Für ihr Engagement in der Obdachlosenhilfe bei Evas Haltestelle und ihren Einsatz für das Brunnenmagazin haben Natalie Kulik und Dominique Hensel die Bezirksverdienstmedaille erhalten. Geehrt wurden die beiden Frauen für ihr Wirken im Bezirk Mitte. Die Verleihung fand am 25. Juni im Rathaus Tiergarten statt.

Natalie Kulik: Eine Stimme für Frauen ohne Bleibe
„Sie geben Menschen ihre Stimme zurück und schenken ihnen einen Ort, an dem sie einfach sein dürfen“, sagte Alexandra Bendzko in ihrer Laudatio. Die Bezirksverordnete der Grünen hatte Natalie Kulik für die Bezirksverdienstmedaille vorgeschlagen. Besonders hob sie deren kontinuierliches Engagement für soziale Gerechtigkeit und wohnungslose Frauen hervor.
Die Sozialarbeiterin hat ihr Berufsleben der Obdachlosenhilfe gewidmet. Natalie Kulik leitete „Evas Haltestelle“ bereits, bevor die Einrichtung am 7. März 2019 in die Müllerstraße 126 zog. Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet sie in dem sozialen Projekt – begonnen hat sie dort mit einem Praktikum, später studierte sie Soziale Arbeit.
„Evas Haltestelle“ wurde 1997 gegründet. Die Einrichtung ist besonders, weil sie sich gezielt an obdachlose Frauen richtet. Vor drei Jahren rückte der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Arbeit der Einrichtung stärker in die öffentliche Wahrnehmung. Frauen ohne Wohnung fallen im Stadtbild deutlich weniger auf als wohnungslose Männer – ein Umstand, auf den Natalie Kulik in mehreren Interviews immer wieder hingewiesen hat.

Natalie Kulik, knapp über 40 Jahre alt, wurde 2009 für ihr Engagement mit der Berliner Ehrennadel ausgezeichnet. Auch wenn sie als die Frau für Frauen ohne Bleibe gilt, dankte sie bei der Verleihung der Bezirksverdienstmedaille ausdrücklich ihrem Team aus wenigen angestellten und zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen. In diesem Sinne verstand auch Laudatorin Alexandra Bendzko ihren Satz: „Heute ehren wir eine Frau stellvertretend für eine Institution, die genau hier ansetzt, bei der Solidarität mit unseren Mitmenschen.“
Dominique Hensel: Wort für den Kiez
Wie bei Natalie Kulik mischt sich auch Dominique Hensel die ehrenamtliche und die bezahlte Tätigkeit. Verdient gemacht hat sich Dominique Hensel um die Schaffung einer Öffentlichkeit auf lokaler Ebene. In Zeiten, in denen sich viele große Zeitungen keine Bezirksseiten mehr leisten können, springt die gelernte Journalistin ein.
Wie bei Natalie Kulik findet auch bei Dominique Hensel ein großer Teil der Arbeit im Verborgenen statt. Viele Jahre engagierte sie sich beim Blog Weddingweiser, bevor sie vor zwei Jahren ihre Energie in ihr eigenes Projekt, das Brunnenmagazin, lenkte. Ihr Antrieb war und ist dabei, unabhängig und unaufgeregt zu beobachten und zu berichten.
„Wenn wir an Journalismus in unserem Bezirk, insbesondere über unseren Kiez im Wedding, denken, dann denken wir unweigerlich an dich, liebe Dominique“, sagte Laudator Uli Davids. Der ehemalige Stadtrat, selbst täglicher Leser des Brunnenmagazins, hob hervor, dass Dominique Hensel täglich recherchiert, was im Kiez passiert, und darüber berichtet – in Reportagen, Buchvorstellungen und Wochentipps. „Und wenn eine Initiative Unterstützung braucht, dann bist du da, lässt es dir von den Menschen aus dem Kiez erzählen und schreibst ihre Geschichten auf“, sagte Davids bei der Verleihung im Rathaus Tiergarten.
Außerdem betont Uli Davids, dass Dominique Hensel als Netzwerkerin auch immer wieder den Wedding voranbringe. Durch Gespräche, wenn die Freiluftausstellung „Mein Wedding“ in Gefahr ist. Durch ein gutes Wort, wenn es darum geht, das Seifenkistenrennen auf der Badstraße wiederzubeleben.
Wer die in Strausberg geborene fast 50-Jährige kennt, weiß, dass Engagement schon immer zu ihrem Leben gehörte. Bereits in der Schulzeit ging ihr Einsatz weit über den Unterricht hinaus. Für Insider: es begann alles im Chaoskeller.

Eine Auszeichnung für den Bezirk Mitte
Mit der Bezirksverdienstmedaille ehrt der Bezirk Menschen, „die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und/oder mit ihren persönlichen Leistungen in herausragender Weise um den Bezirk Mitte von Berlin verdient gemacht haben“. Früher sagte man: Menschen, die etwas zum Wohle des Bezirks beigetragen haben. Während beim Ehrenamtspreis, den der Bezirk ebenfalls verleiht, besonders das Engagement gewürdigt wird, ehrt die Bezirksverdienstmedaille auch Leistungen, die nicht ausschließlich in der Freizeit erbracht werden.


Die Bezirksverdienstmedaille wird jährlich verliehen. Jeder kann bis zum 31. März eines Jahres Vorschläge beim Bezirksamt einreichen. Unter den Vorschlägen wählen die Bezirksverordnetenvorsteherin, ihr Stellvertreter, die fünf Stadträte und die Bezirksbürgermeisterin aus, wer geehrt werden soll. Dies können bis zu acht Personen sein. In diesem Jahr blieb es bei zwei Geehrten.
Der 2001 neu gebildete Bezirk Mitte ehrte am 12. Mai 2005 erstmals Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den Bezirk verdient gemacht haben. „Ich bin froh, dass der Bezirk weiterhin die Bezirksverdienstmedaille vergibt“, sagte Uli Davids. Denn die Ehrung von Menschen, die Wichtiges für Mitte leisten, ist keine Pflichtaufgabe und muss in Zeiten knapper Kassen immer wieder gerechtfertigt werden. Geld erhalten die Ausgezeichneten nicht. Die Medaille besitzt neben ihrem ideellen Wert jedoch auch einen materiellen, denn sie besteht aus reinem Silber. Verliehen wird sie im Rahmen eines feierlichen Festakts.
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Über die Auszeichnungen in den vergangenen beiden Jahren wurde auch im Brunnenmagazin berichtet. Wer ausgezeichnet wurde und wofür, kann in den Beiträgen „Eine Medaille für die Helden der Kieze“ und „Sie tragen die Nachbarschaft im Wedding“ nachgelesen werden.
Transparenzhinweis: Autor Andrei Schnell lebt mit Dominique Hensel zusammen.


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