Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lädt am kommenden Wochenende (13./14.9.) zum Tag des offenen Denkmals ein. In diesem Jahr können über 5.000 Denkmale in ganz Deutschland kostenlos besichtigt werden. Motto ist „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“. Beleuchtet werden die Werte der Denkmale und der Denkmalerhaltung. Auch im Wedding gibt es viele interessante Führungen, Ausstellungen und offene Ateliers in geschützten Gebäuden.

Der Neuzugang: Jüngstes Denkmal ist unterirdisch
Viele Gebäude im Wedding und in Gesundbrunnen haben schon lange Denkmalschutz. Das jüngste Denkmal ist unterirdisch. Das Landesdenkmalamt Berlin hat den Stettiner Tunnel gerade erst in die Denkmalliste aufgenommen. Der Verein Berliner Unterwelten teilte in der zurückliegenden Woche mit, dass der Tunnel „aufgrund seiner herausragenden geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung“ nun geschützt ist. Der Verein, der sich um unterirdische Bauten kümmert und sie zugänglich macht, engagiert sich auch für dieses Bauwerk.

Der 180 Meter lange Tunnel wurde 1895/96 beim Umbau des Stettiner Fernbahnhofs, des heutigen Nordbahnhofs, angelegt. Bereits neun Jahre vor dem Bau der Berliner Mauer wurde der Tunnel allerdings geschlossen und vermauert. Bis heute ist er wegen des schlechten Erhaltungszustandes gesperrt. Der „Verein hat die Patenschaft für die Anlage übernommen und setzt den Tunnel seit 2024 wieder instand. Wir planen, das Tunnelportal vollständig zu rekonstruieren und das Bauwerk der interessierten Öffentlichkeit regelmäßig im Rahmen von Führungen zugänglich zu machen“, heißt es von den Berliner Unterwelten. Das Tunnelportal befindet sich in der Gartenstraße an der Einmündung der Feldstraße beziehungsweise neben dem Parkeingang.
Der Berliner Unterwelten e.V. bietet beim Denkmaltag am 13. September erstmals eine Besichtigung des Stettiner Tunnels an. Allerdings sind die dafür erforderlichen Zeitfenstertickets bereits ausgebucht. Interessierte müssen sich also bis zur nächsten Gelegenheit gedulden. Mehr über den Fußgängertunnel unter der Berliner Mauer steht auf der Webseite des Berliner Unterwelten e.V.

8 Tipps für den Denkmaltag
Tipp 1: Inspektor Villa
In der Inspektor Villa in der Gerichtstraße 36 war früher teilweise Leichenhalle, dann Verwaltung des Krematoriums. Nach jahrelangem Leerstand und Verfall wurde das ursprünglich 1865 errichtete und später umgestaltete und -genutzte Haus 2012 und 2020 saniert. Seitdem wird es als privates Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Am Samstag, dem 13. September, gibt es um 14 Uhr eine Führung mit dem Titel „Von der Leichenhalle zum Podcaststudio – die Geschichte der Inspektor Villa“. Hierfür ist eine Anmeldung bei Claudia Knobloch bis 10. September erforderlich: clau@krempeldeluxe.de, (0176) 21 97 00 03. Am Sonntag, dem 14. September, findet im Garten der Inspektor Villa der Krempel-de-luxe-Flohmarkt statt. Von 11 bis 16 Uhr gibt es hier Vintage, Kunst und Kurioses. Auch eine Bilddokumentation über die Geschichte des Hauses wird zu sehen sein.

Tipp 2: ExRotaprint
Rotaprint, Pionier des Kleinoffsetdrucks, produzierte auf dem um 1904 angelegten Gelände bis 1989 Druckmaschinen. In den 1950er Jahren wurde die Gründerzeitarchitektur durch moderne Neubauten erweitert. Heute betreibt die ExRotarprint gGmbH das Areal an der Gottschedstraße 4 und nutzt es für Gewerbe, Kunst und Soziales. Am Samstag, dem 13. September, findet um 11 Uhr eine Führung von Daniela Brahm und Les Schliesser mit dem Titel „Weiterbauen! Die 50er-Jahre-Ergänzungsbauten bei ExRotaprint“ statt. Treffpunkt ist am Tor. Außerhalb der Führung ist keine Innenbesichtigung von ExRotaprint möglich.


Tipp 3: Hutfabrik Gattel
Das Wohn-Fabrik-Ensemble der Familie Gattel im Soldiner Kiez entstand 1889-1891. Die jüdische Familie, die hier Hüte herstellte, wurde 1933 zwangsenteignet, viele Familienmitglieder wurden im Nationalsozialismus deportiert und ermordet. Heute gehört das Gelände an der Prinzenallee 58 einer Genossenschaft. Das einst besetzte Gebäude ist ein Ort des selbstverwalteten Wohnens. Die Genossenschaft PA58 lädt Besucherinnen und Besucher am Samstag (13.9.) und Sonntag (14.9.) jeweils um 14, 15, 16 und 17 Uhr zu Führungen ein, am Sonntag sind zusätzlich um 11, 12 und 13 Uhr Führungen. Eine Ausstellung über die Geschichte des Hauses wird zu sehen sein. Von 11 bis 18 Uhr gibt es beim Atelier „handgewebt in berlin“ Vorführungen am Webstuhl. Im Hauscafé gibt es Getränke und Snacks gegen Spende.

