Gestern und heute: Voltastraße

Der Blick von der vorn querenden Hussitenstraße in die Voltastraße um 1905 und heute. Auf dem historischen Bild befindet sich noch die erste gründerzeitliche Bebauung, bereits unterbrochen in der Voltastraße vom Kraftwerksgebäude mit hohem Schornstein. Das Werk diente zur Erzeugung des betriebseigenen elektrischen Stroms der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG).

Der Maschinenbauingenieur Emil Rathenau (1838-1915) trennte sich von der Edison-Gesellschaft und gründete 1888 die AEG. Im Jahre 1894 erwarb das Unternehmen das Gelände in der Ackerstraße 76 für die Glühlampen- und Elektromotorenproduktion (die spätere Apparatefabrik) und vergrößerte sich ab 1895 zunächst auf dem inneren Terrain des ehemaligen Vieh- und Schlachthofes der Berliner Lagerhof AG zur Brunnenstraße. Hier gab es bereits einen Gleisanschluss entlang des Humboldthains zur Ringbahn am Bahnhof Gesundbrunnen.

Die erst ab 1893 an den Blockrändern zur Hussiten- und Voltastraße errichteten Mietshäuser mussten bereits ab 1906 der Expansion des florierenden Elektrounternehmens weichen. So entstand unter Leitung von Peter Behrens an der Hussitenstraße die von 1911 bis 1912 erbaute, mit dunkelroter Backsteinverklinkerung versehene Montagehalle für Großmaschinen. Mit Erweiterung zur Voltastraße erfuhr sie durch Ernst Ziesel 1928 eine Vergrößerung auf 180 Meter. Hier befinden sich heute noch die originalen AEG-Lettern am Giebel. Erstmals entstand im Berliner Industriebau eine Hallenkonstruktion als Stahlfachwerk und mit durchgehendem Glasdach.

Quer unter der Straßenkreuzung befindet sich Deutschlands quasi erster U-Bahntunnel. Diese knapp 300 Meter lange Verbindung zwischen den beiden AEG-Werksgeländen entstand nach Entwürfen von C. Schwebel und Wilhelm Lauter, auf der ab 31. Mai 1897 elektrisch betriebene Züge Material, Produkte und Arbeiter hin und her beförderten und die bis 1984 in Betrieb war. Im Tunnel wurden mehrere Szenen des Filmklassikers „Babylon Berlin“ gedreht.

Das rechts zu sehende einstige Mietshaus Hussitenstraße 24 zur Voltastraße 12 mit seinem Scheingiebel wurden 1896 für den Maurermeister Hermann Hundt errichtet. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, erfolgte die Neubebauung der Ecke erst um 1988.

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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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Kommentar

  1. Avatar von Aro
    Aro

    Schön, dass der 1980er-Jahre-Bau die Balkons an der stumpfen Ecke aufgenommen hat. Das ist ja sonst unüblich. Absicht oder Zufall?

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