20.000 bunte Fähnchen machen Kleinstmüll sichtbar. Bei einem Empfang der Engagierten im Rathaus Tiergarten tauschten Cleanup-Initiativen aus Wedding, Gesundbrunnen und anderen Teilen von Mitte Ideen aus.

Ein Meer aus kleinen bunten Fähnchen auf einer grünen Wiese – ein Hingucker. Dahinter steckt eine kreative Idee der Cleanup-Initiative 10119_lebenswerter Weinbergspark: Sie markiert damit Zigaretten, Kronkorken und anderen Kleinstmüll im Park. Je nach Müllart haben die Fähnchen eine andere Farbe. So wird sichtbar, was sonst leicht übersehen wird. Das sorgt für einen Aha-Effekt bei den Passant:innen.
Diesen Effekt könnten auch Cleanup-Gruppen in Wedding und Gesundbrunnen in Zukunft nutzen. Das war eine der Ideen, die beim Austausch bei einem Empfang im Rathaus Tiergarten am 8. September entstanden.
Beim Empfang von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger bot Claudia Priemer von 10119_lebenswerter Weinbergspark die bunten Fähnchen den anderen Initiativen an. Das stieß auf Interesse – vor allem eine Initiative aus dem Soldiner Kiez fand die Offerte spannend. 20.000 selbstgebastelte Fähnchen sind es, die im Weinbergspark oder bei Cleanups in Parks oder auf Spielplätzen genutzt werden können. „Wir verleihen die Fähnchen gern für Eure Aktionen“, sagte Claudia Priemer.


Rund 40 Engagierte aus Mitte waren zu dem Treffen bei der Bezirksbürgermeisterin gekommen. Besonders viele kamen aus Wedding und Gesundbrunnen. Aus den beiden Ortsteilen waren unter anderem Panke Cleanup, die Kiezkehrer aus dem Soldiner Kiez, Wir am Leo, Mit Herz und Besen aus der Schönwalder Straße, die Cleanup-Gruppe aus dem Afrikanischen Viertel und die Putzengel aus dem Brunnenviertel dabei.
Gute Ideen werden weitergegeben
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand nicht nur der Dank des Bezirks für das Engagement, sondern vor allem der Austausch: Welche Ideen funktionieren in den Kiezen? Mit welchen Problemen kämpfen die Gruppen? Und was können sie voneinander lernen?
Beim World Café wurde an drei Tischen diskutiert. Es ging darum, wie die einzelnen Gruppen arbeiten und welche Erfahrungen sie weitergeben können. An einem anderen Tisch standen die Probleme in den Kiezen im Mittelpunkt, an einem dritten die Frage, wie das Bezirksamt die ehrenamtlichen Cleanup-Initiativen besser unterstützen kann. Die Gespräche waren lebhaft. Ideen und Erfahrungen wurden auf Moderationskarten gesammelt und anschließend an drei Pinnwänden festgehalten.

Wie wäre es mit einem Magnetbesen?
Neben der Idee, die bunten Fähnchen aus dem Weinbergspark auszuleihen, gab es noch andere Angebote und Anregungen. Sven Dittrich von Wir am Leo berichtete beispielsweise von den Magnetbesen seiner Initiative. Damit lassen sich unter anderem Kronkorken vom Boden aufsammeln. Auch hierbei hätten insbesondere Familien mit Kindern Spaß. Für andere Gruppen aus Wedding und Gesundbrunnen war das eine interessante Anregung.