Tipp 4: Siedlung am Schillerpark
Die Siedlung am Schillerpark ist eine Besonderheit im Wedding. Als Teil der Siedlungen der Moderne ist das von Bruno Taut und Franz Hoffmann entworfene Gebiet am Schillerpark seit 2008 UNESCO-Welterbe. Am Sonntag, dem 14. September, bietet die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG eine Architektenführung durch das erste baugenossenschaftliche Siedlungsprojekt in Berlin an. Los geht es um 14 Uhr an der Bristolstraße/Dubliner Straße. Es führt der Architekt Franz Jaschke. Mehr über die Siedlung steht im Beitrag Schau mal an: die Siedlung Schillerpark.

Tipp 5: Evangelische Osterkirche
Die Evangelische Osterkirche im Sprengelkiez wurde 1910/1911 nach Plänen der Architekten August Dinklage, Ernst Paulus und Olaf Lilloe errichtet. Das Besondere an dem Bauwerk in der Samoastraße 14 ist, dass es im Zweiten Weltkrieg zwar erhebliche Zerstörungen gab, das Kircheninnere aber nahezu vollständig erhalten blieb. Die Ausstattung mit Taufbecken, Altar und Kanzel sowie die Malereien an den Emporen und der Altarwand entsprechen noch denen der Kaiserzeit. Am Sonntag, dem 14. September, kann die Kirche besichtigt werden. Zwischen 12 und 18 Uhr gibt es nach Bedarf Führungen. Turmbesteigungen sind möglich; sie bieten einen Blick über die Dächer des Sprengelkiezes. Stündlich gibt es eine Kurzandacht, Musik, Essen und Getränke.

Tipp 6: Mitte Museum
Das heutige Mitte Museum in der Pankstraße 47 wurde 1866 nach Plänen von Adolf Gerstenberg als 32. Gemeindeschule errichtet. Das denkmalgeschützte Haus kann am Sonntag, dem 14. September, von 10 bis 18 Uhr auf eigene Faust erkundet werden. Zu sehen ist dabei unter anderem die Sonderausstellung „Duett der Moderne. Visionen für den Wiederaufbau einer geteilten Stadt“. Sie ist auch Ausgangspunkt für mehrere Veranstaltungen im Rahmen des Denkmaltages. So bietet das Museum am Samstag, dem 13. September, um 13 Uhr einen Spaziergang mit der Medienkünstlerin Caroline Böttcher zum ehemaligen Trümmerberg im Humboldthain an. Treffpunkt ist an der Ecke Brunnenstraße und Ramlerstraße. Am Sonntag ist um 14 Uhr im Mitte Museum die Buchpräsentation „Mont Klamott. Über die Berliner Trümmerberge“ von Caroline Böttcher geplant. Um 16 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion zum Städtebau der Berliner Nachkriegsmoderne.

Tipp 7: Überreste des Kurbades Luisenbad
Ende des 18. Jahrhunderts reisten die Berlinerinnen und Berliner über die Brunnenstraße nach dem Friedrichs-Gesundbrunnen, um dort mit Heilwasser ihre Leiden zu kurieren. Das Kurbad Luisenbad und auch den Restaurationsbetrieb, das Marienbad, gibt es schon lange nicht mehr. Heute befindet sich in den erhaltenen Gebäuden die Bibliothek am Luisenbad. Am Samstag, dem 13. September, führen Thomas Gärtner und Marlies Mäder vom Projekt „Nächste Ausfahrt Wedding“ über das Gelände und in die Bibliothek. Die Führung „Luisenbad – vom Kurbad zur Bibliothek“ beginnt um 12 Uhr, Treffpunkt ist vor der Bibliothek in der Badstraße 39 (Zugang an der Panke/Travemünder Straße). Am Sonntag findet die gleiche Führung um 14 Uhr statt.

Tipp 8: Minna-Schwarz-Heim
Das Minna-Schwarz-Heim ist ganz knapp nicht mehr im Ortsteil Gesundbrunnen. Es befindet sich in der Brunnenstraße 41 in Alt-Mitte, wenige Schritte von der Bernauer Straße entfernt. Hier gab es von 1888 an einen Anlaufpunkt für alleinstehende und mittellose Mütter. Die Geschichte des Hauses und seiner Gründerin Minna Schwarz wurde im Beitrag Minna Schwarz, Mutter Teresa der Brunnenstraße ausführlich beschrieben. Wer nach der Lektüre noch mehr Informationen haben möchte, kann am Sonntag, dem 14. September, um 11 Uhr in der Brunnenstraße 41 einen Vortrag über das Minna-Schwarz-Heim von Sabine Krusen hören.

Gut zu wissen: Denkmaltag
Im Wedding und in Gesundbrunnen gibt es zum Tag des offenen Denkmals zahlreiche weitere Veranstaltungen. Alle Termine im Wedding sind auf der Webseite des Landesdenkmalamtes Berlin zu finden.
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