder zurück zur Carl-Kraemer-Grundschule. Dr. Juliane Orsenne, ein Gartenmitarbeiter und die Auszubildende packen ihre Schubkarre und kehren ins SUZ zurück. Von jetzt an übernehmen die Krokusse die Arbeit für einen bunten Louise-Schroeder-Platz.

Das Schild: hier ist eine Aktion des Schul-Umwelt-Zentrums Mitte im Gange. Foto: Schnell
Das Schild: hier ist eine Aktion des Schul-Umwelt-Zentrums Mitte im Gange. Foto: Schnell

PS: Louise Schroeder kam aufgrund politischen Armdrückens der Siegermächte um Oberbürgermeister Ernst Reuter für kurze Zeit in das einflussreichste Amt der Stadt. Vom 8. Mai 1947 bis zum 7. Dezember 1948 war sie Berlins Oberbürgermeister (damals verzichtete man noch auf die Endung -in). Bei den Berlinern war sie beliebt. So gibt es die Anekdote, dass die Berliner sie bei einer Feier zum Ende der Berlinblockade aus dem Schöneberger Rathaus herausriefen, damit auch sie eine kurze Ansprache hielte.

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Mehr Beiträge über die Stadtgärten im Wedding und in Gesundbrunnen sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding (Abschnitt „Urbanes Gärtnern“) zu finden.

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