Ein rätselhafter Schatz im OPZ

Sulamith Sallmann ist im Olof-Palme-Zentrum auf eine Kiste mit persönlichen Erinnerungsstücken von Adolf Brümmer gestoßen. Wer kennt ihn oder die Geschichte des geheimnisvollen Kartons?

Inhalt in der Fundkiste - einst Eigentum von Adolf Brümmer. Foto: Sulamith Sallmann
Inhalt in der Fundkiste – einst Eigentum von Adolf Brümmer. Foto: Sulamith Sallmann

Da steht er plötzlich: ein alter Karton, oben offen, ohne Beschriftung. Er wartet unter dem Tisch im Café des Olof-Palme-Zentrums (OPZ), genau dort, wo Bücher zum Verschenken abgegeben werden können. Meine Neugier ist sofort geweckt. Er scheint nicht vergessen worden zu sein, enthält aber auch keinen expliziten Hinweis darauf, für wen sein Inhalt bestimmt ist. Er steht einfach da und scheint nur auf mich gewartet zu haben. Ich schaue hinein und finde tatsächlich einen Schatz!

Im Karton befinden sich alte Dias und Negativstreifen. Jede Menge. Auf manchen Filmrollen lese ich etwas von Mexiko, auf einer weiteren etwas von A. Brümmer. Ich durchforste meinen Fund genauer: Da tauchen weitere Namen auf, hier mal ein Datum, dort ein Ort. Bilder vom Friedrichshain aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Kinder, die auf Kuba zur Botschaftsschule gehen. Sogar Negative von Fidel Castro, wie er der Masse zuwinkt, gleiten mir durch die Finger.

Ich suche im Internet nach Informationen zu dem mir unbekannten Namen. Dort stoße ich auf zwei Bücher, in denen ich in kurzen Passagen Genaueres über den Urheber der Fotos finde: Exil in Lateinamerika. Antifaschistischer Widerstand. Kommunistische Gedanken. Später stoße ich im OPZ in einem Bücherregal auf Unmengen von Programmheftchen für Opernaufführungen, Musicals, Revuen mit dazugehörigen Eintrittskarten. Ich vermute, dass sie von Adolf Brümmers Frau stammen. Das älteste Heft ist von 1958, das neueste von 2003.

Auf der Suche nach Adolf Brümmer

Was ich bislang herausgefunden habe: Adolf Brümmer wurde 1914 in Berlin geboren und verstarb wohl dort 1972. Seine Frau hieß Marianne. Seine 1956 geborene Tochter heißt Michaela und der etwa zwei Jahre später geborene Sohn Peter. Der jüngste Sohn könnte eventuell Boris heißen. In Kuba lebte die Familie von 1960 bis 1962; Adolf Brümmer war dort für die Botschaft der DDR tätig. In Berlin wohnten die Brümmers viele Jahre in der Marienburger Straße im Prenzlauer Berg. Der gelernte Kunstschmied Brümmer war als junger Mann über mehrere Stationen nach Mexiko emigriert, von wo er 1947, nach neun Jahren, in die sowjetische Besatzungszone zog.

Wie kommen die persönlichen Erinnerungsstücke 48 Jahre nach dem Tod Adolf Brümmers ins OPZ? Wer hat die Sachen dort hingebracht? Hat seine Frau vielleicht zuletzt im Seniorenhaus in der Demminer Straße gewohnt und ein Angehöriger wollte die Sammlung nach ihrem Tod weitergeben? Ich bin sehr froh, dass die Sachen nicht im Müll gelandet sind, doch jetzt möchte ich noch viel mehr zu den Fotos und dem Leben von Adolf Brümmer und seiner Familie erfahren. Wer kann mir dabei helfen, das Rätsel um die Kiste zu lösen? Hinweise nehme ich unter sulamithsallmann@web.de gern entgegen.

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Update: Wie die Geschichte weiterging, steht im Beitrag So ging’s weiter mit dem rätselhaften Schatz.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Es grünt im Kiez!“ enthalten, das im ersten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Es grünt im Kiez! gesammelt und verlinkt.

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