50 Seiten umfasst die druckfrische Broschüre, die das Sozial- und Kulturzentrum Fabrik Osloer Straße am 12. Juli vorgestellt hat. Acht von einst elf Gründern erinnern sich darin an die ersten Jahre des Sozialprojekts. So stand am Anfang keine Hausbesetzung, auch wenn sich für die Beteiligten die Inbesitznahme des Geländes durchaus so anfühlte.

Eine aufgegebene Fabrik mit tausenden Quadratmetern und mehreren Höfen und eine imposante Montagehalle nutzen zu können – für die jungen Menschen bedeutete dies Freiheit. Die auch rechtlich abgesichert war, denn Harald Heil und Götz Schell hatten am 15. Oktober 1978 einen Mietvertrag unterschrieben.
Aus den Erinnerungen, die in der Broschüre festgehaltenen sind, spricht die Euphorie, die die elf Gründer in den Anfangszeit beflügelt hat. „Jung, rigoros und gewillt, die Welt zu verbessern“ ist daher ein treffender Titel für das Heft. In ihm kommen die elf Gründer zu Wort, denen zurückblickend bewusst ist, dass ihre Ziele so hoch gesteckt waren, dass zwangsläufig einige scheitern mussten.


Angefangen hat alles mit dem Ausbau einer 350 Quadratmeter großen Wohngemeinschaft im dritten Stock in der Prinzenallee 24. Mit enormer Eigenleistung baute die Gruppe dort ein Großraumbüro um. Dann sanierten sie eine zweite Etage für eine betreute Jugendwohngemeinschaft. Diese neue Wohnform wollte Harald Heil unbedingt und er steckte die anderen mit seiner Entschlossenheit an. „Ohne ihn hätte es diese Fabrik so nicht gegeben“, erinnert sich Götz Schell. Überraschend für manche Leser der Erinnerungen ist vielleicht, dass es Unterstützung vom Senat gab. Einige Senatoren waren progressiv eingestellt und unterstützten das Projekt tatkräftig. Der Bezirk Wedding konnte mit dem neuartigen Projekt eher wenig anfangen.
Bei der Vorstellung der Broschüre haben die acht Gründer, die in der Broschüre zu Wort kommen, weitere Einzelheiten erzählt. Gut 30 Gäste lauschten den Rückblicken. Wie etwa der vom Elefanten, den ein Zirkus während seines Winterquartiers an einem Aufzug angekettet hatte. Das Tier erwies sich als kräftiger als die in die Jahre gekommene Technik.


Die Broschüre mit einer Auflage von 250 Exemplaren ist in der Fabrik Osloer Straße bei Karola Karras in der Fabrik Osloer Straße erhältlich. Das Heft wird nicht verkauft, aber Spenden werden nicht abgelehnt. Die Produktionskosten liegen bei acht Euro pro Heft, sagt Karola Karras.
Text: Andrei Schnell, Fotos: Andrei Schnell, Dominique Hensel
Transparenzhinweis: Brunnen-Redaktionsleiterin Dominique Hensel, die Fotos für diesen Beitrag beigesteuert hat, ist Vorständin in der Fabrik Osloer Straße.

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