Zum Weltkindertag – aber auch darüber hinaus – regt Stephanie Esser an, das innere Kind mehr zu beachten. Das schlummert in jedem von uns und braucht vor allem Liebe und Verständnis.

Eine Lok, ein Tickethäuschen und Gleise aus Holz. Eine Nestschaukel, viel Sand und mittendrin ein langer Tisch mit Bänken – der Eisenbahnspielplatz in der Usedomer Straße ist ein besonderer Ort. Hierhin können Erwachsene nicht nur ihre Kinder begleiten, sondern auch selbst am langen Tisch sitzen, essen, reden, lesen und die Seele baumeln lassen. Auf diesem Spielplatz ist Raum für das, was wir Erwachsenen oft sträflich vernachlässigen: unser inneres Kind.
Der 20. September ist Weltkindertag. Jedes Jahr dreht sich dann alles um das Wohlergehen der Kinder dieser Erde. Neben grundsätzlichen Bedürfnissen wie Schutz, Nahrung sowie Bildung brauchen sie vor allem Liebe und ein freudvolles Umfeld. Kinder wollen sich ohne Druck ausprobieren, sie wollen das Leben spielerisch erkunden – mit den Eltern an ihrer Seite. Jeder erwachsene Mensch war auch einmal ein solches Kind, dessen Bedürfnisse mehr oder weniger gut von seinen wichtigen Bezugspersonen erfüllt wurden. Die Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle der Kindheit formen das innere Kind, das jeder Mensch ein Leben lang in sich trägt.

Das Leben entdecken
Bei vielen Erwachsenen führt das innere Kind eher ein Schattendasein, denn nicht alles, was wir in unserer Kindheit erlebt haben, war freudvoll. Um die daraus resultierenden negativen Gefühle nicht immer wieder spüren zu müssen, haben wir Strategien entwickelt wie zum Beispiel Verdrängung, Anpassung, Strebsamkeit oder Ernst. Diese sind im Laufe des Lebens immer weiter in den Vordergrund getreten und haben den ursprünglichen, kindlichen Anteil in uns sozusagen in den Schatten gestellt. Wer kleine Kinder kennt, weiß: Sie sitzen nicht gern unbeachtet und schweigsam in der Ecke. Sie wollen spielen, toben, singen, tanzen, lachen. Sie lieben es, die kleinen Dinge am Wegesrand zu entdecken und haben dabei keine Eile.
Selbstverständlich können wir als Erwachsene nicht von morgens bis abends Käfer beim Krabbeln beobachten. Doch wir können den Weltkindertag zum Anlass nehmen, regelmäßig das zu tun, was unser inneres Kind liebt. Wer sich fragt, was das sein könnte, ist gut beraten, erst einmal Kontakt zu seinem kindlichen Anteil aufzunehmen. Wenn wir uns beispielsweise selbst kritisieren, weil wir einen Fehler gemacht haben, dann kritisieren wir in Wahrheit unser inneres Kind. In solchen Situationen können wir statt harter Worte etwas Nettes zu uns sagen. Also nicht „Oh nein, wie konnte mir das passieren? Ich bin so blöd!“, sondern „Ok, so etwas kann vorkommen, das ist menschlich. Beim nächsten Mal mache ich es anders“.
Jetzt hat das erwachsene Ich seinem kindlichen Ich das gegeben, was es braucht: Verständnis und Liebe. Je öfter wir das tun, desto näher kommen wir unserem inneren Kind. Und je näher wir ihm kommen, desto eher zeigt es uns, was ihm Freude bereitet.

Lust am Ausprobieren
Umgekehrt geht es natürlich auch. Wer schon immer mal im Meer tauchen wollte, könnte einen Schnorchelkurs besuchen. Wer als Kind gerne gemalt hat, sollte sich schleunigst bunte Farben und einen Zeichenblock kaufen. Menschen, die das Lachen verlernt haben, üben es beim Lach-Yoga wieder ein. Es gibt unzählige Dinge, die dem inneren Kind Spaß machen – wir müssen ihm nur zuhören, dann zeigt es uns, was es möchte. Sollte unser erwachsenes Ich dazu sagen: „So etwas Albernes“ oder „Dafür bin ich nicht gut genug“, dürfen wir uns daran erinnern, wie Kinder an Dinge herangehen: Sie fangen einfach an und probieren es aus. Aus reiner Lust am Tun.
Spielen, chillen, lachen
Es gibt viele Wege, das innere Kind aus seinem Schattendasein zu befreien und mehr Freude ins Leben zu bringen. Ein Besuch auf dem Eisenbahnspielplatz in der Usedomer Straße könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Setzen Sie sich doch mal für eine Weile an den langen Tisch in der Mitte und sehen Sie den kleinen und großen Menschen beim Spielen, Chillen und Lachen zu. Falls sich irgendwann Ihr inneres Kind zu Wort meldet und Ihnen sagt, worauf es jetzt gerade Lust hat, dann – ja, dann ist es höchste Eisenbahn, genau das zu tun!

Weltkindertag
Der Weltkindertag findet am 20. September statt. Er steht 2023 unter dem Motto „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“. Der Tag wird in 145 Staaten der Welt begangen, um auf die Bedürfnisse von Kindern und auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen. In vielen deutschen Städten gibt es Feste, das größte findet auf dem Potsdamer Platz in der Berlin statt.
Stephanie Esser lebt im Brunnenviertel. Früher hat sie als Lektorin geholfen, die Texte im Kiezmagazin von Fehlern zu befreien. Heute schreibt sie über Achtsamkeitsthemen und bietet freiberuflich Kurse, Workshops und Beratungen zum hawaiianischen Ritual Ho’oponopono an. Mehr darüber sowie Praxistipps, Blogbeiträge und Termine gibt es auf der Webseite unserer Autorin: www.danke-ich-liebe-dich.de.
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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Die Farben des Kiezes“ enthalten, das im September 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Die Farben des Kiezes“ gesammelt und verlinkt.

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