Die Berliner Bäder-Betriebe feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Fast unbemerkt gibt es jedoch noch ein zweites Jubiläum: Das Sommerbad Humboldthain wird 75 Jahre alt. Seit dem 11. August 1951 können sich die Menschen im Volkspark an heißen Tagen abkühlen. Das Sommerbad ist damit eines der ältesten Freibäder Berlins.

Seit 1951 Abkühlung im Volkspark
Seit 75 Jahren kann im Sommerbad Humboldthain geschwommen und gebadet werden. Am 11. August 1951 wurde das Bad im Volkspark eingeweiht. Nach dem Krieg ging die Verwaltung erstaunlich schnell daran, den schwer zerstörten Humboldthain wieder herzurichten. Nicht nur wurden die zwei Hochbunker unter je einem Trümmerberg versteckt, auch die Grünanlage wurde komplett neu angelegt.
Alte Fotos zeigen, wie kahl der Humboldthain nach dem Krieg war. Aus einer Trümmerlandschaft entstand innerhalb weniger Jahre wieder ein Park. Die Grenzstraße, die ehemals quer durch den Park verlief, wurde untergepflügt. Völlig neu hinzukam das Sommerbad. Die erforderlichen Pläne wurden schon 1948, schon drei Jahre nach Kriegsende, gefasst. Ansichten aus der Zeit zeigen, dass das neue Bad von den Menschen im Sommer schnell gut angenommen wurde. Eng war es an heißen Tagen offenbar schon immer. Und vermutlich auch was es schon immer leer an kühlen Tagen.

Privatisierung fiel ins Wasser
Dass auch im Sommer nicht jeden Tag Badewetter ist, ist schlecht fürs Geschäft. Deshalb war das Sommerbad im Humboldthain gefährdet, als der Traum von der Privatisierung in Berlin Oberwasser gewann. Folgerichtig wollte das Land im Jahr 2001 das beliebte Baden im Grünen beenden. Grund waren die hohen Verluste von 750.000 DM pro Jahr. Gegen die Schließungspläne protestierten insbesondere die Anwohner im Brunnenviertel – mit einer witzigen Aktion. Sie wollten dem Bad „helfen“ und Wasser spenden. Sie organisierten eine Eimerkette von der Heinrich-Seidel-Grundschule in den Hain.
Geschlossen wurde das Sommerbad nicht, aber ein klein wenig privatisiert, also verpachtet. Ab Juni 2001 war das Bad im Volkspark eines der ersten verpachteten Bäder in Berlin. Ein Vorzeigemodell kam aber nicht zustande. Der Pächter, der Gastronom Jürgen Strahl, konnte offenbar auch nicht zaubern und das wirtschaftliche Problem nicht lösen. Schon nach kurzer Zeit – ein halbes Jahr später – „tauchte Strahl ab“. Von ihm „fehlt jede Spur“, schrieb der Tagesspiegel damals. Die Berliner Bäder-Betriebe mussten das Sommerbad notgedrungen wieder übernehmen. Glück im Unglück, denn viele andere Bäder in Berlin wurden in jener Zeit geschlossen.


Das Freibad wartet auf die Sanierung
Vor fünf Jahren verkündete der Senat, das Sommerbad bald umfangreich zu sanieren. Die Berliner Bäder-Betriebe wollten das Außenbecken in Edelstahl fassen. Technisch sollten die Badewasserkreisläufe von Plansch- und Schwimmerbecken getrennt werden. Sämtliche Rohre sollten erneuert werden. Als sichtbare Erneuerung sollten kleine Wasserspiele oder wasserspritzende Figuren aufgestellt werden. 2021 setzte das Land Berlin dafür 5,5 Millionen Euro an, die zur Hälfte von der Bundesregierung getragen werden sollten.
In diesem Sommer kam die Nachricht: Die Finanzierung für die Sanierung ist gesichert – für 2030 bis 2032. Als Betrag steht in der Planung jetzt 8,5 Millionen Euro. Dafür sei die Finanzierung „planerisch finanziell abgesichert“. Im Sommer wird sichtbar, dass das Sommerbad am Gesundbrunnen wirklich gebraucht wird. Die immer weitere Verschiebung der Sanierung ist für viele Besucher daher ärgerlich.
Die ältesten Freibäder Berlins
Das Sommerbad im Humboldthain gehört mit 75 Jahren zu den ältesten Freibädern Berlins. Von den 67 öffentlichen Freibädern der Berliner-Bäder-Betriebe sind nur das Strandbad Wannsee (119 Jahre) und das Sommerbad Olympiastadion (90 Jahre) älter. Genauso alt wie das Bad am Gesundbrunnen sind das Columbiabad in Neukölln und das Kinderbad Monbijou in Mitte.
Schaut man auf die Bädergeschichte in Wedding und Gesundbrunnen, gibt es noch mehr zu berichten. So würde das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße, würde es heute noch bestehen, gleichauf sein mit dem Strandbad Wannsee. Es wurde bereits 1907 eröffnet – also vor 119 Jahren. Auch am Plötzensee gibt es schon eine lange Badetradition. Schon seit 1877 gibt es hier eine bewachte Badestelle. Das Strandbad selbst wurde schließlich 1922 eröffnet, vor 104 Jahren. Heute ist das Bad verpachtet. Das Kombibad Seestraße ist dagegen eher jung. Es eröffnete 1983, also vor 43 Jahren.

Gut zu wissen
- Das Sommerbad im Humboldthain in der Wiesenstraße 1 hat ab 13. Juli 2026 zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag 10-20 Uhr, Dienstag + Samstag + Sonntag 7-20 Uhr, Mittwoch + Donnerstag + Freitag 7-19.30 Uhr
- Achtung! Wenn es an heißen Tagen zu voll wird, gibt es einen Einlassstopp. Auf einer Online-Auslastungskarte kann man sehen, ob es sich lohnt, zum Bad zu gehen.
- Ausstattung: 50-Meter-Becken, Sprunganlage mit 1-Meter-Brett, Planschbecken, große Rutsche, große Liegewiese (unter Bäumen), Imbissstand, Spielplatz, Kunstprogramm am Beckenrand (–> Tropez)
- Noch ein paar Geschichtsaspekte zum Sommerbad mehr stehen im Beitrag „Humboldthain: Schwimmen, Sonnen und Pommes mit Kultur“.
- Um die geplanten Sanierungen des Kombibads Seestraße und des Sommerbads Humboldthain geht es im Beitrag „Bis zu 42 Millionen Euro für Kombibad Seestraße“.

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