Seit 1983 im Osramkiez: Der AWO-Frauenladen im Wedding

Der AWO-Frauenladen Wedding in der Groninger Straße ist das, was der Name andeutet: ein Raum für Frauen. Hier arbeiten nur Frauen und hier steht die Tür auch nur für Frauen offen – vor allem für Freizeitangebote und Beratungen. Seit 43 Jahren besteht das Projekt inzwischen. Vor zweieinhalb Jahren wurde der runde Geburtstag gefeiert. Ein Besuch in dem Treffpunkt im Osramkiez.

Das Team des AWO-Frauenladen (von links): Esra Akbunar, Roya Vahedi und Anne Haken. Foto: Hensel
Das Team (von links): Esra Akbunar, Roya Vahedi und Anne Haken. Foto: Hensel

Gemütlicher Treffpunkt im Osramkiez

Der Frauenladen ist kein großes Nachbarschaftszentrum. Es ist vielmehr ein gemütlicher Ort mit gerade genug Platz für ein Frauenfrühstück an einem großen Tisch in der Küche, für einen Tanzkurs, für Yoga oder ein Beratungsgespräch. Hinter der bunt bemalten Jalousie findet sich das, was die weiblichen Nutzer:innen in der Nachbarschaft benötigen. Es ist ein Raum nur für sie mit Angeboten, die auf sie zugeschnitten sind. Auf dem Programm stehen Freizeitangebote wie Yoga und Bachata-Tanzkurs, Pilates sowie Beratungen.

Die ausgestellten Tonfiguren sind im AWO-Frauenladen entstanden.
Die ausgestellten Tonfiguren sind im Frauenladen entstanden. Foto: Hensel

AWO-Frauenladen Wedding: Geschichte und Zielgruppe

Der Frauenladen bietet auch Platz für die Schreibtischarbeitsplätze des Frauenladenteams. Drei Frauen teilen sich hier zwei Stellen und „schmeißen den Laden“: Anne Haken, Roya Vahedi und Esra Akbunar. „Der Frauenladen war von Anfang an eine Beratungsstelle mit Freizeitprogramm“, sagt Anne Haken über die Gründung im November 1983.

Damals kam das neue Angebot in einer ehemaligen Bäckerei in der Oudenarder Straße unter. „Man hat damit auf die Welle der türkischen Gastarbeiter:innen reagiert“, sagt Anne Haken. Weil klar wurde, dass die Gastarbeiterfamilien nicht nur kurz in Deutschland bleiben würden, entstand ein Bedarf, insbesondere für Beratungen von Frauen und Müttern aus der Türkei, aber auch aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Auch heute kommen viele türkischstämmige Frauen in den AWO-Frauenladen. Beim offenen Treff, der jeden Mittwoch ab 12 Uhr stattfindet, wird das deutlich. Die meisten Frauen haben einen Migrationshintergrund und sie kommen oft seit vielen Jahren in den Frauenladen. „Unsere Angebote werden im Jahr über 2000 Mal wahrgenommen“, sagt Anne Haken. Die Nutzer:innen sind laut ihrer Statistik zwischen 18 und 80 Jahre alt. Im Durchschnitt sind die 40 Jahre alt.

Informationszettel für die Nutzerinnen im AWO-Frauenladen.
Informationszettel für die Nutzerinnen im Frauenladen. Foto: Hensel

Beratung bleibt das Herzstück

Früher sind auch gemeinsame Reisen Teil des Angebots im Frauenladen gewesen. Die gibt es derzeit nicht. Dafür sind die Beratungen nach wie vor gefragt. „Beratungen für alle sind das Wichtigste unserer Angebote“, sagt Anne Haken. Wie die drei Mitarbeiterinnen berichten, ist die allgemeine Sozialberatung eine große Hilfe für die Frauen.

Bei den Gesprächen gehe es um Wohnungsnot, um die Beantragung von staatlichen Leistungen oder um Gewalterfahrungen. Die Beratungen können auf Deutsch, Englisch, Persisch oder Türkisch stattfinden. „Manchmal kommen auch Frauen mit fünf ungeöffneten Briefen, die fragen: Könnt ihr mal gucken?“, erzählt Anne Haken. Die Aufgabe des Teams ist dann: „Helfen, das Leben zu sortieren und einfach da sein.“

Ehrenamt und neue Projekte

Damit es im Frauenladen viele verschiedene Angebote geben kann, ist das Team auch aufs Ehrenamt angewiesen. So wird derzeit für ein Sprachcafé eine Frau gesucht, die gut Deutsch spricht und regelmäßig für das Angebot in den Frauenladen kommen kann und möchte. „Wir wünschen uns noch eine weitere offene Frühstücksgruppe“, sagt Anne Haken. Weil gerade ein neuer Herd installiert wurde, sollen auch bald Kochkurse stattfinden. Auch Vorträge zu frauenspezifischen Themen würden Anne Haken, Roya Vahedi und Esra Akbunar gern weiterhin anbieten.

Für ein weiteres mögliches Angebot bräuchte es neben einer ehrenamtlichen Betreuerin auch Zeiten in einer Schwimmhalle. „Der Bedarf an Schwimmkursen ist groß. Insbesondere durch die Corona-Pandemie haben viele Kinder nicht schwimmen gelernt. Das ist ein Problem und das würden wir gern angehen“, sagt Roya Vahedi.

Freie Zeiten in einem Schwimmbad zu finden, sei aber sehr schwer. Ob der Frauenladen also einen solchen Kurs anbieten kann, ist unklar. Fest steht aber, dass er auch im 43. Jahr seines Bestehens im Osramkiez einen Raum für Frauen bieten wird – mit Freizeitangeboten und Beratungen.

Der AWO-Frauenladen in der Groninger Straße von außen.
Der AWO-Frauenladen in der Groninger Straße von außen. Foto: Hensel

Kontakt und Öffnungszeiten

Der AWO-Frauenladen befindet sich in der Groninger Straße 28. Er hat montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Beratungen finden nach Absprache statt. Das Team ist telefonisch unter (030) 45 60 64 50 und per E-Mail unter frauenladen@awo-mitte.de erreichbar.

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