Tiere, Planeten, Blumen: Jedes Jahr gestalten Schulklassen in Berlin Stromkästen und Trafostationen. Stromkastenstyling heißt das Projekt. Und jedes Jahr werden die schönsten Gestaltungen per Jury und per Online-Abstimmung ermittelt. Am Mittwoch (29.1.) sind im Heizkraftwerk in Moabit die Gewinnermotive ausgezeichnet worden. In diesem Jahr wurde kein Styling aus dem Wedding oder aus Gesundbrunnen prämiert. Zu unrecht!
Wer mit offenen Augen durch die Kieze im Wedding und in Gesundbrunnen geht, kann sie überall finden. Manche sind schon seit Jahren Farbtupfer im Straßengrau, andere sind erst kürzlich dazu gekommen. Da ist der Fußballer, der im vergangenen Jahr in der Maxstraße aufgesprüht wurde. Da ist das Skateboard fahrende Schaf in der Bernauer Straße. Auf weiteren Kästen im Antonkiez sind Jaguare und Schmetterlinge zu finden, in der Prinzenallee gibt es Himmelskörper, in der Hochstädter Straße einen freundlichen Hai.





Wer genau hinschaut, findet an anderen Orten Stromkästen mit Planetensystemen, mit Comicfiguren, mit Naturmotiven, in der Triftstraße gibt es eine Dschungel-Trafostation. Es lohnt sich, beim nächsten Wedding-Spaziergang nach den Bildchen Ausschau zu halten. Denn ungeachtet dessen, dass die Kästen aus dem Stadtteil bei der diesjährigen Prämierung fehlen, sind die Weddinger Stromverteilerstylings nicht minder schön.




Schutz mit Farbe für die Stromkästen
Es gibt insgesamt 16.500 Stromkästen und Trafostationen in Berlin. Sie gehören der Stromnetz Berlin GmbH und sie erfüllen die wichtige Funktion: Strom in die Häuser zu verteilen. Funktional – und warum nicht dazu noch schön? Das ist der Gedanke, auf dem das 2009 begonnene Projekt Stromkastenstyling fußt. Jedes Jahr machen Schülerinnen und Schüler der Hauptstadt in Projektwochen 500 der mausgrauen Kästen mit Graffitidosen zu Hinguckern. Rund die Hälfte der Kästen und Stationen sind in den vergangenen Jahren auf diese Weise verschönert worden.




Hinter dem Projekt stehen aber nicht nur ästhetische Überlegungen. Stromnetz Berlin hofft auch, dass die bunten Bilder die Infrastruktur schützen. Pressesprecher Henrik Beuster erklärt: „Es ist nicht nur eine schöne Gestaltung. An so einem Stromkasten hängt die Stromversorgung eines Hauses dran. Wir wollen, dass diese Infrastruktur geschützt ist vor Vandalismus“. Erfahrungsgemäß gehe der Plan auf. Das kann auch Benjamin Kubel vom Meredo e.V. bestätigen. Der Verein aus Reinickendorf geht seit vielen Jahren in Berliner Schulen, entwickelt mit den Kindern Motive und Schablonen und besprüht die Stromverteilerkästen. „Es ist von Kiez zu Kiez verschieben, wie lange es hält, nicht übersprüht oder plakatiert wird“, sagt Kubel. Nach einem halben Jahr kontrolliert Meredo die Kästen und bessert nach: „Nach einem halben Jahr ist dann etwa an vier von 15 Kästen etwas zu tun“.
Keine Auszeichnung für den Wedding
Die schönsten im vergangenen Jahr bemalten Stromkästen, die nun im Heizkraftwerk Moabit ausgezeichnet wurden, stehen nicht im Wedding und nicht in Gesundbrunnen. Die Sieger des „Stromkastenstylings 2024“ von Stromnetz Berlin kommen aus Prenzlauer Berg, Reinickendorf, Neukölln, Pankow, Köpenick und Zehlendorf. Ausgewält wurden sie von einer Jury aus Medienvertretern, Bürger:innen, Graffiti-Künstlern und Stromnetz Berlin-Vertretern. Der Publikumspreis ging übrigens nach Köpenick. Die nächste Runde im Stromkastenstyling startet bald und vielleicht werden im kommenden Jahr dann wieder Weddinger Stromkasten-Gestaltungen ausgezeichnet.



Stromkastenstyling 2025
Auch in 2025 werden Berliner Schüler:innen die Stadtbunter machen. Das Stromkastenstyling widmet sich in diesem Jahr dem Motto „Energiewende – Wir holen die Sonne nach Berlin“. Mehr dazu steht auf der Webseite der Stromnetz Berlin GmbH.


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