Frau Poldas Buchtipps für den Herbst

Heute ist Herbstanfang und was gibt es im Herbst Schöneres, als es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen? Hier kommen Frau Poldas Buchtipps für bunte/dunkle Jahreszeit (je nachdem), direkt aus dem Buchbistro in der Maxstraße.

Vier Buchtipps (plus eine englische Variante) für den Herbst vom Buchbistro "Frau Polda". Foto: Svenja Monert
Vier Buchtipps (plus eine englische Variante) für den Herbst vom Buchbistro „Frau Polda“. Foto: Svenja Monert

Kurzes Hallo aus dem Buchbistro

Hallo, ich bin Svenja und Mitbegründerin des Buchbistros Frau Polda am Leopoldplatz. Ich freue mich sehr, dass ich euch hier vier Mal im Jahr einige Bücher zeigen kann, die mich und/oder unser Team in den letzten Monaten besonders begeistert haben.

Die Buchtipps und natürlich auch andere Titel für Kinder, Jugendliche und Erwachsene findet ihr bei uns in der Maxstraße 10c. Wir haben außerdem eine kleine Kinderecke, Leseexemplare, leckeren kalabresischen Kaffee, super Focaccia und eine kleine Auswahl an alkoholischen (Spritz mit Aperol, Campari oder Limoncello, Moretti) und nichtalkoholischen Getränken (Limo, alkoholfreier Spritz oder Gin Tonic, Peroni).

Los geht’s!

Buchtipp 1: „James“ von Percival Everett

Ein Buch, das mich in diesem Jahr am meisten begeistert hat, ist „James“ von Percival Everett. Gewinner des Pulitzerpreises 2025 und gerade auch auf Deutsch im Taschenbuch erschienen.

"James" von Percival Everett". Foto: Svenja Monert
„James“ von Percival Everett“ – das Buch ist auf Deutsch und auf Englisch erhältlich. Foto: Svenja Monert

Everett startet mit einer Szene aus „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“, und wir sind dabei, wie Tom und Huckleberry dem versklavten James einen Streich spielen wollen. Bei Mark Twain scheint James eher einfältig zu sein, seine Sprache ist simpel. Bei Everett lernen wir James und die Lebensumstände der versklavten Schwarzen besser kennen. Simpel ist hier niemand, und die Lebensumstände sind hart.

Obwohl James eine Familie hat, soll er einzeln verkauft werden, weit weg von seinem eigentlichen Zuhause. Um Zeit zu gewinnen, flieht er über den Mississippi. Ganz in der Tradition des Abenteuerromans liegen auf seiner Flucht viele Menschen und Stationen, die tiefe Einblicke in das Leben versklavter und verfolgter Menschen gewähren, ohne dabei voyeuristisch zu werden. Mein Fazit: Große Empfehlung!

Percival Everett: James, Carl Hanser Verlag, 14 Euro (Taschenbuch), auch auf Englisch erhältlich

Buchtipp 2: Kurzweiliger Zukunftsroman

„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“: Das ist ein langer Titel für einen kurzweiligen Zukunftsroman, der aktuell auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis zu finden ist.

Ein Coming-of-Age-Roman von Fiona Sironic, der in einem Hier in der Zukunft spielt. Was den Roman für mich besonders eindrücklich macht, ist die Spielart dieser Zukunft. Weder ist die Zukunft wie heute, noch ist sie voller Sci-Fi-Technik, noch ist sie absolut dystopisch. Fast schlimmer: Sie ist irgendwie sehr, sehr realistisch.

"Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" von Fiona Sironic. Foto: Svenja Monert
„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ von Fiona Sironic. Foto: Svenja Monert

Era lebt mit ihrer Mutter zusammen, die aus der Stadt rausziehen wollte. Die Hitze und der Smog werden da einfach zu großen Problemen. Auf dem Schulhof ist Era eine von wenigen Schüler:innen, die in der Pause noch rausgehen. Auch wegen der Temperaturen auf den asphaltierten Flächen. Wasser wird rationiert, frische Lebensmittel sind eher selten. Und auch die digitale Welt hat sich gewandelt. Era lernt Maja kennen, und während gerade die Turteltaube ausstirbt, kommen die beiden sich näher. Maja ist Tochter von Influencer-Eltern der alten Schule. Maja bricht schon seit Jahren aus diesem Gefängnis aus Augen aus und kämpft um ihre Anonymität. Das Netz vergisst nicht. Darum wird jetzt in die Luft gesprengt.

