Einige Gedanken zu Geschenken 8und Wortgeschenken), nicht nur in der Weihnachtszeit Achtsamkeitscoach von Stephanie Esser.

Jedes Jahr dasselbe. Es geht auf Weihnachten zu und wir fragen uns: „Was soll ich nur schenken?“ Wir rennen durch Geschäfte, kaufen ein, verpacken aufwendig und hoffen, dass unser Gegenüber sich freut. Wer klug ist, behält den Kassenbon, denn nach den Feiertagen wird umgetauscht. Ein Konsumreigen, der an vielen religiösen Feiertagen stattfindet und auch vor Geburtstagen, Lebensabschnitten und Jubiläen nicht Halt macht. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, sich zu beschenken.
Seit Jahrtausenden machen Menschen einander Geschenke, um sich zu verbinden, Dank auszudrücken, jemandem Freude zu bereiten. Dabei wird wesentlich mehr ausgetauscht als nur der pure Gegenstand – es sind die Gefühle auf beiden Seiten, die den wahren Wert des Schenkens ausmachen. Viele empfinden die Schenkerei heutzutage als übertrieben sowie umweltschädigend, und wer nur wenig Geld zur Verfügung hat, kann sowieso kaum mithalten. Doch es gibt etwas, das uns allen unbegrenzt zur Verfügung steht, das wir immer bei uns tragen und das jedem Menschen Freude macht. Die Rede ist von Wortgeschenken. Ehrlich gemeinte, von Herzen kommende, positive Worte.
Wortgeschenke kann man jedem Menschen schenken
Von morgens bis abends können wir sie uns selbst und anderen schenken. Beim ersten Blick in den Spiegel können wir sagen: „Guten Morgen, ich wünsche dir einen schönen Tag.“ Jedem Menschen, dem wir danach begegnen, können wir solche Worte schenken.
Wir können dem Mann Danke sagen, der uns Platz auf dem Bürgersteig macht. Wir können der Kassiererin ein nettes Wort über ihre Geduld oder ihre Freundlichkeit geben. Wenn wir lange in einer Telefonschleife gewartet haben, können wir die Service-Mitarbeiterin so begrüßen: „Guten Tag. Danke, dass Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken.“ Dem gestressten Vater, der mit einem lebhaften, lauten oder weinenden Kind zu kämpfen hat, können wir sagen: „Oh ja, manchmal ist es ganz schön anstrengend. Ich bewundere Ihre guten Nerven“, oder: „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“
Selbstverständlich sind Wortgeschenke auch zu Weihnachten möglich. Wir könnten beispielsweise alles, was wir an einer Person mögen, auf bunte Zettel schreiben. Die falten wir zusammen und stecken sie in ein schönes Glas. Schleife drum, fertig. Der oder die Beschenkte wird an jedem einzelnen Zettel Freude haben. Man kann Briefe verfassen, Kinder können Bilder malen. Wer nicht gern schreibt, spricht seine Wortgeschenke einfach ins Diktiergerät des Handys und verschickt die Datei per Messenger. Familien, Kollegen, Freunde und andere Gruppen könnten „Wortwichteln“ veranstalten. Sie setzen sich zusammen, essen, trinken und sagen einander nette Dinge. Man kann immer etwas Positives an jemandem finden.
Per Handy, via Mail geht es auch
Manchmal hat man das Gefühl, dass niemand einem etwas Schönes schenkt. In diesem Fall kann man sich selbst Wortgeschenke machen – indem man sich einen langen, liebevollen Brief schreibt, ihn in einen frankierten Umschlag steckt, ein, zwei Wochen liegen lässt und dann an die eigene Adresse schickt. Es macht Freude, das Geschenk irgendwann im Briefkasten zu finden, es zu öffnen und zu lesen. Das geht auch mit der Diktierfunktion im Handy. Die Datei kann man sich per E-Mail schicken und anhören, so oft man mag.
Wortgeschenke sind wertvoll, denn sie wirken auf vielen Ebenen. Die Person, die sie formuliert, denkt etwas Gutes. Die Person, die das Geschenk erhält, fühlt sich gesehen und wertgeschätzt. Beide strahlen danach positive Energie in ihr Umfeld aus und beschenken die Menschen dort gleich mit. Wortgeschenke sind kostenfrei, verstopfen keine Regale, schonen die Umwelt. Sie sind zeitlos und gehen niemals kaputt. Wer ehrliche, von Herzen kommende Wortgeschenke macht, hat keinen Stress und muss keinen Kassenbon aufbewahren – denn niemand wird diese Geschenke umtauschen wollen.
Stiller Geschenktipp
Pssst: Wortgeschenke funktionieren auch im Stillen. Schauen Sie einfach einen Menschen an und denken Sie etwas Nettes über ihn. Das geht ebenso mit abwesenden Personen. Auch wenn man es nicht hört – Ihr Geschenk kommt an. Garantiert!
Stephanie Esser lebt im Brunnenviertel. Früher hat sie als Lektorin geholfen, die Texte im Kiezmagazin von Fehlern zu befreien. Heute schreibt sie über Achtsamkeitsthemen und bietet freiberuflich Kurse, Workshops und Beratungen zum hawaiianischen Ritual Ho’oponopono an. Mehr darüber sowie Praxistipps, Blogbeiträge und Termine gibt es auf der Webseite unserer Autorin: www.danke-ich-liebe-dich.de.
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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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