Die Coronakrise trifft auch das Eschenbräu in der Triftstraße hart. Doch ausgerechnet eine Besonderheit der Weddinger Hausbrauerei hilft Martin Eschenbrenner durch die Zeit der Schließungen: das Bier zum Mitnehmen.

Manchmal sind es die Eigenheiten, die ein Unternehmen über die Krise hinwegtragen. Die Brauerei Eschenbräu in der Triftstraße verkaufte schon immer seine Hausmarken auch als Hausbier. Dieses Bier zum Mitnehmen für zu Hause kennen die Fans der von Martin Eschenbrenner gebrauten Sorten schon seit Jahren.
„Drei- bis zehntausend Bierkrüge zirkulieren in Berlin“, weiß der 48-jährige Brauer. Die Krüge sind große braune Flaschen, die kleinste fast einen Liter. „Bei unseren Preisen, die Wedding-like sind, ist das Kruggeschäft nicht ertragreich – aber jetzt hat es uns gerettet.“ 75 Prozent betrage der Umsatzeinbruch durch die Corona-Schließungen, so Martin Eschenbrenner.

Wieder Bier im Hof
Am 15. Mai startete endlich die Biergarten-Saison wieder. Die Menschen standen Schlange vor dem Hof des Studentenhochhauses. In dem Hof schenkt Eschenbrenner aus. Allerdings war nur jede zweite Bank herausgestellt, um Abstandsregeln wahren zu können.
Im Biergarten können die treuen Kunden auch wieder einer zweiten Besonderheit nachgehen: Es darf eigenes Essen verzehrt werden. „Wir haben uns gegen eine Küche entschieden. Und wenn wir nichts anbieten, dann dürfen die Gäste eben ihr Abendbrot mitbringen“. Für Martin Eschenbrenner ist das logisch.
Dritte Besonderheit beim Eschenbräu sind die regelmäßigen Anstiche. Alle zwei bis drei Wochen kommt eine neue Sorte auf den Biertisch. Saisonbier heißen die für eine gewisse Zeit verfügbaren Gerstensäfte. „Doch vier Standardbiere haben wir das ganze Jahr im Angebot.“

Vom Studenten zum Brauer im Wedding
Martin Eschenbrenner ist seit 24 Jahren mit dem Wedding verbunden. Als er das Fach Brauingenieur studierte, wohnte er im Studentenwohnheim neben seiner heutigen Brauerei. Zuvor lernte er Bierbrauer in Karlsruhe. Er ist also gelernter und studierter Bierkenner.
Im September 2001 eröffnete er das Eschenbräu. 2009 kamen Brände hinzu. Äpfel und Kirschen aus der Region verarbeitet er dafür. Seit 2011 produziert er auch Whisky. Aber vor allem ist er Bierbrauer mit Sorten wie Pankegold, roter Wedding, Weddinator oder O.P.A.
Eine Durststrecke
Ist die Coronakrise für den Läufer Martin Eschenbrenner mit einem Marathon („unter dreieinhalb Stunden“) vergleichbar? „Das ist schon eine Durststrecke“, wählt er als Vergleich.
Trotz der Umsatz- und Gewinneinbußen half er anderen. Er brannte für Apotheken 600 Liter Ethanol als Desinfektionsmittel. Seine Mitarbeiter ließ er Masken nach einer Anleitung aus einer Berliner Tageszeitung herstellen. Die Masken hat er an „hilfsbedürftige Organisationen verschenkt“.

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