Mein Fazit: Ein gelungener Blick in die Jugend der Zukunft, beklemmend und leicht zugleich. Ein tolles Buch.

Fiona Sironic: Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft, Ecco Verlag, 23 Euro (Hardcover)

Buchtipp 3: „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler

Aus der Geschichte lernen, das sagt sich immer so leicht. Dafür muss man ja erstmal die Geschichte kennen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mein Geschichtsunterricht war nicht sehr breit aufgestellt. Feministische oder intersektionale Themen spielten da so gut wie keine Rolle. Umso wichtiger ist dieses Buch.

"Beklaute Frauen" von Leonie Schöler. Foto: Svenja Monert
„Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler. Foto: Svenja Monert

Dass man nicht so viele Frauennamen der Weltgeschichte kennt, hat ja nichts damit zu tun, dass sie nichts geleistet hätten, obwohl man es ihnen schon recht schwer gemacht hat, zum Beispiel durch höhere Hürden beim Zugang zu Bildung oder auch die Erwartung, doch im Hauptberuf Mutter und Ehefrau sein zu müssen. Aber es gab noch mehr strukturelle Mechanismen, die Frauen und ihre Entdeckungen an den Rand gedrängt haben. Leonie Schöler zeigt anhand verschiedener Frauenbiografien, welche Mächte da am Werk gewesen sind.

Mein Fazit: Mir hat das Buch supergut gefallen. Es regt zum Nachdenken an, macht vermeintlich tote Geschichte lebendig und ist toll geschrieben. Kein schwerer Historien-Ziegelstein, sondern ein rebellischer Tanz durch die Leben wichtiger und kluger Frauen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Leonie Schöler: Beklaute Frauen, Penguin Verlag, 22 Euro (Hardcover)

Buchtipp 4: „Selma, du machst das falsch“ von Tini Malina

Selma hat eine große Familie, und all ihre Spinnenonkel, -tanten, -cousins und -cousinen sind natürlich Spinnennetzspinnprofis. Immer schön gleichmäßig, dann klappt es auch mit dem Fangen der Beutetiere.

Nur dass Selmas Netze irgendwie ganz anders aussehen und die anderen Spinnen erstmal gar nicht so viel damit anfangen können. „Selma, du machst das falsch“, sagen sie.

"Selma, du machst was falsch" von Tini Malina. Foto: Svenja Monert
„Selma, du machst was falsch“ von Tini Malina. Foto: Svenja Monert

Selma will aber eben nicht nur Beutetiere fangen. Sie will mit ihren Netzen hoch hinaus, die Schönheit des Universums einfangen. Und so macht sie sich auf den Weg, die ungewöhnlichsten Netze der Welt zu spinnen.

Selma ermutigt Kinder, sie selbst zu sein und nach den Sternen zu greifen. Und dass die Autorin dafür ein Tier gewählt hat, in dem wir Menschen sonst selten etwas Wunderbares sehen, macht die Geschichte noch berührender.

Mein Fazit: Mich haben die Autorin und Selma auf jeden Fall um den Finger gewickelt.

Tini Malina: Selma, du machst was falsch, Penguin Verlag, ab 4 Jahren, 18 Euro (Hardcover)

Über das Buchbistro Frau Polda

Das Buch Bistro Frau Polda gibt es seit dem Frühling. Es befindet sich in der Maxstraße 10c. Ihr könnt dort einfach reinspazieren und stöbern (Mo-Mi 9.30-19 Uhr, Fr 9.30-20 Uhr und Sa 10-20 Uhr). Oder ihr bestellt im Online-Shop oder auch per E-Mail an kontakt@fraupolda.de (da bleibt bei Frau Polda etwas mehr des Einkaufspreises hängen als bei der Shop-Bestellung). Online hat Frau Polda auch ein Zuhause, nämlich hier: fraupolda.de.

Mehr über das Buchbistro steht auch im Artikel Frau Polda: Bücher und Focaccia für den Leo.

Text: Svenja Monert/Frau Polda

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