Das Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) im Gesundbrunnen hat Insolvenz angemeldet. Das Klinikum teilte seinen Beschäftigten am Freitag mit, dass es eine vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat. Ziel sei es, das Krankenhaus wirtschaftlich und strukturell neu aufzustellen und zugleich die gemeinnützige Ausrichtung sowie die jüdische Tradition zu bewahren. Der Betrieb läuft vorerst normal weiter.

Hintergrund: Wirtschaftlicher Druck
Das JKB steht schon länger unter Druck: Ein Wasserschaden, ein Millionenminus im laufenden Betrieb und die Anforderungen der bundesweiten Krankenhausreform belasten die Einrichtung. Seit rund einem Jahr wird nach einer geeigneten Trägerstruktur gesucht, Gespräche gab es unter anderem mit Vivantes, der Johannesstift-Diakonie, den Sana-Kliniken und der Charité. Die Stiftung, die das Haus seit 1963 betreibt, wird von der Jüdischen Gemeinde Berlin und dem Land Berlin getragen.
Die Gewerkschaft ver.di fordert, das Insolvenzverfahren zu nutzen, um eine langfristige Lösung für den Weiterbetrieb zu finden, und schlägt eine Überführung in öffentliche Trägerschaft vor.
Einzigartiges Haus mit Geschichte
Das JKB ist das einzige jüdische Krankenhaus Deutschlands. Es wurde am 22. Juni 1914 eröffnet, verfügt heute über 384 Betten und wurde kürzlich um ein weiteres Bettenhaus erweitert. Rund 820 Mitarbeitende versorgen Patient*innen in den Abteilungen Innere Medizin, Orthopädie, Unfallchirurgie, Radiologie, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie.
Im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung führt die Geschäftsführung das Krankenhaus unter Aufsicht eines Sachverwalters weiter und muss einen Insolvenzplan vorlegen.
Mehr Informationen
Mehr zur Geschichte des Traditionshauses steht im Beitrag 110 Jahre Jüdisches Krankenhaus. Die Stellungnahme des JKB gibt es auf der Website des Krankenhauses.
Quellen: Jüdisches Krankenhaus Berlin, ver.di, Tagesschau, Wikipedia, entwicklungsstadt.de
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