Paris macht es vor: Seit dem 5. Juli kann in der Seine wieder gebadet werden. Auch im Wedding war das Baden in Flüssen und Kanälen einst ganz normal. Um 1900 gab es an der Panke und am Nordhafen Badeanstalten – und auch der Plötzensee war ein beliebter Badeort.
Als die Panke zum Badegewässer wurde
Die Vorstellung, in der Panke zu baden oder wenigstens die Füße hineinzustecken, ist heute keine wohlige. Zu Recht: Wer die Daten der Wassergütemessstation 728 (Coliforme, E.Coli, Enterokokken) abruft, muss feststellen, dass die Selbstreinigungskräfte der Panke noch zu schwach sind. Hoffen wir, dass der Pankeumbau und damit die Renaturierung vom Kanal zum Bach endlich ernsthaft angegangen wird.

Das Marienbad an der Panke
Um 1900 war es im Sommer ganz normal, in der Panke zu baden. Eine historische Aufnahme zeigt das Marienbad mit einem eigens angelegten Bassin.
In der Badstraße 36 errichtete Ernst Gustav Otto Oscholinski 1874 einen Restaurationsbetrieb mit Festsaal, Biergarten und Café – und dazu ein Schwimmbad. Heute erinnern die roten Säulen und Pergolen vor dem ehemaligen Café Luise an diesen längst verschwundenen Ort zum Abkühlen.

Auch am Nordhafen wurde gebadet
Schon vor 1860 gab es am Nordhafen eine Männerbadeanstalt. Der Nordhafen zwischen Fennbrücke und Kieler Brücke war damals noch ganz neu: Der Spandauer Schifffahrtskanal war gerade fertiggestellt worden. 1888 kam eine Frauenbadeanstalt hinzu.
Doch die Badezeit am Nordhafen war begrenzt. 1908 wurde das Baden verboten, weil Kanal und Hafen zu schmutzig geworden waren.
Nachdem Kriegsschäden und Reparationsabbau am Westhafen in Moabit in den 1950er Jahren behoben waren, schlief die bis dahin rege Nutzung des Nordhafens ein. Eine Bademöglichkeit kehrte seitdem nicht zurück. Bis heute sind Panke, Spree und Spandauer Schifffahrtskanal zu schmutzig zum Baden.


Der Plötzensee war ein beliebtes Badeziel
Der Plötzensee ist heute die letzte Bademöglichkeit im Wedding – noch. Denn die Zahl der Badegäste ist groß, und mit ihnen wächst auch der Druck auf das empfindliche Ufer.
In den 1990er war der See bereits gekippt. Damals fehlte dem See Sauerstoff, das Leben in ihm starb ab. Für viel Geld wurde er von 1997 bis 1999 entschlammt. Ursache für den Beinahe-Tod des Sees waren „Eintrag durch Falllaub, Badegäste und diffuser Eintrag von den Steilufern, eine starke Nährstoffanreicherung im Wasser‟, teilte das Presseteam des Bezirksamtes vor einiger Zeit auf Nachfrage mit.
Zum Schutz des Sees wurde vor 25 Jahren das Angeln untersagt. Heute muss der See massiv eingezäunt werden, damit auch in Zukunft noch gebadet werden kann.

Im Plötzensee wird seit den 1850er Jahren geschwommen. Damals nutzte das preußische Militär das Ostufer als Militärbadeanstalt. 1877 eröffnete der Turnlehrer Auerbach auf der Westseite eine Badeanstalt. Zu ihr gehörte sogar ein Schaufelrad, das künstliche Wellen erzeugte.
In den 1920er Jahren wurde die Umgebung des Sees landschaftsplanerisch neu gestaltet, die neue (die heutige) Badeanstalt 1923 eröffnete.

Könnte man auch in Berlin wieder baden?
Für die Weddinger wären Panke und Nordhafen als Badegewässer natürlich besonders naheliegend: Beide liegen direkt vor der Haustür, an ihren Ufern stehen Bäume, und das Wasser wäre an heißen Tagen angenehm kühl.
Aber wäre es vorstellbar, dass der Regierende Bürgermeister Kai Wegner oder seine Stellvertreter, die Bürgermeisterin Franziska Giffey und Bürgermeister Stefan Evers, in die Spree springen? So wie die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo im letzten Jahr in den Fluss Seine sprang? Irgendwie nicht.
Selbst wenn die Spree sauber wäre. Aber vielleicht überraschen uns die Verantwortlichen ja und treiben die Reinigung der Berliner Gewässer voran. Für die Weddinger wären dann aber natürlich Panke und Nordhafen als Badegewässer viel naheliegender, weil fußläufig erreichbar, meistens im Schatten von Bäumen liegend und angenehm kalt. Das wäre doch perfekt für Tage mit Lufttemperaturen über 35 Grad!
Paris zeigt, dass Baden in einem Stadtfluss wieder möglich werden kann. Vielleicht ist das eine Zukunftsidee, die auch Berlin zumindest einmal ernsthaft diskutieren könnte.

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