Vielleicht hat es kaum einer im Wedding oder Gesundbrunnen mitbekommen, aber auf dem Gelände des Jüdischen Krankenhauses entstand in zweiter Reihe zur Iranischen Straße in den vergangenen fünf Jahren ein neues Bettenhaus. Es wurde jetzt feierlich, kurz vor dem jüdischen Neujahrstag Rosch ha-Schana, eingeweiht.

Noch einmal Erinnerung und Mahnung
Eine große Herausforderung für das Jüdische Krankenhaus (JKB) und seine Patienten liegt nun hinter der Weddinger Traditionseinrichtung. Mit den Bauarbeiten für den Neubau wurde nach zweijähriger Planungsphase im Sommer 2020 begonnen. Der Krankenhausbetrieb lief die ganze Zeit weiter. Nur zur Bombenentschärfung am 12. Dezember 2021 musste das Krankenhaus evakuiert werden. Damit hatte man einige Tage zuvor begonnen. Die Weltkriegsbombe machte nochmal die besondere Rolle des Jüdischen Krankenhauses im Zweiten Weltkrieg deutlich.

Grundstein mit Zeitkapsel
Das neue Bettenhaus steht westlich vom zentralen Hauptgebäude und auf dem Areal, wo sich einst der Frauenpavillon und gleich dahinter der Infektionspavillon befanden. Das U-förmige Gebäude öffnet sich mit seinem Hof nach Westen und ist über Verbindungsgänge mit dem Hauptgebäude verbunden. Auch unterirdisch wurden neue Verbindungen geschaffen, damit der Krankenhausbetrieb möglichst reibungslos laufen kann. Ebenfalls ein besonderes Zeitzeugnis markierte die Grundsteinlegung am 27. Juni 2022, denn es wurden folgende Gegenstände in einer Kapsel mit einbetoniert: eine aktuelle Tageszeitung, etwas Kleingeld, eine FFP2-Maske und ein Corona-Schnelltest, die Seite 1 der Baugenehmigung, ein Ausschnitt aus dem Bauplan und eine Fotocollage mit Erinnerungsbildern von der Baustelle und der Bombenentschärfung.

Innenausbau mit besonderen Elementen
Nach dem Richtfest im März 2023 ging der Innenausbau los. Ein Jahr später konnte das Dach begrünt werden. Und mit dem Gerüstabbau im Sommer 2024 kam auch der alte Baumbestand des Areals wieder zur Geltung. Der auf den ersten Blick schlichte Neubau zeigt spannende Details wie an den Fenstern Ornamentgitter in Mauerwerksoptik, farbig gestaltete Zimmer und modern gehaltene Geschichte. Auf großformatig gestalteten Wänden sieht man die Porträts von ehemaligen Persönlichkeiten und Mitarbeitern im Jüdischen Krankenhaus wie Prof. Dr. Hermann Strauß (1868–1944), über drei Jahrzehnte Chefarzt der Inneren Abteilung, der Entwickler bahnbrechender medizinischer Instrumente und engagierter Arzt war. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er 1944 verstarb. Ebenso ist Hannelore Isbruch, geborene Cohn (1929–2020), gewürdigt, die mehr als 40 Jahre als Krankenschwester im JKB tätig war, viele Jahre davon als Oberschwester.

Ein Schritt in die Zukunft
Rund um den Neubau entstanden neue Orte für Begegnungen und Erholung. Denn wie bereits einst prägt auch heute noch die Lage ein ruhiges und geschütztes Umfeld, während an der nahegelegenen Osloer Straße der Verkehr tobt. Zur feierlichen Einweihung trat nun deutlich hervor, was das Jüdische Krankenhaus hier mit einer Investition von 60 Millionen Euro geschaffen hat: 121 moderne, helle Zimmer mit 200 Betten und neue Arbeitsbereiche für die Mitarbeiterinnen. Somit erhält die Gesundheitsversorgung im Wedding einen kleinen, aber wichtigen Impuls, denn das Jüdische Krankenhaus steht Menschen sämtlicher Konfessionen offen.
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Über die Geschichte des Jüdischen Krankenhauses ist der Beitrag 110 Jahre Jüdisches Krankenhaus erschienen.
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