Zigaretten, Kronkorken und „Wandermüll“
Bei den Problemen, die auf den Moderationskarten landeten, ging es um ganz unterschiedliche Aspekte des Mülls im öffentlichen Raum. Genannt wurden unter anderem:
- zu kleine Abfallbehälter
- zu viel Müll im öffentlichen Raum
- zu seltene BSR-Kieztage
- Zigarettenkippen und Kronkorken, die sich nur schwer aufsammeln lassen
- Baustellen, deren Umfeld nach Abschluss der Arbeiten nicht schnell genug sauber gemacht wird
- „Wandermüll“: Was an einer Stelle liegen bleibt, verteilt sich mit der Zeit im Kiez – und zieht weiteren Müll an
- die Schwierigkeit, genügend Menschen für kontinuierliche Cleanup-Aktionen zu gewinnen

Mehr Vernetzung – aber aus den Initiativen heraus
Bei dem Treffen wurde deutlich, dass der Wunsch nach mehr Austausch untereinander groß ist. Auf den Pinnwänden stand dementsprechend der Vorschlag für regelmäßige Treffen der Cleanup-Initiativen – einmal jährlich oder auch häufiger – sowie eine systematische Übersicht darüber, welche Gruppen es in Berlin überhaupt gibt.
Ein Thema waren gemeinsame Ressourcen. So wurde beispielsweise über dezentrale Orte gesprochen, an denen Initiativen ihr Material lagern können. Als Beispiel wurde Neukölln genannt, wo es das bereits gibt. Eine solche Lösung könnte auch für die vielen Cleanup-Gruppen in Wedding und Gesundbrunnen interessant sein. Auch Unterstützung durch den Bezirk wurde dabei gewünscht.
Auch die digitale Vernetzung spielte bei den Gesprächen eine Rolle. Mit cleanups.berlin gibt es bereits eine gemeinsame Plattform der Berliner Cleanup-Initiativen, die weiter ausgebaut werden soll. Denn die Vernetzung der Gruppen wollen die Initiativen, das wurde ebenfalls deutlich, aus ihrer eigenen Mitte heraus organisieren.
„Vielen Dank für alles, was Sie tun!“
Der Dankeschön-Abend fand im Rahmen der Bezirkskampagne „Mitte macht sauber“ statt. In diese Kampagne wird das zivilgesellschaftliche Engagement explizit einbezogen. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger nutzte den Empfang, um ihre Wertschätzung für den Beitrag der Ehrenamtlichen auszudrücken: „Mit diesem Empfang wollen wir Danke sagen und zeigen: Dieses Engagement wird gesehen und macht einen echten Unterschied für unsere Stadtgesellschaft. Vielen Dank für alles, was Sie tun!“
Vom Müll-Gipfel über gemeinsame Cleanups, von Videos aus dem Bezirksamt bis zu einem Wettbewerb für Schulen: gemeinsam hat man es laut Bezirksbürgermeisterin Remlinger geschafft, das Thema Müll in den Fokus zu rücken. Gleich nach dem Start der Kampagne haben zahlreiche Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung Anträge zum Thema Müll eingebracht. Und auch im Wahlkampf spiele das Thema inzwischen eine größere Rolle. „Wir haben die Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht und alle haben auch gemerkt, wie viele Initiativen es gibt“, sagte Remlinger.
Viele Ideen, ein gemeinsames Problem
Der Abend im Rathaus Tiergarten zeigte vor allem, wie vielfältig und umfassend die Cleanup-Arbeit in Mitte inzwischen ist. Gerade in Wedding und Gesundbrunnen gibt es zahlreiche Gruppen, die regelmäßig in ihren Kiezen aktiv sind. Sie sammeln nicht einfach nur Müll. Sie entwickeln eigene Methoden, organisieren Nachbarschaften, sprechen Passant:innen an und überlegen, wie sich das Problem langfristig verändern lässt.
Ob Magnetbesen, 20.000 bunte Fähnchen oder regelmäßige gemeinsame Treffen: Viele der Ideen entstanden nicht im Bezirksamt, sondern direkt in den Kiezen. Für die Cleanup-Gruppen bedeutete der Austausch deshalb auch einen ganzen Schwung neuer Ideen, die an einem Ort bereits funktionieren und schon beim nächsten Cleanup in einem anderen Kiez ausprobiert werden könnten. Vielleicht wird aus mancher Idee, die an diesem Abend auf einer Moderationskarte stand, schon bald eine neue Aktion im Wedding oder in Gesundbrunnen.

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