Rote Teppiche für Filmbegeisterte und Politiker: Beim ALFILM-Festival haben viele Filme von vergangenen Zeiten erzählt – und von einem Traum, der in Berlin lebendig geblieben ist. Eine Woche lang feierten Liebhaber des arabischen Kinos das 17. Arabische Filmfestival. Das ist eine Tradition, die 2009 vom Zentrum für arabische Filmkunst und Kultur e.V. ins Leben gerufen wurde. Sie berührt Jahr für Jahr aufs Neue. Das ALFILM-Festival, das auch im Wedding zu erleben war, ist gerade zu Ende gegangen. Ein Rückblick.

Festivalstart: ALFILM eröffnet mit „Palestine ’36“
Auf der Bühne des HAU 1 eröffneten Geschäftsführerin Pascale Fakhry und der künstlerische Leiter Iskandar Ahmad Abdalla am 22. April gemeinsam mit einem Team von mehr als 20 Freiwilligen das Filmfestival. Mit dem Eröffnungsfilm „Palestine ’36“ begann eine Woche, die ganz im Zeichen von Erinnerung, Widerstand und filmischer Ausdruckskraft stand. Der Film zeichnet die historischen Ursprünge der palästinensischen Nakba nach und legt ihre kolonialen Verflechtungen offen. Er wurde als bester internationaler Film für den Oscar nominiert.
Eine Woche lang wurden im Silent Green Kulturquartier, im Sinema Transtopia und dem City Kino Wedding sowie an weiteren Spielorten in Berlin Filme gezeigt, Gespräche geführt und Perspektiven ausgetauscht. Zwischen Leinwand und Publikum entstand ein Raum, in dem Geschichten nicht nur erzählt, sondern gemeinsam erlebt wurden.
Geschichten von Flucht, Verlust und Hoffnung
Die Filme reichten von Fiktion über Dokumentarfilm bis hin zu experimentellen Formen und Komödien. Sie erzählten von Verlust und Flucht, von Ungerechtigkeit und Widerstand – aber auch von Hoffnung, Würde und der unerschütterlichen Sehnsucht nach einem besseren Leben. Immer wieder tauchten Bilder auf, die sich einprägten: nackte Füße, die über staubige Wege in die Ferne liefen, Körper in Bewegung, auf der Suche nach Freiheit, Stimmen, die sich gegen das Schweigen erhoben. Es waren Bilder, die von Schmerz erzählten – und zugleich von der Kraft, weiterzugehen.
Besonders sichtbar war in diesem Jahr eine neue Generation von Filmschaffenden: junge Stimmen, neue filmische Sprachen. Eine solche Stimme war die des tunesischen Regisseurs Mehdi Hmili, der mit seinem dritten Film „Exile“ am Festival teilnahm. Ebenfalls im Programm: „Roqia“ war der erste Film von Regisseur Yanis Koussim, in dem er die schreckliche Gewalt in Algerien während des Schwarzen Jahrzehnts am Ende des letzten Jahrhunderts schildert.
Regisseurinnen im Fokus: Humor, Alltag und Sehnsucht
Außerdem gab es eine bemerkenswerte Präsenz von Regisseurinnen, die eigene Perspektiven und Erfahrungen in den Vordergrund rückten. Zum Beispiel war der komödiantische Spielfilm „Spring Came on Laughing“ dabei. Er ist das Regiedebüt von Noha Adel (Ägypten) und besticht durch ein Ensemble aus Laiendarstellern. Der Film wurde bereits auf verschiedenen Festivals mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm über die Zeitgeschichte des Libanon („Do You Love Me?“) von Regisseurin Lana Daher sendet eine Botschaft der Liebe und Sehnsucht nach Beirut.
Auch das sudanesische Kino war eindrucksvoll vertreten. In seinen Bildern artikuliert sich der unterdrückte Schrei eines Volkes, das in den vergangenen Jahren massive Umbrüche erlebt hat. Die Filme geben Einblicke in eine Realität, die international oft nur am Rande wahrgenommen wird. Zu den prominentesten sudanesischen Filmen, die gezeigt wurden, gehörten der Film „aKasha“, die beiden Dokumentarfilme „Khartoum“ und „The Camel“ und der Sozialfilm „The Cotton Queen“ von Regisseurin Suzanah Mirghani. Letzterer schildert das Leid der Frauen im Sudan.

Internationale Gäste und eine Retrospektive
Zu den Gästen des Festivals gehörten unter anderem der ägyptische Szenenbildner Onsi Abou Seif, die marokkanische Regisseurin Meryem Benm’Barek („Behind the Palm Trees“) und der sudanesische Produzent Talal Afifi. Dem Werk des ägyptischen Regisseurs Youssef Chahine wurde anlässlich seines 100. Geburtstags mit einer Retrospektive gedacht. Begleitend dazu setzte sich ein Symposium mit der Frage auseinander, wie Kino, politische Erfahrung und künstlerische Praxis miteinander verwoben sind. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Verlust und Hoffnung, zwischen Realität und Imagination entstand ein Raum, in dem das Kino mehr war als nur ein Medium. Es wurde zur Sprache, zur Erinnerung, zur Möglichkeit, das Unsagbare sichtbar zu machen.
Dieses Festival war mehr als eine Reihe von Vorführungen. Es war eine Erfahrung, die Berlin für einen Moment an einen anderen Ort versetzte – dorthin, wo Schmerz und Schönheit, Unterdrückung und Liebe, Verzweiflung und Hoffnung nebeneinander existieren. Die Zuschauer wirkten, als wären sie nicht nur Zuschauer, sie waren an der Seite der Helden in Filmen, die manchmal auch die eigenen Asylgeschichten widerspiegelten. Innerlich waren sie damit Teil einer Geschichte, die auf der großen Leinwand erzählt wurde. Der Kinosaal schwankte im Rhythmus populärer Lieder oder Nationalhymnen. Der Vorhang fiel oft still, begleitet von Freiheitsgesängen und Tränen der Sehnsucht.
Das ALFILM-Festival ist nun vorbei. Doch die Geschichten klingen weiter nach.




ALFILM-Filme weiter im Wedding entdecken
Wer das aktuelle arabische Kino entdecken möchte, kann auch im Nachhinein noch im Programm des ALFILM-Festivals nach interessanten Filmen suchen. Einige Filme werden auch in Programmkinos in Berlin gezeigt. Im Wedding lohnt sich insbesondere ein Blick in den Spielplan des City Kino Wedding und des Sinema Transtopia.
Text: Anan Jakich

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