Grünschnitt am Vinetaplatz: Hecken auf Stock gesetzt

Anfang des Jahres wurden im Auftrag des Straßen- und Grünflächenamtes (SGA) rund um den Vinetaplatz die Büsche beschnitten. Unser Autor Hartmut Bräunlich ärgert sich über die Maßnahmen, weil er den Grünschnitt für zu drastisch und deshalb schlecht für brütende Vögel hält. Mit einem Brief hat er sich an die zuständige Stadträtin im Bezirksamt gewendet. Hier sind der Brief und die Antwort.

Sehr geehrte Frau Dr. Neumann,

das SGA Mitte hat am Vinetaplatz im Brunnenviertel die Heckenbereiche massiv zurück geschnitten. Seit Jahrzehnten waren da Brutplätze und Lebensräume der Nachtigall, Grasmücke, Grünfink, Amsel und anderer Heckenbrüter. Durch den massiven Eingriff in bestehende Habitate der Vögel wird ihnen damit die Möglichkeit genommen, an diesem Ort Nester zu bauen. Im Wahlprogramm der Grünen steht: In keiner anderen Metropole leben so viele Nachtigallen wie in Berlin. Damit es so bleibt, müssen wir Berlins Stadtnatur schützen. Was in Berlin Mitte und anderen Bezirken passiert, ist genau das Gegenteil. Großflächig werden Heckenbereiche aus unterschiedlichsten Gründen vernichtet, auf Stock gesetzt. Es ist nur eine vorrübergehende Hilfe, wenn Schnittholz oder Benjeshecken vor Ort verbleiben, das hilft den Sperlingen, nicht aber den Heckenbrütern.

Durch den fortschreitenden Klimawandel kehren Vögel früher aus ihren Winterquartieren zurück um an ihren angestammten Lebensräumen ihr Brutgeschäft zu beginnen. Sperlinge verlieren durch die Vernichtung von Heckenstrukturen sowie durch Neubauten und energetische Sanierungen im großen Stil Lebensräume sowie Nistmöglichkeiten. Darum steht der Haussperling bundesweit auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Tierarten. Wir benötigen für die Zukunft ein Monitoring der bestehenden Fauna und Flora, um Maßnahmen zum Schutz der (noch) vorhandenen Bestände zu ergreifen. Das Monitoring sollte bezirksübergreifend geschehen, derzeit fordern wir das für den benachbarten Mauerpark/Falkplatz/Jahnsportpark. Man muss die benachbarten Flächen mitbetrachten, Animal-Aided Design (tierunterstütztes Entwerfen) wäre so ein Konzept. Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen.

Mit freundlichen Grüßen, Hartmut Bräunlich

Nach dem Grünschnitt am Vinetaplatz. Foto: Hartmut Bräunlich
Nach dem Grünschnitt am Vinetaplatz. Foto: Hartmut Bräunlich

Antwort vom Bezirksamt zum Grünschnitt

Sehr geehrter Herr Bräunlich,

vielen Dank für Ihre Nachricht an Frau Dr. Neumann.Solche direkten Rückmeldungen sind wichtig, um die Wahrnehmung des behördlichen Handelns/das Agieren der Ämter reflektieren zu können. Ich kann gut verstehen, dass ein so deutlicher Rückschnitt erst einmal zu Entsetzen führt. Auch sie hätte sich hier vorab eine Info an die Anwohnenden bzw. eine Pressemitteilung gewünscht. Die Kolleg:innen im Grünbereich des Straßen- und Grünflächenamtes machen es sich aber nicht leicht und stutzen das Grün auch nur, wenn es botanisch geboten ist bzw. andere stark beeinträchtigt. In diesem Fall liegen die Bereiche in einem Spielplatzbereich und die Gehölze haben in den Straßenbereich hineingeragt und die Zuwegungen zum Spielplatz schlecht einsehbar gemacht. Alternativen gab es leider nicht. Der Artenschutzbeauftragte hat sich die Situation vor Ort angeschaut und in einer gutachterlichen Stellungnahme bestätigt, dass sich dort weder Nist- noch Brutplätze befinden. Die Maßnahme wurde außerhalb des Brutschutzes (1.10.2022 bis 28.02.2023) durchgeführt.

Mit freundlichen Grüßen, Referent von Frau Dr. Neumann

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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

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