Bewusst atmen im Wedding: Ein Atemcoach erklärt

Atem passiert automatisch – und beeinflusst dennoch unseren Stress, Schlaf und unser Wohlbefinden stärker, als viele denken. Atemcoach Kadir Bölen aus der Pankstraße erklärt, warum bewusstes Atmen wichtig für Körper und Psyche sein kann.

Wir können Wochen ohne Nahrung überleben. Mehrere Tage ohne Wasser. Drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff reichen allerdings aus, um unser Gehirn dauerhaft zu schädigen. Und dennoch behandeln wir den Atem wie etwas Nebensächliches. Kadir Bölen ist Atemcoach aus der Pankstraße. Er erklärt, welchen Einfluss gutes Atmen auf unser Leben haben kann.

Es geschieht automatisch – vielleicht entzieht sich gerade deshalb das Atmen unserer Aufmerksamkeit. Erst wenn wir unter Atemnot leiden, wenn uns Stress die Luft abschnürt oder wir im Krankenhaus eine Sauerstoffmaske tragen, wird uns bewusst: Unser Leben hängt an einem unscheinbaren Rhythmus.

Atemcoach Kadir Bölen bei einer Atemübung in der Gruppe. Foto: privat
Atemcoach Kadir Bölen bei einer Atemübung in der Gruppe. Foto: privat

Wenn Stress die Atmung verändert

Beobachtet man ein schlafendes Kind, erkennt man diesen natürlichen Rhythmus. Der Bauch hebt und senkt sich ruhig. Kein Ziehen in den Schultern, kein angespannter Brustkorb. Kinder atmen mit dem Zwerchfell. Mit den Jahren jedoch verändert sich dieser Rhythmus. Leistungsdruck, emotionale Verletzungen und Stress hinterlassen Spuren.

Die erste Reaktion auf Angst oder Überforderung ist fast immer die Gleiche: Wir halten den Atem an. Was als kurzfristige Schutzreaktion gedacht ist, wird zur Gewohnheit. Die Atmung wandert nach oben in den Brustraum, wird flacher und schneller. Schultern verspannen, der Nacken verhärtet sich. Diese chronische Anspannung wirkt sich auf Schlaf, Konzentration und emotionale Stabilität aus.

Warum die Nase eine wichtige Rolle spielt

Die Nase ist weit mehr als ein Lufteingang. Sie filtert Staub und Partikel, erwärmt oder kühlt die Atemluft und befeuchtet sie. Zudem unterstützt sie indirekt die Sauerstoffverteilung im Körper. Wer überwiegend durch den Mund atmet, umgeht dieses ausgeklügelte System. Langfristig kann Mundatmung mit Schlafstörungen, erhöhter Stressreaktion und einer verminderten Sauerstoffversorgung verbunden sein.

Dies kann Zellstress begünstigen und Entzündungsprozesse beeinflussen. Ebenso entscheidend ist das Ausatmen. Über die Atmung wird Kohlendioxid ausgeschieden – ein zentrales Stoffwechselprodukt. Wer nicht vollständig ausatmet, kann nicht genug einatmen.

Der Körper braucht Bewegung beim Atmen

Essenziell ist auch das Zwerchfell. Es ist der wichtigste Atemmuskel und arbeitet wie eine Pumpe zwischen Brust- und Bauchraum. Wird es aktiv genutzt, sorgt es für Regeneration und Erholung. Herzfrequenz und Blutdruck können sich stabilisieren, der Körper wechselt in einen Ruhemodus.

Atem, Haltung und Muskulatur stehen in Wechselwirkung. Ein eingesunkener Oberkörper behindert die Zwerchfellbewegung. Eine stabile, flexible Rumpfmuskulatur unterstützt sie. Gesunde Atmung ist daher kein isolierter Vorgang, sondern Teil eines ganzheitlichen Körperrhythmus.

Eine einfache Atemübung für den Alltag

Bei der Übung wird die Bauchatmung (Zwerchfellatmung) eingesetzt.

Ziel: Stress reduzieren, den Körper entspannen und die Sauerstoffversorgung verbessern
Dauer: täglich drei bis fünf Minuten – nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafengehen

  1. Setzen oder legen Sie sich bequem hin.
  2. Legen Sie eine Hand auf den Bauch und eine auf die Brust.
  3. Atmen Sie langsam durch die Nase ein, sodass sich der Bauch hebt.
  4. Atmen Sie langsam durch den Mund aus, sodass sich der Bauch wieder senkt.
  5. Die Brust sollte sich möglichst wenig bewegen.

Text: Kadir Bölen

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