Rosengarten im Humboldthain: Ein Sommerfest für die Sinne

Genau zur Sommersonnenwende, am 20. Juni, ist diese Ausgabe des brunnen-Magazins erschienen. Der beste Zeitpunkt, den Rosengarten im Humboldthain einmal mit allen Sinnen zu erkunden. Ein achtsamer Sommerspaziergang mit Stephanie Esser durch diesen ganz besonderen, irgendwie magischen Ort.

Sommer ist, wenn die Tage lang, hell und warm sind, wenn es die Leute nach draußen zieht, in ihre Höfe, auf Wiesen oder in den Park. Für die Menschen im Brunnenviertel ist der Humboldthain solch ein Anziehungspunkt. Obwohl umgeben von lauten Straßen, bietet er das, was man sich im Sommer ersehnt: weitläufige Rasenflächen sowie verschlungene, dicht bewaldete Wege, die auf zwei Seiten teils sanft ansteigen oder steil in die Höhe führen. Mit jedem Schritt, den man hinein geht in den Park, wird der Verkehrslärm leiser, bis man ihn kaum noch wahrnimmt – denn hier prägen die Vögel mit ihrem Gezwitscher die Atmosphäre.

Unser Ziel ist die nördliche Ecke des Parks an der Brunnenstraße, wo uns ein wahres Idyll erwartet: der Rosengarten. Wer durch eines der Tore schreitet, betritt eine andere Welt, in der sich runde Formen und gerade Linien mit der natürlichen Pracht von Bäumen und Blumen zu einer farbenfrohen Komposition verbinden.

Geometrisch angelegte Rosenbeete, von niedrigen rechteckigen oder runden Hecken umrandet, sind das Herzstück. Dazwischen akkurat geschnittene rechtwinklige Hecken-Nischen und kugelförmige Buchsbaum-Tupfer. Wie in einem Schlossgarten führt uns die Innenfläche des Rosengartens zu einem leicht erhöhten Rondell. Eine weiß verputzte, halbrunde Mauer mit Säulen, runden Fenstern und einem hölzernen Dach umgibt wunderbar verschwenderisch viel Platz. Setzt man sich hier auf eine der Bänke, kann der Blick in die Weite schweifen. Riesige Bäume in allen erdenklichen Grüntönen umsäumen das Areal, und Rhododendren verteilen ihre duftige lila, rote, violette und zartrosa Blütenpracht großzügig an unsere Augen.

Überall gehen, schlendern, flanieren, sitzen und verweilen hier die Menschen. Wer Ruhe sucht, nimmt Platz im Schatten einer Hecke. Die lauten Geräusche rund um den Bahnhof Gesundbrunnen sind weit entfernt, das Rauschen der Welt rückt in den Hintergrund. In solch einer Hecken-Nische lassen sich persönliche Gespräche führen oder man findet Zeit und Raum für sich selbst – zum Lesen, Träumen, Nachdenken, Durchatmen.

Sind die Tage einmal besonders heiß, bietet ein von blau blühenden Kletterpflanzen überwachsener Säulengang den nötigen Schatten. Dicke, ineinander verflochtene Äste schlängeln sich an den Säulen nach oben und versetzen die hier wandelnden Menschen direkt hinein in eine märchenhafte Stimmung. Aus dem Schatten des Wandelganges hinaus erblickt man einen bronzeglänzenden Hinweis auf Märchen- und Sagenhaftes – die „Jagende Nymphe“. Eine elegante Dynamik geht von der dargestellten Frau aus, die gerade ihren Speer geworfen hat und flankiert ist von einem springenden Windhund. Ein kurzer Augenblick ist hier eingefangen, der uns daran erinnert, unsere Aufmerksamkeit immer auf den aktuellen Moment zu richten. Der Speer ist losgelassen, jetzt gilt es zu vertrauen, dass er sein Ziel erreicht. Wir lassen die Nymphe hinter uns und gehen weiter unseres Weges.

Es sind die Farben und Formen, die dem Rosengarten seinen speziellen Charme verleihen – dieses Neben- und Ineinander von klar gezogenen Linien und opulent blühenden Rosen. Die üppig wuchernden Glyzinien, die wie blauer Regen die Pergola herabrauschen. Das mehrstufige Beet, das sich den Weg am Säulengang entlangzieht: Gefühlt zufällig blühen hier vor-, hinter- und übereinander die unterschiedlichsten Blumen und Stauden. In Wahrheit jedoch wurde dieser leuchtend bunte Wegesrand liebevoll komponiert und angelegt.

Achtsamkeit bedeutet nicht nur, den Moment bewusst zu erleben, sondern auch dankbar zu sein für das, was einem geschenkt wird. Dieser Garten ist ein Geschenk, das uns die dafür zuständigen Menschen und die Natur gleichermaßen machen. Das Schöne daran: Wir können es jeden Tag neu auspacken und bis weit über den Sommer hinaus mit allen Sinnen die Facetten dieses magischen Ortes genießen. Welch ein Glück wir doch haben, dass es den Rosengarten gibt!

Der Rosengarten im Humboldthain ist bis zum 15. Oktober täglich von 6 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung geöffnet.

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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Mit Über-Blick“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit Über-Blick“ gesammelt und verlinkt.

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