Was geschieht in dem großen Haus mit den vielen Etagen? Diese Frage stellt das neue Stück „Heute Nacht um 3.34 Uhr“ im Atze Musiktheater. Der 9-jährige Eddie wohnt darin mit seiner Familie in der 13. Etage – das ist eher irgendwo in der Mitte als oben. Er erlebt viel Spannendes mit seinem Nachbarn Herrn Taniwa. Die Hochhaus-Abenteuergeschichte hat jedoch einen ernsten Kern. Am 9. November wurde sie uraufgeführt – kein Platz blieb dabei frei in der Studiobühne des Musiktheaters im Wedding.

Zwischen Dias, Internet – und echter Bühne
Wer das neue Stück anschaut, könnte sich zuerst vielleicht fragen, ob er oder sie wirklich im Theater ist, ob er oder sie richtig ist. Ist das wirklich ein Theaterstück? Das Ein-Personen-Stück mit vierköpfiger Band wirkt nämlich zuerst wie ein Lichtbildvortrag. Die Dias wechseln – klack, klack, klack – und Eddie erklärt dazu, was es zu erklären gibt. Manchmal klickt er sich auch ins Internet, wobei er die Weddinger Suchmaschine Ecosia benutzt. Ein schönes lokales Detail im Stück. Eddie mäandert via Dia und via World Wide Web durch allerlei Themen: Es geht um Vogelkunde und das Planetensystem, aber es geht auch um seine Ausflüge in dem großen Haus mit all seinen Etagen.
Den Gedanken, ob das ein Lichtbildvortrag oder ein Theaterstück ist, legt man dann doch recht schnell zur Seite. Zu lebendig ist dieser Vortrag, zu bewegt, zu sehr ein charmanter Verbund von Text, Spiel und Musik. Es wäre eine schon fast zu herausragende Leistung für einen Lichtbildvortrag. Aber auch für ein Theaterstück hat Otto Kosok die Aufgabe wirklich gut gelöst. Wer nicht staunt, dass sich ein Schauspieler allein den Text eines 75 Minuten langen Theaterstücks merken kann, der hat noch nie in der Schule einen längeren Vortrag gehalten. Auch der Erwähnung wert ist das Bühnenbild. Schlicht, minimalistisch und effektiv, aber wirklich schön ist die Hochhauslandschaft, die ganz aus Diarahmen besteht. Die Besucherinnen und Besucher der Premiere konnten sich zur Erinnerung ein Dia mit nach Haus nehmen oder ein eigenes Lichtbild mit einem Porträt erstellen lassen. Eine niedliche Idee für den Premierentag.


Der ernste Kern: Gewalt in der Familie
Doch nun zum Kern: Zu seinen Forscherexpeditionen bricht Eddie stets mit Herrn Taniwa auf, seinem Nachbarn. Und das ist nicht nur schön, sondern auch kein Wunder. Denn in seiner eigenen Wohnung ist Mario, der Freund seiner Mutter. Und dort „knallt es richtig“, manchmal. Von dem Stiefvater geht Gewalt aus – gegen Eddie, die Mutter und schließlich den kleinen Bruder Pupbsbert. Es ist also mehr als verständlich, dass Eddie lieber die Etagen des großen Hauses erkundet und viel von Herrn Taniwa lernt, als dass er daheim den nächsten großen Knall abwartet. So sehen es die Zuschauerinnen und Zuschauer, so hat es Autorin Uta Bierbaum ins Theaterstück hineingelegt.
Das Atze wäre nicht das Atze, wenn es nicht den Weg weisen würde in eine bessere Welt. Das Theaterstück von Uta Bierbaum handelt zwar von häuslicher Gewalt, aber auch davon, was man dagegen tun kann. Ist das also ein sehr pädagogisches Stück? Ja und nein. Es erklärt aber vor allem ein relevantes Thema altersgerecht und sehr unterhaltsam. Gedacht ist das neue Stück für Menschen ab neun Jahren.

Spieltermine und Service
„Heute Nacht um 3.34 Uhr“ läuft ab Mitte Januar im Musiktheater in der Luxemburger Straße 20. Die nächsten Aufführungen für Gruppen sind am 15. und 16. Januar jeweils um 10 Uhr. Am Samstag, dem 17. Januar 2026, können Familien das Stück um 14.30 Uhr auf der Studiobühne sehen. Der komplette Spielplan des Atze ist auf der Webseite www.atzeberlin.de zu finden. Karten können dort im Online-Shop, vor Ort an der Theaterkasse oder telefonisch unter (030) 81 79 91 88 bestellt werden.
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