Interessant, verwirrend, überraschend, englisch – mit diesen Adjektiven lässt sich das British Shorts Festival vielleicht am besten beschreiben. Bunt fehlt noch, soll die Festivaleröffnung im City Kino Wedding am vergangenen Donnerstag zusätzlich treffend mit einem Wort bedacht werden. Mit sechs Kurzfilmen aus dem Vereinigten Königreich und aus Irland und einem Konzert hat die 19. Ausgabe des British Shorts Festivals begonnen.

Musik statt Film: Ein ungewöhnlicher Auftakt
Dass das Filmfestival nicht mit einem Film beginnt, sondern mit Musik, daran sind British-Shorts-Stammgäste schon gewöhnt. Und es würde wirklich etwas fehlen, wenn da nicht die immer besonderen kleinen Festival-Konzerte wären. In diesem Jahr kam Jim Avignon die Rolle zu, die ersten Worte bei der Veranstaltung zu sprechen beziehungsweise zu singen. Der Auftritt von Avignons Musikprojekt Neoangin war ein großer, bunter Spaß für das Publikum am Eröffnungsabend.
Neoangin im City Kino: Pop-Art, Masken und Retro-Sounds
Vor leinwandgroßen, bunten Pop-Art-Gemälden von Jim Avignon, die modernen Wimmelbildern für Erwachsene ähneln, performte die Zwei-Mann-Band ihre Songs. Es waren eigene Kreationen und Cover dabei – über KI, das Internet, über „Berlin in the 90ies“ und einen Tanz an einem besonderen Ort („I Was Dancing In The Lesbian Bar“). Markante Sounds wie aus einem Retro-Computerspiel, viele knallige Farben mit Musik und Gesang, der mehr Spoken Word mit Punk im Herzen ist, wirbelten auf der Bühne durcheinander. Jim Avignon trägt dazu wechselnde Masken, die ebenfalls mit dem Charme des Selbstgemachten glänzen. Ganz schön viel Lametta für nur zwei Musiker mit nur einem Schlagzeug und einer Soundmachine.

Ein Festival ohne Wiederholungen
Das Konzert von Neoangin im Kino in der Müllerstraße 74 war einmalig – zumindest bei diesem Festival kehrt die Musik nicht zurück. Die Filme aber, die haben eine Chance, erneut gezeigt zu werden. Zum Beispiel, wenn sie den Jurypreis gewinnen oder den Publikumspreis. Ansonsten gibt es nicht viele Wiederholungen beim British Shorts Festival, das im City Kino Wedding begann und bis Mittwoch, den 28. Januar, weiter durch mehrere Berliner Kinos zieht. Das ist kein Wunder, denn es stehen 150 kurze Filme auf der Festival-Vorführungsliste. Wer zum British Shorts Festival geht, der sucht nicht gezielt im Programm wie etwa bei der Berlinale. Man geht einfach hin und lässt sich überraschen.

Sechs Filme, sechs Welten
Am Eröffnungsabend bekam das Publikum einen kleinen Ausschnitt zu sehen: Sechs Filme standen auf dem Programm. Auch hier gelten die Adjektive: bunt, abwechslungsreich, überraschend. Sechs Filme, sechs Perspektiven, sechs ganz eigene kleine Welten. Was sie verbindet: der Mut zur Eigenwilligkeit und ein Humor, der auch bei ernsten Themen nicht verloren geht. Es waren verspielte, animierte Filme dabei und ganz klassisch erzählte Geschichten – natürlich mit einer unerwarteten Wendung hier und da. Die Themen der Filmemacher:innen: so verschieden, wie es nur geht. Es ging um ein missglücktes Outing bei einem Familienessen, einen angeblich in Glastonbury umherstreifenden Panther, um nervigen Fortpflanzungszwang oder eine etwas gruselige nächtliche Begegnung auf einer Emu-Farm.
Publikumspreis und Favoriten des Abends
Am Ende konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Stimmzettel abgeben und ihre Lieblinge für den Publikumspreis nominieren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der eine oder die andere den Film „Nostalgie“ über einen Auftritt eines One-Hit-Wonder-Sängers in Belfast ausgewählt hätte – schon wegen der schönen inhaltlichen Wendung. Vielleicht auch im Rennen ist die schöne Animation „Ovary-Acting“. Darin geht es um eine junge Frau, die von ihrem Umfeld fast gezwungen wird, sich der Babyfrage zu stellen. Das klingt ernst und das ist es auch (My Body, my Choice), aber es ist auch ein schöner kleiner Film, der es auf den Punkt bringt. Aber vielleicht gewinnt auch ein anderer Film die Herzen beim 19. British Shorts Festival, denn es gibt ja noch so viele Filme zu sehen!

Englisch ohne Untertitel – und trotzdem verständlich
Alle Filme werden auf Englisch gezeigt – es ist ja schließlich das British Shorts Festival. Dabei hat es schon fast Tradition, dass sich nicht englisch-muttersprachliche Kinobesucher:innen bei mindestens einem Film Untertitel gewünscht hätten, um alles genau zu verstehen. Doch bei guten Filmen transportiert nicht allein die Sprache die Geschichte – und so blieb es auch mit einigen Verständnislücken für alle ein interessanter Abend.

British Shorts in ganz Berlin
Das British Shorts Festival ist bis kommenden Mittwoch in Berlin unterwegs und macht auch Halt im Sputnik Kino, im Acudkino, im Klick Kino, im Xenon Kino, im Kino Intimes und in diesem Jahr zum ersten Mal im Filmrauschpalast in Moabit. Im City Kino Wedding gibt es am Sonntag (25.1.) und am Mittwoch (28.1.) jeweils um 20 Uhr wieder Festivalfilme zu sehen. Tickets für alle Vorstellungen gibt es unter www.britishshorts.de. Eintrittskarten für die beiden Festivaltage im City Kino gibt es direkt an der Kinokasse oder unter citykinowedding.de. Bleibt die Frage, die im Festival-Trailer gestellt wird: Are you in? Bist du dabei?
Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

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