Elke Schillings Buch soll aufrütteln

Einsamkeit an sich ist bereits ein Tabuthema. Einsamkeit von alten Menschen vermutlich erst recht. Die 80-jährige Elke Schilling hat jetzt ein kämpferisches Buch gegen Altersdiskriminierung geschrieben. Darin geht die Altersaktivistin gegen Diskriminierung und Vorurteile vor und stützt sich dabei auf die Erfahrungen, die sie mit der von ihr gegründeten Telefonhilfe Silbernetz gesammelt hat.

Elke Schilling
Elke Schilling präsentiert ihr Buch gegen Altersdiskriminierung. Foto: Andrei Schnell

Mit dem Alter ist das so eine Sache. Einerseits besteht eine gewisse Scheu vor ihr: Wer will schon alt sein? Senior, okay. Aber alt? Andererseits steht Alter für Wissen und Erfahrung. So wie das Alter des Ballhauses Wedding in der Prinzenallee positiv für eine lange Tradition steht.

Buchvorstellung im Ballhaus Wedding

Elke Schilling hat das Ballhaus Wedding gewählt, um ihr jüngst erschienenes Buch „Die meisten wollen einfach mal reden″ vorzustellen. Ihr Anliegen ist klar: Alter ist nichts, wofür man sich schämen muss; kein Grund, sich zu verstecken. Doch genau das erlebt die Gründerin des Telefondienstes Silbernetz immer wieder: Alte Menschen sind oft einsam, leben zurückgezogen, fühlen sich nicht angenommen.

„Das ist ein politisches Buch″, stellt Elke Schilling sofort klar, kaum dass sie die Bühne betreten hat und das Mikro auf ihre Sitzposition eingerichtet ist. „Das ist kein To-do für einsame Menschen″, denn allzu oft werden die Probleme der Alten als Privatprobleme wahrgenommen. Gegen diese Sicht der Dinge will Elke Schilling mit ihrem Buch anschreiben.

Mit 80 Jahren ein Vorbild

Wie um diese gesellschaftliche Dimension des Alterns zu unterstreichen, hat Elke Schilling zur Lesung Heidemarie Wüst mit auf die Bühne gebracht. Diese war zuletzt Frauenbeauftragte an der BHT. Eine Aufgabe, die ebenfalls eine kämpferische Note hat. Zunächst sprechen beide auf der Bühne zwischen den einzelnen Kapiteln über das soeben Gehörte; doch die über 100 Gäste im Saal bitten schließlich, dass ausschließlich Elke Schilling liest.

Offensichtlich sind sie vor allem wegen ihr gekommen, Elke Schilling ist der Star. Mit ihren 80 Jahren. Eine Art Altersaktivistin. Nur dass, sie keine radikalen Aktionen startet. Aber sich einmischen, das will sie schon: „Das Buch ist ein Beitrag zur Debatte, ein Debattenbuch″, sagt sie. Ihre Vorbilder sind die US-Amerikanerin Ashton Applewhite und der Franzose Stéphane Hessel. Letzterer hat das Buch „Empört euch″ geschrieben. Und darauf will auch Elke Schilling hinaus: Die Alten sollen sich empören, auf sich aufmerksam machen, sich nicht an den Rand drängen lassen. Die Gäste, die zur Lesung gekommen sind, die hat sie überzeugt. Bei der anschließenden Signierstunde gibt es viele Glückwünsche und Ermunterungen.

Silbernetz hilft gegen Einsamkeit im Alter

Elke Schilling hat das Silbernetz 2016 gegründet. Nach dem englischen Vorbild The Silver Line können Menschen ab 60 Jahren aus ganz Deutschland täglich von 8 bis 22 Uhr kostenlos die 0800 4 70 80 90 anrufen. Und reden. Einfach reden. Mit oder ohne einem konkreten Anliegen. Dann geht es natürlich nicht um die Einsamkeitsstrategie der Bundesregierung, um die UN-Dekade für gesunden Altern oder das Gesunde Städte-Netzwerk. Das sind alles Ansätze der Politik, gesellschaftlich etwas zu tun. Nein, wer bei Silbernetz anruft, darf von sich erzählen, über seine Sorgen, darf jemanden exklusiv für sich am Hörer haben, der weiß wie zwiespältig das Alter im Einzelfall ist.

Elke Schilling signiert
Elke Schilling signiert ihr neues Buch. Foto: Andrei Schnell
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