Seit über 30 Jahren liegt auf der Walter-Röber-Brücke an der Panke ein großer Findling. Der Gedenkstein hat dort 1991 auf Initiative des Weddinger Heimatvereins seinen Platz gefunden. Er erinnert an die Ereignisse Anfang Mai 1929 als Arbeiterproteste gewaltvoll niedergeschlagen wurden. In dem Gebiet rund um den Gedenkstein wurden dabei 19 Menschen getötet, 250 wurden verletzt. Die Ereignisse gingen unter dem Begriff Blutmai in die Geschichte ein. Viele Jahre nach dem historischen Ereignis wurde nun das Engagement einer Arbeitsgemeinschaft gefeiert, der AG Gedenkstein. Sie beschäftigt sich nunmehr seit zehn Jahren mit Weddings Geschichte.

Die Geburtstagsfeier der rührigen Arbeitsgemeinschaft im Tageszentrum Wiese 30 schräg gegenüber des Findlings zeigte, dass es noch immer den festen Willen gibt, das Andenken an die Geschichte der lokalen Arbeiterbewegung zu bewahren. Vor zehn Jahren hatte die Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen die Idee, genauer herauszufinden, was es mit dem Findling vor der Tür auf sich hat. „Der lag da und wir wussten nicht viel darüber“, sagt Katrin Schäfer, die die Arbeitsgemeinschaft leitet. Sie hat damals eingeladen zur Beschäftigung mit dem Thema. Am 2. Mai 2015 fand das erste Bürgerfrühstück „Lebendige Geschichte“ im Tageszentrum statt. Das Interesse war geweckt und in der Folge entwickelte sich eine Idee. „Die Inschrift auf dem Gedenstein ist nicht so gut lesbar. Deshalb haben wir uns eine Erläuterungstafel gewünscht“, sagt Katrin Schäfer.



An jedem ersten Dienstag im Monat trifft sich die AG, um über die Geschichte zu sprechen – und über die Erklärtafel. „Nicht alle waren anfangs dafür, denn Gedenksteine stehen eigentlich für sich und werden nicht kommentiert“, sagt Katrin Schäfer. Doch die AG-Leiterin gab nicht auf, suchte nach Partnern und fand das Mitte Museum, den Weddinger Heimatverein, das August-Bebel-Institut und das Quartiersmanagement Pankstraße (QM). Das QM hat schließlich mit einer Förderung ermöglicht, dass 2019 eine kleine Säule mit einem QR-Code neben dem Gedenkstein aufgestellt werden konnte. Dieser Code führt zu einer Webseite mit den Hintergründen des Blutmai.

Die AG ist nach ihrem Erfolg weiterhin aktiv geblieben. Sie hat zwei Broschüren zur Geschichte herausgegeben („Unterwegs im ‚Roten Wedding’“ und „Unterwegs im ‚Bunten Wedding’“), lädt immer zum Jahrestag des Blutmai zum Gedenken ein und bietet mehrmals im Jahr Führungen an. Diese sind sehr gefragt und manchmal so gut besucht, dass die Teilnehmenden in zwei Gruppen geteilt werden mussten. Wie Katrin Schäfer bei der Geburtstagsfeier ankündigte, soll es noch eine dritte Broschüre über den Wedding geben, und auch zwei Führungen sind in diesem Jahr geplant. Diese kommenden Termine werde auf der Webseite des Trägers der Tagesstätte veröffentlicht (www.kbsev.org).


Die AG Gedenkstein mag nur ein unter vielen Gruppen im Stadtteil sein, sie ist aber eine im Stadtteil besonders hoch angesehene. Das war bei der Geburtstagsfeier zu sehen. In die Räumlichkeiten des Tageszentrums Wiese passten gerade so alle Gratulantinnen und Gratulanten hinein, mehr als 20 sind es gewesen. Unter ihnen war Claudia Jentzsch, Leiterin des August-Bebel-Instituts, Nathan Friedenberg und Sigrid Schulze vom Mitte Museum sowie die Bezirksverordnete Vera Morgenstern. Die Politikerin würdigte die Gruppe bei der Feier: „Diese Gruppe ist ein positives, lebendiges Beispiel, dass sich Menschen engagierenund Arbeit übernehmen, weil sie sich interessieren. Es ist eine hochpolitische und ehrenamtliche Gruppe und ich kann nur meinen Hut davor ziehen“. Andere wären gern gekommen und ließen sich entschuldigen – etwa der Verleger Walter Frey und Bernd Schimmler, der Vorsitzende des Weddinger Heimatvereins. Man kann sagen; die AG Gedenkstein hat viele Freunde und Unterstützer.
Kurze Meldungen aus dem Stadtteil
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