Gestern und heute: Bernauer Straße (1)

Wedding, wie haste dir verändert! Ralf Schmiedecke vergleicht wieder eine historische Ansicht mit einem aktuellen Bild. Dieses Mal hat er in der Reihe der Fotovergleiche „Gestern und heute“ die Bernauer Straße anno 1906 ausgewählt, aufgenommen von der Ecke Strelitzer Straße in Blickrichtung Brunnenstraße. Dazu gibt es Hintergrundinformationen zur Geschichte, die erklären, warum alles heute ganz anders aussieht.

Die Bernauer Straße 1906. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke
Die Bernauer Straße 1906. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke

Nach der nordöstlich von Berlin gelegenen märkischen Stadt Bernau erhielt die rund 1.380 Meter lange Straße am 29. Mai 1862 ihren Namen. Anhand der meist viergeschossigen geschlossenen Bauweise ist ersichtlich, dass die ersten Mietshäuser bereits um 1860 entstanden. Seit 2006 fahren hier wieder Straßenbahnen.

Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurden die nördlichen Innenstadtquartiere der Oranienburger und Rosenthaler Vorstadt ab Bernauer Straße dem 3. Bezirk Berlin Wedding zugeordnet. Mit der Gebietsreform von 1938 hat man die Bezirksgrenze begradigt. Beispielsweise kam die evangelische Versöhnungskirche in der Bernauer Straße 4 zu Mitte und das gegenüberliegende Lazarus-Krankenhaus zum Wedding. Seitdem verlief die Bezirksgrenze direkt an den südlichen Häuserfronten entlang. Der Gehweg davor gehörte in voller Breite zum Bezirk Wedding.

Traurige Berühmtheit erlangte die Bernauer Straße sogar weltweit ab Sonntag, dem 13. August 1961. Hier konnte mit der Abrieglung zum Mauerbau nicht gänzlich begonnen werden. Zwar wurde Etage für Etage in den Folgetagen zugemauert. Trotzdem gab es noch etliche Fluchtversuche mit zahlreichen Toten und Verletzten.

Am 5. Oktober 1964 starb in der Strelitzer Straße 55 der 21-jährige DDR-Unteroffizier Egon Schultz während einer Fluchtvereitelung durch Querschüsse seiner eigenen Kameraden. Hier befindet sich heute eine Erweiterungsfläche der Gedenkstätte Berliner Mauer. Markiert wird die einstige Grenzlinie mit aufrechtstehenden Stahlstangen, wie sie einst zur Bewehrung der neuen fast vier Meter hohen Absperrung aus den 1980er-Jahren mit weißlackierten Betonelementen mit oberen Rohrabschluss Verwendung fanden. Am 9. November 2024 jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 35. Mal.

In der Baulücke der Bernauer Straße 89–90 stand zurückgesetzt die am 1. Juni 1871 eröffnete 35. Gemeindeschule. Das Miethaus Bernauer Straße 91 und das Schulhaus fielen im Zweiten Weltkrieg. Die verbliebenen Altbauten Bernauer Straße 92 und 93/Ecke Strelitzer Straße wurden um 1975 zugunsten von Erweiterungsbauten der Ernst-Reuter-Schule beseitigt.

Die Bernauer Straße 2024. Foto: Ralf Schmiedecke
Die Bernauer Straße 2024. Foto: Ralf Schmiedecke

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Dieser Beitrag ist auch im Kiezmagazin „Schaufenster in den Kiez“ enthalten, das im September 2024 erschienen ist. Weitere Texte aus dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Ein Schaufenster in den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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