Das Stattlab ist im vergangenen Jahr ins Brunnenviertel gezogen. Wer sind die Menschen im Stattlab und was treibt sie an? Im Kiezmagazin stellen sich einige selbst vor. In dieser Ausgabe ist Fotografiekünstler Francisco Macfarlane dran. Er ist seit vier Jahren beim Stattlab.
Ich stamme aus Buenos Aires, Argentinien, und lebe seit sieben Jahren in Berlin. Meine fotografische Laufbahn begann als Pressefotograf in meinem Heimatland. Durch meine Mitarbeit bei Stattlab und die intensive Auseinandersetzung mit analogen Verfahren erfuhr meine fotografische Praxis jedoch eine grundlegende Wendung hin zu einer künstlerischen und experimentellen Auseinandersetzung mit dem Bild.
Beim Stattlab habe ich einen gemeinsamen Arbeitsraum mit verschiedenen Künstlern gefunden, von denen jeder seine eigenen Visionen hat, die meine Arbeit bereichern. Es ist ein Ort, an dem wir uns gegenseitig inspirieren und synergetisch arbeiten. Gleichzeitig ist es ein sozialer Raum, in dem ich Kollegen mit gemeinsamen Interessen gefunden habe, die zwar die gleiche Technik verwenden, aber unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Unser Verein hat eine horizontale Hierarchie, in der Respekt und Inklusion im Vordergrund stehen. Teil unserer Mission ist es, uns als soziales Netzwerk mit Bezug zur Kunst in die Nachbarschaft zu integrieren. Darüber hinaus verfügen wir über einen kleinen Präsentationsraum – das Magic Window direkt neben dem Eingang zu unseren Räumlichkeiten –, in der die Arbeiten der Künstler des Kollektivs ausgestellt werden und die es ihnen ermöglicht, einen Monat lang ein Projekt zu präsentieren. Im September werde ich in unserer Galerie ein Werk präsentieren, das Verfall und Konsum thematisiert.
Da wir uns sowohl in der Fotografie als auch im Siebdruck auf analoge Techniken stützen, setzen wir ein Zeichen gegen die aktuellen Produktionsmethoden, die das Vergängliche und das Augenblickliche in den Vordergrund stellen. Durch die von uns organisierten Workshops versuchen wir, das Analoge und Materielle am Leben zu erhalten, indem wir mehr Menschen einladen, sich unserer Gemeinschaft anzuschließen und durch Kunst eine Form des Widerstands gegen die heutigen digitalen Produktionsmittel aufzubauen.
In meinem Werk kritisiere ich die digitale Abhängigkeit, den Massenkonsum und die Beziehung der Menschen zur Technologie. Ich verwende alternative analoge Fototechniken und erzeuge so ein hybrides Ergebnis zwischen kameraloser und traditioneller Fotografie. Ich arbeite mit organischem Material, das ich sowohl in den Vergrößerer als auch direkt auf das lichtempfindliche Papier lege, um Bildräume zu erzeugen, die über die rein fotografische Abbildung hinausgehen. Somit verzichte ich häufig auf die herkömmliche Verwendung der Kamera zur Erzeugung von Bildern.


Text: Francisco Macfarlane
Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

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