Auf dem Leopoldplatz gibt es jetzt ein Platzteam. Zwei der fünf Teamer sind Platzhausmeister, die drei anderen sind Ansprechpartner für alle Menschen. Nennen wir sie Infomeister. Einer von ihnen ist Sven Dittrich. Sein Arbeitsplatz ist der knallorangefarbene Bauwagen auf dem Teil des Leos, der allgemein Maxplatz genannt wird. Warum sind Sie so hoffnungsvoll, Herr Dittrich?

Es ist morgens, novemberkalt, eine lausige Feuchtigkeit kriecht über den Maxplatz, der noch nicht richtig erwacht ist, noch nicht mal seine Glieder streckt, sich am liebsten eine warme Decke über Spielplatz und Hochbeet ziehen möchte. Doch Sven Dittrich ist guter Dinge, die Tür seines orangefarbenen Bauwagens steht anders als die seines Kollegen im blattgrünem Bauwagen auf dem Leopoldplatz weit offen, sogar das Fenster ist geöffnet. „Man soll mich ja sehen“, sagt er.
Offenkundig will er tatsächlich mit den Menschen reden und scheint es ernst zu meinen damit, Anlaufstelle für die Nachbarschaft zu sein. Das Gespräch mit dem Reporter wird zweimal unterbrochen, weil ein Passant auf ein kurzes Wort seinen Kopf zur Tür hereinsteckt. Das sind die Momente, die Sven Dittrich zu gefallen scheinen: Reden. Bloß nicht eingesperrt sein, auch wenn der Bauwagen von innen gemütlich mit Holz ausgekleidet ist und alles neu und frisch ist. Lieber zieht er sich die signalgelbe Jacke über, mit der er von weitem zu sehen ist. „Das ist gewollt. Für die Menschen, aber auch für uns Kollegen. Man wird damit halt einfach gesehen.“
Sven Dittrich: Engagiert für den Leo
Wenn die Anwohnerinnen und Anwohner zu ihm kommen, dann meist mit Sorgen, die er längst kennt. Seit einigen Jahren engagiert er sich in der Initiative „Wir vom Leo“. Er sagt: „Auch dort haben wir ganzheitlich auf den Platz geblickt, haben versucht, die Probleme objektiv zu sehen“. Wenn jemand den Leo und seine Probleme kennt, dann Platzlobbyist Sven Dittrich, der sogar direkt am Platz wohnt und bis vor kurzem hier einen Trödelladen betrieb.

„Also ich muss sagen, ich schwärme von dem Projekt“. Mit dem Wort Projekt meint er das neue Platzteam. Projektträger ist die Wendepunkt gGmbH, die auch das Café Leo als eine Stelle für guten Kaffee und niedrigschwellige Beratungshilfe betreibt. Das Platzteam gibt es erst seit wenigen Tagen. Am 8. November war feierlicher Start mit Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger. Sie sagt, sie freue sich, dass das Platzteam aufgrund des Berliner Sicherheitsgipfels vom 8. September 2023 finanziert werden konnte. Mit ihnen gebe es einen direkten Draht zu den Anwohnerinnen und Akteuren. „Das war immer eine Forderung der Initiative: Sprecht mit uns, informiert uns“, sagt Sven Dittrich. Nun ist er selbst derjenige geworden, der mit den Leuten spricht und sie informiert. Und nicht nur er allein. Es wird auch Sprechstunden geben: mit Sozialarbeitern, mit Stadtteilkoordinatorinnen, mit dem Bezirksamt und der Polizei.
Der direkte Draht zum Lösen von Problemen
Sven Dittrich hat sofort ein konkretes Beispiel dafür, wie für ihn die Sache mit dem direkten Draht funktioniert. So hat er einen Hinweis auf eine über den Platz wandernde Mülltonne erhalten. Es wirkt, als habe die Tonne keinen Eigentümer. Deshalb hat er telefoniert, E-Mails geschrieben und erduldet derzeit Weiterleitungen und Zuständigkeitsverweise. An dem Zeitpunkt, an dem der Bürger angesichts des Zuständigkeitswirrwarrs vermutlich aufgibt, macht er geduldig weiter. Bis er irgendwann dieses Problemchen gelöst hat.
Denn natürlich ist die nomadisierende Mülltonne ein Problemchen angesichts der Probleme auf dem Platz. „Aber es verändert sich sehr viel“, sagt Sven Dittrich. Das Platzteam in den Bauwagen, die Infopoints heißen, ist nur ein Teil eines Maßnahmenmixes. Das ist ihm wichtig zu sagen. Er allein wird den Leopoldplatz nicht retten. Das weiß er. Aber da gebe es ja noch die vor kurzem angebrachte zusätzliche Beleuchtung, die kulturelle Belebung des Platzes mit Kino und Konzerten, das kommende Marketingkonzept oder die neu aufgestellte Sozialarbeit. Und er zählt auch auf, dass im zuständigen Revier drei zusätzliche Beamte eingestellt wurden, die ausschließlich die Polizeiarbeit für den Leo steuern. Außerdem gibt es nun eine eigens eingerichtete Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Und den Platzdienst, der über den Leo Streife läuft, gibt es weiterhin.
Täglich von 9 bis 16 Uhr sind die beiden Infopoints besetzt. Sieben Tage mal sieben Stunden. Gut zu wissen: Im grünen Bauwagen gibt es den Schlüssel für die Toilette. So soll der Drogenkonsum in dieser verhindert werden. Hört man Sven Dittrich zu, dann versteht man, dass er hoffnungsvoll ist, dass die vielen kleinen Schritte den Leo wieder auf den Weg bringen können. „Lieber viele kleine Schritte, als auf der Stelle bleiben“.
Sprechstunde mit der Stadtteilkoordinatorin
Am Sonntag, dem 17. November, ist Stadtteilkoordinatorin Eileen Scheier von 14 bis 16 Uhr vor Ort und informiert über Fördermöglichkeiten und über bürgerschaftliches Engagement. Sogar die Bezirksbürgermeisterin will demnächst in dem Bauwagen mit Anwohnern ins Gespräch kommen.


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