100 Jahre Siedlung am Schillerpark

Bei einer Geburtstagsfeier sind der Kuchen, die Kaffeetafel und die Geschenke meist wichtig. Im Juli wurde im Wedding jedoch ein Geburtstag gefeiert, bei dem das für den Geehrten eigentlich gar kein Rolle spielte, denn das Geburtstagskind war aus Stein und Beton. Der Bau der Siedlung am Schillerpark begann vor 100 Jahren – und das wurde vom Landesdenkmalamt und der „Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892“ eG mit einem Festival gefeiert. Die Veranstaltung war der Auftakt für ein Reihe von Feiern, die die jeweilige Grundsteinlegung der sechs „Siedlungen der Berliner Moderne“ in den Mittelpunkt rücken soll.

Das Haus in der Bristolstraße gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe Schillerparksiedlung. Foto: Hensel
Das Haus in der Bristolstraße gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe Schillerparksiedlung. Foto: Hensel

Die Siedlungen der Berliner Moderne sind Gebiete, die 2008 von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen wurden. Sie wurden zwischen 1913 und 1934 im Stil des Neuen Bauens errichtet. Klare Formen und ein sozialer Anspruch kennzeichnen die Architektur. Die Siedlungen in den heutigen Orteilen Bohnsdorf, Britz, Charlottenburg-Nord, Prenzlauer Berg, Reinickendorf und Wedding gelten als stilbildend für den Sozialen Wohnungsbau in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Siedlung am Schillerpark im Englischen Viertel wurden ab 1924 nach Plänen des Architekten Bruno Taut errichtet. In drei Bauphasen entstanden zwischen 1924 und 1930 insgesamt 303 Wohnungen. Alle Gebäude wurden mit Badezimmern und Balkonen oder Loggien ausgestattet, für das Waschen der Kleidung wurde ein gemeinschaftliches Waschhaus errichtet. Der Hofbereich wurde durchgehend begrünt und mit Kinderspielplätzen ausgestattet. Zur Siedlung Schillerpark zählt auch ein Kindergarten, die heutige „Schillerpark Kita“. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte Teile der Siedlung wurden wieder aufgebaut, wobei es auch einige Anpassungen gab. Die Siedlung wurde zuletzt im Jahr 1991 saniert. Aktuell werden die rund 570 Wohnungen von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 verwaltet.

So ganz ungewöhnlich war die Feier des 100. Jahrestags der Grundsteinlegung in der Schillerparksiedlung dann übrigens doch wieder nicht. Es gab ganz klassisch Kuchen an einer UNESCO-Kaffeetafel, viel Musik, Führungen in den Höfen und ein buntes Miteinander vor und in den Häusern, auf der Plansche, auf den Balkonen, im Treppenhaus und im Conciergebüro.

Nach dem Auftakt im Wedding jährt sich 2025 dann die Grundsteinlegung der Hufeisensiedlung in Britz zum 100. Mal.

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