Ruhe finden im Hier und Jetzt

Zwei Bekannte begegnen sich an der Brunnenstraße. „Wie geht’s?“, fragt der eine. „Stress“, antwortet die andere, tippt auf ihre Armbanduhr und sagt: „Muss weiter.“ „Geht mir genauso“, nickt der eine. Dann eilen beide ihres Weges, denn unzählige Aufgaben und Termine warten darauf, erledigt zu werden. Stress ist ein Phänomen der modernen Zeit. Stephanie Esser zeigt einen Weg, aus diesem Zustand herauszufinden.

Ein Spaziergang im Park ist eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Foto: Hensel
Ein Spaziergang im Park ist eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Foto: Hensel

Inneren und äußeren Stress haben wohl die meisten von uns schon einmal erlebt. Dann hat der Tag nicht genug Stunden, um die berufliche und private To-do-Liste abzuarbeiten. Permanent müssen wir entscheiden, welche Aufgabe gerade am wichtigsten ist und welche warten kann. Was aber, wenn uns alles gleich wichtig erscheint? Multitasking, also mehrere Sachen gleichzeitig zu tun, scheint dann die Lösung. Dabei ist längst erwiesen, dass das nicht funktioniert.

Raus aus der Spirale

Tatsächlich wechselt man in Sekundenschnelle den Fokus von einer Sache zur anderen und wieder zurück. Anstatt Zeit zu sparen, kostet uns diese Arbeitsweise den letzten Nerv und handelt uns mentalen Stress ein: Wir verzetteln uns, sind unkonzentriert und schneller überfordert. Was dann ins andere Extrem führen kann: Wir bleiben entmutigt vor den Aufgaben stehen. Denn egal, wo wir beginnen würden – an einer anderen Stelle brennt es auch. Dieser Gedanke lähmt.

Beide Reaktionen – also starke Beschleunigung sowie lähmende Untätigkeit – sind Elemente einer Stress-Spirale, die uns nach unten zieht. Wie aber können wir aus dieser Spirale aussteigen, ohne einfach nur in das jeweils andere Extrem zu geraten? Die Antwort ist so einfach wie herausfordernd: durch bewusste äußere und innere Ruhe. Das mag banal klingen, ist aber in Zeiten von Social Media, negativen Nachrichtenfluten und Arbeitsverdichtung gar nicht so leicht zu erreichen.

Pssst! Das Hinweisschild in der Strelitzer Straße bittet um Ruhe. Foto: Hensel
Pssst! Das Hinweisschild in der Strelitzer Straße bittet um Ruhe. Foto: Hensel

Äußere Ruhe

Im ersten Schritt ist es wichtig zu identifizieren, wer oder was uns stresst. Sobald das klar ist, können wir Ruhe in die jeweiligen Bereiche bringen.

Wenn alles auf uns einströmt, müssen wir bewusst Stopp sagen: Handy aus, Fernseher aus, E-Mail-Programm schließen, Computer runterfahren, Tür zu oder raus aus der Tür.

Wenn wir glauben, andere erledigen bestimmte Dinge nicht so gut wie wir selbst, müssen wir bewusst Stopp sagen. Und zwar zu unserem Perfektionismus. Oder zu unserer Überheblichkeit. Denn die (Arbeits-)Welt dreht sich garantiert auch ohne uns weiter.

Wenn viele Menschen gleichzeitig etwas von uns wollen, müssen wir bewusst Stopp zu ihnen sagen. Das erfordert manchmal Mut, aber für uns ist ja auch niemand ständig verfügbar – und falls doch, müsste dieser Mensch selbst Stopp sagen.

Zu Ruhe kommen kann man auch, wenn man sich auf eine Bank im Rosengarten im Humboldthain setzt. Foto: Hensel
Zu Ruhe kommen kann man auch, wenn man sich auf eine Bank im Rosengarten im Humboldthain setzt. Foto: Hensel

Innere Ruhe

Haben wir endlich für Ruhe im Außen gesorgt, können wir spüren, wie gestresst unser Geist eigentlich ist. „Monkey Mind“ sagen die Buddhisten dazu, was übersetzt „Affengeist“ heißt.

Wenn wir merken, dass negative, stressvolle Gedanken wie eine Horde Affen durch unseren Geist toben, müssen wir sie bewusst stoppen. Immer wieder aufs Neue. Da führt kein Weg dran vorbei.

Wenn wir bei einer Tätigkeit, zum Beispiel beim Kochen, permanent darüber nachdenken, was wir sonst noch alles erledigen müssen oder wie viel Angst wir vor der Zukunft haben – dann müssen wir uns bewusst stoppen und uns auf das fokussieren, was wir in diesem Moment tun. Das heißt, wenn unser Monkey Mind Schwierigkeiten hat, den Fokus zu halten, können wir uns selbst an die Hand nehmen und sagen: „Jetzt schneide ich dieses Gemüse.“ „Jetzt fülle ich den Topf mit Wasser.“ „Jetzt koche ich.“

Für äußere Ruhe sorgen: hier mit einem Schild an einem Wohnhaus, in der eine Kita ist. Foto: Dominique Hensel
Für äußere Ruhe sorgen: hier mit einem Schild an einem Wohnhaus, in der eine Kita ist. Foto: Dominique Hensel

Diesen Moment nutzen

Das Hier und Jetzt ist der Punkt, an dem wir aus der Stress-Spirale aussteigen können. Nur in der Gegenwart ist es möglich, Stopp zu all den Aufgaben, Menschen und eigenen Gedanken zu sagen, die uns den letzten Nerv kosten.
So könnten die beiden Bekannten auf der Brunnenstraße mit etwas mehr innerer und äußerer Ruhe ein bereicherndes Gespräch führen, anstatt gestresst weiterzueilen. Frei nach dem Motto: „Jetzt unterhalte ich mich.“

Mit guter Energie in den Frühling

Wir leben in herausfordernden Zeiten und so einiges, was um uns herum oder in der Welt geschieht, kann Angst machen. Doch wenn wir uns auf das fokussieren, wovor wir Angst haben, fließt unsere persönliche Energie genau dort hin. Die Folge? Wir geraten in eine Abwärtsspirale. Der Ausweg? Angst-Affengedanken immer wieder bewusst stoppen, ins Hier und Jetzt kommen und wahrnehmen: Was mache ich gerade? Was ist JETZT gut in meinem Leben und in der Welt? Wie kann ich das Gute weiter fördern? Und immer wieder entscheiden: Für wen oder was will ich meine wertvolle Energie einsetzen? Viel Freude und Erfolg bei dieser Frühlings-Challenge!

Kurze Meldungen aus dem Stadtteil

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Kommentar

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Morjen

    was auch helfen könnte sind Bücher von Dan Millman, wie man sein Leben zum positiven wenden kann … zb. Die Weisheit des friedvollen Kriegers
    Oder man wendet sich dem Taoismus zu

    entspannten Sonntag noch

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