Vor 110 Jahren, am 22. Juni 1914, wurde der heutige Standort des Jüdischen Krankenhauses in der Heinz-Galinski-Straße eröffnet. Eine zentrale Rolle bei der Entstehung des neuen Hauses spielte Louis Sachs – ein engagierter Berliner Bürger, Unternehmer und Förderer jüdischer Einrichtungen. Obwohl sein Name heute weit weniger bekannt ist als der von Rudolf Virchow, verbindet beide Persönlichkeiten mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Louis Sachs – ein engagierter Berliner Bürger
Der Name Rudolf Virchow ist vielen Menschen bis heute ein Begriff, nicht zuletzt wegen des nach ihm benannten Krankenhauses. Weniger bekannt ist dagegen Louis Sachs, obwohl seine Biografie viele Parallelen zu der von Rudolf Virchow aufweist – mit einem entscheidenden Unterschied: Louis Sachs war Jude.
Sein Wirken ist eng mit dem Jüdischen Krankenhaus in der heutigen Heinz-Galinski-Straße 1 verbunden. Zur Eröffnung des neuen Hauses vor 110 Jahren hatten sich zahlreiche Gäste im prächtigen, von Rosen geschmückten Garten des Krankenhauses eingefunden, wie das Berliner Tageblatt berichtete. Krankenhausvorstand und damit organisatorisch verantwortlich für den neuen, dritten Standort des Jüdischen Krankenhauses war Louis Sachs.

Der am 6. Juli 1845 geborene Louis Sachs war ein äußerst engagierter Bürger. Der Fabrikbesitzer gehörte mehr als ein Vierteljahrhundert der Berliner Stadtverordnetenversammlung an – vergleichbar mit einem heutigen Abgeordnetenhausmitglied. Er trat außerdem als Stifter hervor und gründete unter anderem ein Kindergenesungsheim in Lehnitz bei Oranienburg.
1913 wurde Sachs zum Vorsitzenden des Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegervereine gewählt. Darüber hinaus engagierte er sich im Verband der deutschen Juden. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Louis Sachs war ein Bürger, der der Gesellschaft viel von dem zurückgab, was sie ihm ermöglicht hatte.
Ein modernes Krankenhaus mit 270 Betten
Das neue Jüdische Krankenhaus im Wedding verfügte über insgesamt 270 Betten. Davon waren zwölf Betten der ersten Klasse, 28 der zweiten Klasse und 230 der dritten Klasse vorbehalten, wie das Jüdische Jahrbuch von 1926 aufführt.
Die Angaben zu den Baukosten unterscheiden sich je nach Quelle. Während einige Quellen von 4,8 Millionen Mark ausgehen, nennt beispielsweise das Zentralblatt der Bauverwaltung eine Summe von 3,2 Millionen Mark.
Zur Einordnung: Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank entspricht eine Mark aus dieser Zeit heute ungefähr 6,30 Euro. Der staatlich festgelegte Brotpreis lag damals bei 66 Pfennigen, ein Liter Milch kostete 22 Pfennige und ein halbes Kilogramm Fleisch 90 Pfennige.
Eine Verbindung zu Rudolf Virchow
Die Parallele zwischen Louis Sachs und Rudolf Virchow zeigt sich auch in einer kleinen Besonderheit: Beide waren über Jahrzehnte Berliner Stadtverordnete. Eine weitere Verbindung gibt es in der Kunstgeschichte. Der Bildhauer Jacob Pleßner fertigte sowohl von Rudolf Virchow als auch von Louis Sachs eine Büste an.
Am 21. Januar 1915 starb Louis Sachs in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.

Das Jüdische Krankenhaus hat den Jahrestag „110 Jahre Standort Wedding“ intern gewürdigt und plant Feierlichkeiten für das übernächste Jahr, in dem der Jahrestag 270 Jahre Jüdische Krankenhäuser in Berlin begangen wird.
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