Café Freysinn: Ein Traum von einem Café

Habt ihr auch schon mal davon geträumt, ein eigenes Café zu eröffnen? Dann habt ihr gezögert und jemand anderes hat genau das gemacht. Darum geht es in diesem Text und natürlich ums Café Freysinn.

Blick in den Gastraum und auf den Tresen im Café Freysinn. Foto: Hensel
Blick in den Gastraum und auf den Tresen im Café Freysinn. Foto: Hensel

Der Traum

Ich wollte einmal in dem leeren Ecklokal in meiner Straße ein Café eröffnen. Ich hatte mir überlegt, ich könnte guten Kaffee verkaufen, vom Geschmack her nicht verbrannt, nicht zu mild. Denn den trinke ich gern. Und ich habe in Betracht gezogen, das Mittagsbistro der Herrschaften von der Deutschen Welle und den Angestellten der kleinen Fakultät der TU zu werden. Falls die mal keinen Döner oder Pausenbrot zum Mittag essen möchten, hätte ich als einzige weit und breit Salate mit Walnusskernen und Gorgonzola angeboten, Quiche und selbstgemachte Pizza.

Ich sah mich in der Küche stehen, mit einer langen Schürze vor dem Bauch und verlockend riechenden Kuchen backen. Ich sah mich, wie ich mein Plaudertalent täglich gerne an jeden Gast verschenkte. Ich bin um das leere Ladenlokal geschlichen, der kleine Weddinger kletterte gern die Stufen empor, schaute mit mir durch die Fensterscheiben. Ich wollte den Mitweddinger als Mitstreiter herbeireden. Ich träumte mir ein Mitte-Café im Weddinger Kiez.

Ann-Kathrin Mätzold (links) und Marta Susid sind die Betreiberinnen des Cafés. Foto: Hensel
Ann-Kathrin Mätzold (links) und Marta Susid sind die Betreiberinnen des Cafés. Foto: Hensel

Die Realität

Ich habe mich nicht getraut. Die Familie, die Kinder, das Weddinger Publikum, das Risiko. Ich habe zu viele “aber” gedacht. Ich habe beim Träumen kalte Füße bekommen.

Ein Gericht, zubereitet in der Tagine. Foto: Hensel
Ein Gericht, zubereitet in der Tagine. Foto: Hensel

Die Ernüchertung

Ann-Kathrin und Marta aus dem Prenzlauer Berg waren mutiger als ich. Sie haben in meinem geträumten Café ein echtes Café eröffnet, das freysinn. Sie haben es hübsch gemacht, sehr hübsch. Sie verkaufen was ich verkaufen wollte. Sie plaudern wie ich plaudern wollte. Und jeden Tag kommen die Leute von der Deutschen Welle und von der TU und kaufen Salat mit Walnüssen, klappen ihre Laptops auf (WLAN gibt es natürlich auch) und trinken leckeren italienischen Kaffee.

Eine Tasse Cappuccino? Foto: Hensel
Eine Tasse Cappuccino? Foto: Hensel

Die Conclusio

Es gibt guten Kaffee im Brunnenviertel.
Es gibt ein chick-charmantes Café-Bistro im südlichen Wedding.
Ich kann mit meinem Laptop unterm Arm über die Straße gehen, nett mit Marta und Ann-Kathrin plaudern, etwas surfen, Koffein tanken, Kuchen essen, neben den Leuten von der Deutschen Welle sitzen und mich über meine großartige Idee vom Café an der Ecke freuen. Oder mich ärgern.
Ich bin ein Hasenfuß.

Café + Bistro freysinn, Jasmunder Straße 5, 13355 Berlin; Mo-Fr 8-15 Uhr, Webseite: www.freysinn.com

–> Der Text stammt vom Blog Planet Wedding, der heute nicht mehr existiert. Mehr Texte von dieser Seite gibt es unter dem Schlagwort Planet Wedding

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