Für manche Menschen ist Ehrenamt genauso wichtig wie die Erwerbsarbeit. Bei unserer Autorin und Redaktionsleiterin Dominique Hensel ist das seit der Schulzeit so. Neben dem bezahlten Job hat sie immer viel Zeit für Engagement gefunden.
Im Sonntagskrimi gibt es den Serienmörder. Er bringt eine arme Seele nach der anderen um die Ecke. Alle rätseln, warum er das macht. Auch ich tue eine Sache immer wieder, doch die Polizei muss danach nicht zum Einsatz kommen. Ich engagiere mich, immer wieder und immer weiter. Vielleicht bin ich so etwas wie eine unverbesserliche ehrenamtliche Serientäterin.

Wie alles begann: Partys, Plakate und eine Autowaschanlage
Warum ich das mache, wurde ich schon sehr oft gefragt, seitdem ich irgendwann Anfang der 1990er Jahre mit meiner Serientäterei begann. Es fing eigentlich harmlos an. Ich war mit drei DJs befreundet, die keine Lust hatten, die Techno- oder Darkwave-Partys selbst zu organisieren, die Plakate zu gestalten oder die Dekoration in der alten Autowaschanlage zu machen. Also tat ich das. Ich ging noch zur Schule, ich hatte Zeit. Sie drehten die Platten, ich machte den Rest. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Ich hätte nur rumgestanden oder die DJs angehimmelt. Beides liegt mir nicht.
Strausberg: Der Anfang einer langen Täterinnenspur
Wer meine Täterinnenspur sucht, findet den Anfang in Strausberg, am Ende der S5. Da habe ich meine ersten Taten begangen. Einen Jugendklub mit Leben gefüllt, später eines der größten soziokulturellen Zentren in Brandenburg als Vereinsvorsitzende geführt. Das erste Biorestaurant im Land eröffnet und mitgeholfen, drei freie Schulen zu gründen. Ich habe Personal eingestellt, Webseiten mit Inhalten gefüllt, Kredite beantragt, Grundbucheinträge unterzeichnet, den Verein bei Gerichtsverhandlungen vertreten, mit Ministern gestritten und viel Beratungs-Milchkaffee getrunken.
Später habe ich, noch immer ehrenamtlich, gelernt, was eine Bilanz ist und wie man sie liest. Aus dem Verein wurde eine gGmbH, ich Gesellschafterin. Weiter ehrenamtlich und bis heute. Doch eine Täterin macht immer weiter, wenn sie nicht gestoppt wird und mich hat bisher niemand gestoppt.
Umzug ins Brunnenviertel: Es ging sofort weiter
Nach meinem Umzug ins Brunnenviertel war ich nach gefühlten drei Minuten Quartiersrätin (ehrenamtlich), dann findet sich meine Täterspur plötzlich im Soldiner Kiez wieder. Ich wurde Vorständin in der Fabrik Osloer Straße. Ob ich schuld daran bin, dass die jetzt auch eine gGmbH ist und ich ein zweites Mal Gesellschafterin wurde, dazu verweigere ich die Aussage.
Einräumen will ich aber, dass ich nun seit anderthalb Jahren auch Vorständin im Brunnenviertel e.V. bin. Und dass ich in den letzten zehn Jahren viele hundert hyperlokale Texte ganz ohne Bezahlung geschrieben habe. Manchmal mache ich, das gebe ich zu, auch etwas halb ehrenamtlich. Einzelheiten will ich nicht nennen.
Ich trenne Job und Ehrenamt nicht
Und warum mache ich das nun? Die Antwort klingt für die meisten Menschen seltsam: Weil ich nicht zwischen Ehrenamt und Bezahljob trenne. Ich mache, was ich gut, wichtig und richtig finde und betrachte Ehrenamt dabei nicht als Freizeitbeschäftigung. So wie ich Bezahljob nicht als Nicht-Freizeitbeschäftigung betrachte. Solange das Geld irgendwie für die Miete reicht (oder der Mitweddinger genug verdient), mache ich weiter. Das Gute daran: Ich schleppe mich niemals zum Job und ich fiebere niemals dem nächsten Brückentag entgegen. Ich arbeite praktisch immer – oder ich ehrenamte immer. Das gestehe ich.
Was mache ich als nächstes? Dazu mache ich natürlich keine Angaben. Sicher ist: Ich werde es tun. Ich mache es gern und ich kann einfach nicht anders. ;)
Kurzer Nachtrag: Und wovon lebe ich eigentlich?
Nach Veröffentlichung dieses Text im gedruckten Kiezmagazin „Anpacken im Kiez“ wurde ich gefragt, wie ich denn nun wirklich Geld verdiene. Hier die Antwort: Ich arbeite als freie Journalistin. Damals, als ich die Schulen in Strausberg mitgründete, war ich festangestellte Redakteurin bei einer Lokalzeitung. Heute arbeite ich freiberuflich für verschiedene Medien und Auftraggeber. Hat man da nicht schon genug zu tun? Ja, hat man. Doch fürs Ehrenamt muss einfach auch Zeit sein. Grund: siehe oben.

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