Digitalisierung: Amt, aber sexy!

Man möchte ja glauben, dass sich seit der allgemeinen Verbreitung des Smartphones sowie in Zeiten von Pop-up-Stores und Coworking-Spaces digitale Prozesse schon als alltagsrelevant gezeigt und bewiesen haben. Doch auf Seiten der Ämter scheinen die Uhren anders zu ticken. Nun zeigt sich verstärkt in besonderen Zeiten wie diesen, was es heißt, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Die Umstellung von analog zu digital hatte dieses Jahr nun ein Revival. Gedanken über die Digitalisierung.

Wie steht es mit der Digitalisierung von Ämtern? Zeichnung: Dominique Hensel
Wie steht es mit der Digitalisierung von Ämtern? Zeichnung: Dominique Hensel

Virtuelle Begegnungsräume für Konferenzen und Team-Meetings im Business- und Vereinswesen, Unterhaltungsformate wie Wohnzimmerkonzerte im klassischen Sinne, Livestreams von Clubs mit elektronischer Tanzmusik wurden schneller eingeführt als man Netzgeschwindigkeit sagen kann. Aufgrund der Vorgabe einer Distanzkultur gab es ein reges Interesse an diesem Vormarsch und man konnte nachverfolgen, wer da irgendwie schon vorbereitet schien. Aber es gibt auch Parallelgesellschaften, wo das ganz anders aussieht: eine Parallelgesellschaft – das Amt.

Der „Dienstbetrieb Corona-Virus“ ist eingestellt. Vorerst natürlich als „Corona >>> Notbetrieb“, dann „Erweiterter Notbetrieb“ und im weiteren Verlauf bekommt dieser auch ganz zärtlich „Zuwendungen – Corona-Virus“. Soviel zu den Betreffzeilen in der Amt-E-Mail-Kommunikation. Aber nicht aus dem Homeoffice, denn da gibt es ja keinen Zugang. Also ohne Diensttelefon und ohne Dienstlaptop. In Sachen Flexibilität gibt es anscheinend dehnbare Auslegungen, wenn nicht einmal in Zeiten von Smartphone der Zugang zu E-Mails gewährleistet werden kann.

Digitalisierung im Amt – ausbaufähig

Naja, die Übung liegt hier wohl im Umgang mit Annahme, Gelassenheit und Nicht-Bewerten. Die Erreichbarkeit wird nach KW (AMTsdeutsch für Kalenderwoche) jede Woche frisch und ganz neu ausgehandelt. Das ist eine ganz unbekannte und aufregende Erfahrung. Demnach ist das Amt dann auch mal nur am Montag und Mittwoch vor Ort erreichbar und dann am Dienstag und Freitag in Heimarbeit. Die Woche drauf dann am Montag, Dienstag und Donnerstag wie gewohnt per Telefon und E-Mail im Büro. Am Mittwoch und Freitag wieder Heimarbeit, aber ohne Diensttelefon und ohne Dienstlaptop.

Das ist reine Darbietung der Faktenlage und es gibt genug Gründe zur Hoffnung, denn ein Stückchen Digitalisierung ist im Amt angekommen – was für ein Fortschritt! Das Videokonferenz-Tool Zoom sowie Skype sind nun dank der kleinen Auszeit auch im Amt bekannt. Nach einer kurzen Einweisung in die technischen Möglichkeiten und Einschränkungen des einzigen Besprechungsraumes im Rathaus Mitte, der für Videokonferenzen zur Verfügung steht und gebucht werden muss, sind das auch die Favoriten vom Amt! Juhu, nun bleibt die Frage: „Wer von Ihnen könnte bzw. würde das Meeting organisieren und uns allen die entsprechenden Zugangsdaten zukommen lassen?“ Denn es gibt leider noch null Erfahrung mit Zoom und deshalb wäre es besser, das Amt einzuladen. Das tun wir sehr gerne, denn in unserer täglichen Stadtteilkoordinatoren-Arbeit haben wir den Umgang mit genau diesen Herausforderungen erprobt. Deshalb an dieser Stelle: ein Hoch auf partizipatorisches und unterstützendes Arbeiten!

Wenn wir uns was wünschen dürften, dann Amt, aber sexy! Oder sogar Amt UND sexy! Das heißt flexibler in der Arbeitsweise, so wie es von uns erwartet wird, eine direkte, offene und transparente Kommunikation mit und durch die Fachämter und ein gemeinsames Arbeiten an einer gemeinsamen Vision. Herrlich. Wir freuen uns darauf!

Ihre „Stadtteilkoordinatorin Plus“ Sonja Kirschning
E-Mail: stk-brunnenstrasse-nord@berlin.de

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Park frei!“ enthalten, das im zweiten Quartal 2020 erschienen und wegen der Corona-Pandemie gleichzeitig das Heft für das dritte Quartal 2020 ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Park frei! Neues Kiezmagazin feiert den Mauerpark gesammelt und verlinkt.

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