Gestern und heute: Die Liesenbrücken

Blick von der Scheringstraße auf die Liesenbrücken um 1900 und heute. Ein historischer Bildervergleich von Ralf Schmiedecke.

Die Liesenbrücken um 1900. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Die Liesenbrücken um 1900. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke

Die Trasse der Stettiner Bahn existiert bereits seit 1843 und verlief zuerst ebenerdig, umrahmt von Äckern. An dieser Stelle befand sich ein niveaugleicher Bahnübergang. Mit zunehmender und verdichteter Bebauung, verbunden mit steigendem Verkehr, wurden die Gleise auf einen Damm gehoben und das Straßenland darunter auch abgesenkt.

Nach Planungen der Ingenieure B. Hildebrandt und K. Barthmann wurden von 1890 bis 1896 mehrere Fachwerkbrückenkonstruktionen mit halbparabolischen Obergurten mit bis zu 94 Meter Spannweite für fünf Gleise für den Fernverkehr und die Vorortbahnen (1924 elektrifizierte S-Bahn) zum Stettiner Bahnhof errichtet. Bei der Bildung von Groß-Berlin 1920 befanden sich die meisten der Brücken im Wedding, nur die südlichen Aufleger im Bezirk Mitte. Nach 1945 gehörten diese zum sowjetischen Sektor. Nach der Stilllegung der Strecke 1952 blieben die Brücken erhalten und stehen heute unter Denkmalschutz. Nur die westlich gelegenen S-Bahn-Brücken wurden 1956/57 erneuert. Dabei entstand unter den Brücken auch der Kreisverkehr.

Liesenbrücken wurden auch Schwindsuchtsbrücken genannt

Im Stummfilm „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ von 1929 sind die Liesenbrücken mit einem fahrenden
S-Bahn-Zug ist der 37. Minute zu sehen. Namensgeber der Straße und der im Volksmund genannten „Schwindsuchtsbrücken“ war der Landbesitzer und Gastwirt Carl Adolf Friedrich Liesen (1785–1854).

Links im alten Bild befindet sich das 1877/78 errichtete und um 1944 zerstörte Wohnhaus zwischen Garten- und Ackerstraße. Rechts zu sehen ist ein Verwaltungsgebäude der einstigen Eisengießerei und Maschinenfabrik von Louis Schwartzkopff (später Berliner Maschinenbau AG). Unter den Brücken an der Liesenstraße rückt der Blick auf den 1843 eröffneten Dorotheenstädtische Friedhof II, wo unter anderem die Zirkusdirektoren Paul Busch, Ernst Jacob Renz und Adalbert Schumann begraben wurden.

Text, Foto: Ralf Schmiedecke, Foto (historisch): Sammlung Ralf Schmiedecke

Die Liesenbrücken im Februar 2020. Foto: Ralf Schmiedecke
Die Liesenbrücken im Februar 2020. Foto: Ralf Schmiedecke

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Es grünt im Kiez!“ enthalten, das im ersten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Es grünt im Kiez! gesammelt und verlinkt. Weitere historische Aufnahmen aus dem Brunnenviertel im Vergleich mit aktuellen Vergleichsfotos von Ralf Schmiedecke gibt es hier: Gestern & heute

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