Wie hat sich die Gleimstraße in mehr als 120 Jahren verändert? Eine historische Aufnahme von 1905 zeigt die Straße zwischen Graunstraße und Swinemünder Straße mit der abknickenden Rügener Straße. Was ist verschwunden – und was bis heute erhalten geblieben?

Vom Bebauungsplan zur Gleimstraße
Die zunächst nur bis zur Nordbahn projektierte Straße 19 Abt. XI des Bebauungsplans bekam am 18. Januar 1892 ihren Namen nach dem Schriftsteller Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803). Erst am 4. Oktober 1902 wurde auch die östliche Verlängerung entlang des Falkplatzes bis zur Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg so benannt.
Am Ende befand sich einst ein Depot der Groß-Berliner Straßenbahn, das Fritz Wilms 1924 zum Metropoltheater umbaute, dem heutigen Kino Colosseum. Die Gesamtlänge der Gleimstraße: 1,22 Kilometer, davon liegen 350 Meter im Brunnenviertel.
Gründerzeithäuser prägen die Straße
Bezeichnend für die westliche Seite der Straße, die ursprünglich zur nördlichen Rosenthaler Vorstadt gehörte, waren die gründerzeitlichen Mietshäuser mit großzügigen Wohnungen von 1896 bis 1898. Fast alle hatten Balkone mit schön geschmiedeten Brüstungen sowie meist Flachdächer mit darunter liegenden größeren Fensterluken. Damals trocknete man die Wäsche nur auf den Dachböden.
Die Kreuzungen bebaute man mit stumpf gestalteten Eckhäusern, sodass sie großzügiger wirkten.

Kriegszerstörung und Sanierung
Der Zweite Weltkrieg zerstörte die gesamte rechte Bebauung (Gleimstraße 65–71) sowie die Nummern 1–3 gegenüber zur Swinemünder Straße.
Erhalten sind die Nummer 4 von Paul Hasselbach sowie die Nummern 5 und 6/Ecke Graunstraße 28 von den Architekten August Wand und Johannes Matthiesen. Alle entstanden mit aufwendigem Fassadenschmuck. Dieser blieb bei der Sanierung um 1975 hauptsächlich erhalten, die Häuser wurden jedoch sehr farbenfroh gestaltet und erhielten rote Standardbalkone. Der teilweise fehlende Stuck an der Nummer 5 wurde durch Bemalungen in einem ähnlichen Stil ersetzt.
Sämtliche rückwärtigen Anbauten sind verschwunden. Die einstigen Seitenflügelwände wurden zu großzügigen Loggien umgeformt. Nach Räumung der Trümmer der gegenüberliegenden Straßenseite entstand bereits um 1960 eine offene Wohnanlage.
Die Gleim-Oase kommt hinzu
Auf dem aktuellen Foto sieht man auch einen Teil der 1985 angelegten Verkehrsinsel, die als Skulpturenpark „Gleim-Oase“ vom Gartenarchitekten Bernd Vogel entworfen wurde.
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